Ortsbezogenes Lernen à la Gimlet

Hunde lernen ortsbezogen. Das steht in jedem guten Buch über Hundeerziehung. Weil es stimmt. Gimlet ist ein Hund, also lernt auch sie ebenfalls ortsbezogen. Allerdings nimmt sie es damit extrem genau.

Meine Hunde lernen alle ein Signal für „Geh auf deine Decke!“. Das steht bei mir weit oben auf der Liste der Dinge, die ein Hund können sollte. Weil bei uns im Haus mehr als ein halbes Dutzend Hundeplätze eingerichtet sind, bedeutet das Deckensignal, dass der angesprochene Hund sich auf den nächstbesten oder auch auf seinen Lieblingsplatz begeben soll. Ganz nach Gusto des Hundes.

So weit der Plan, der bisher mit allen meinen Hunden mehr oder weniger gut aufgegangen ist. Tja, und dann kam Gimlet. Dieser bunte Hund ist mir ein Rätsel. Oder sie ist einfach nur zu schlau für mich. Gimlet hat fix kapiert, dass „Auf deine Decke!“ ihr persönliches Deckensignal ist und sie sich dann in die große Kudde im Flur des Erdgeschosses begeben möge.

Verunsichert, was sie tun soll, war sie nicht, als wir den Abstand von der Kudde vergrößert haben, sehr wohl aber, als plötzlich eine andere Decke in der Kudde lag. Diesen Generalisierungsschritt haben wir aber schnell gemeistert, denn für das Befolgen des Deckenkommandos gibt es bei mir immer eine Belohnung.

Gimlet ist mir ein Rätsel. Oder sie ist einfach nur zu schlau für mich.

Gimlet ist mir ein Rätsel. Oder sie ist einfach nur zu schlau für mich.

Gimlet ist im ersten Jahr bei mir schnell clicker-wise geworden. Diesen Begriff hat Karen Pryor geprägt. Sie sagt, dass clickertrainierte Hunde „clicker-wise dogs“ werden, also klüger geclickert. Bei einem ohnehin schon schlauen Hund wie Gimlet führt das zu einigen Herausforderungen. Gimlet zum Beispiel kombiniert gern. Nachdem wir im Tricktraining das Rückwärtsgehen angefangen hatten, fing sie an, auch rückwärts in ihre Kudde zu laufen, wenn ich „Auf deine Decke!“ sagte.

Das macht sie bis heute so. Und falls Fizz oder Skipper schon in der Kudde liegen, die sie mit ihrem Deckensignal verknüpft hat, klettert sie rückwärts den Fellberg rauf. Ich habe das Gefühl, dass Gimlet sogar Spaß daran hat, wenn ein Hindernis ihr die Signalausführung erschwert.

Nun habe ich aber etwas getan, das Gimlet schwer verwirrt hat: Ich habe für Skipper, der überwiegend in der Küche residiert, eine Kudde Comfort gekauft, die Kudde, die bisher in der Küche lag, in den Flur gestellt – genau dorthin, wo Gimlets Lieblingskudde lag, und Gimlets bevorzugte Kudde in den Flur im ersten Stock verfrachtet.

Ihr ahnt schon, was passiert ist, oder? Exakt! Als Gimlet gemerkt hat, dass sie in der aus ihrer Sicht falschen Kudde im Erdgeschoss gelandet war, als sie das erste Mal nach der Umräumaktion „Auf deine Decke!“ gehört hatte, ist sie in den ersten Stock gelaufen … Doch schon hatte sie das nächste Problem: Sie war sich sehr unsicher, ob ich mir die Mühe mache, den Belohnungskeks bis in den ersten Stock zu tragen.

Natürlich habe ich ihr den Keks nach oben gebracht. Wir sind aber beide froh, dass Gimlet inzwischen gelernt hat, dass sie in die graue Kudde im Erdgeschoss flitzen darf, wenn ich sie – entsprechend ihrer Lerngeschichte – in die braune Kudde im ersten Stock schicke, weil die ja mal an dem Ort gestanden hat, an den die graue jetzt liegt.

Jetzt muss ich Gimlet nur noch beibringen, dass ich ihren Geschmack beim Dekorieren nicht teile.

Diese braune Kudde, die jetzt im ersten Stock liegt, lag im Erdgeschoss, als Gimlet ihr Deckensignal gelernt hat.

Diese braune Kudde, die jetzt im ersten Stock liegt, lag im Erdgeschoss, als Gimlet ihr Deckensignal gelernt hat.

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