Rückruf mit Spaghettisoße

Nur die Älteren unter euch können sich an den Werbespot eines bekannten Spaghettisoßenherstellers aus den späten 1980er Jahren erinnern, in dem zwei benachbarte Hausfrauen ihre Familien an den Mittagstisch rufen. Warum ich das erwähne? Weil ich das Rezept für einen sicheren Rückruf gerade mit Gimlet teste.

Also, vor allem für die jüngeren Leser will ich kurz erklären, was in dem unter Gender-Aspekten völlig unkorrekten Spot zu sehen ist: Zwei Mütter rufen ihre Familien zum Mittagessen ins Haus. Mutter 1 steht an der Haustür und ruft: „Essen ist fertig.“ Keiner kommt. Dann ruft Mutter 2: „Miráaaacoli ist fertig!“ Und? Genau. Zwei Kinder und der Vater kommen sofort angerannt und stürmen ins Haus.

Warum klappt der Rückruf von Mutter 2 besser als der Rückruf von Mutter 1? Ich drösele das mal fix auf: Essen ist ein primärer Verstärker. Deshalb lässt sich im Hundetraining Futter grundsätzlich sehr gut als Belohnung einsetzen. Im Werbespot soll das Mittagessen als Belohnung eingesetzt werden für das (erwünschte) Verhalten Reinkommen als Reaktion auf das (gelernte) „… ist fertig!“-Signal.

Warum aber kommt Familie 1 nicht? Aus demselben Grund, warum sich Gimlet (noch) nicht vom Buddeln auf der Wiese abrufen lässt. Weil eine Belohnung nur dann ein Verhalten verstärkt, wenn sie unmittelbar nach dem Verhalten kommt – und wenn sie in dem Moment die Bedürfnisse des Signalempfängers voll befriedigt.

Konkret: Familie 1 spielt lieber weiter im Garten, weil die Aussicht auf Nudeln mit langweiliger Soße sie nicht motiviert, das Spiel zu unterbrechen. Die Motivation von Familie 2 dagegen … Na, ich bin sicher, ihr habt inzwischen kapiert, was der Mars-Konzern uns mit seiner Werbung in den 1980er Jahren eingetrichtert hat.

Zurück zu Gimlet: Ich bin noch dabei, ihre Bedürfnisse kennenzulernen. Ich weiß bereits, dass sie sehr gern rennt und buddelt. Frei flitzen lassen kann ich sie aber nur, wenn der Rückruf zuverlässig klappt. Wir üben dran. Ich gestehe, dass der Rückruf nicht gerade das ist, was ich am liebsten übe mit Hunden. Da ich aber weiß, dass meine Motivation auch eine ganz wichtige Rolle dabei spielt, dass Training erfolgreich ist, habe ich mich in einem verrückten Moment für ein folgendes Rückrufsignal entschieden: „Mirácoli!“

Training mit Spaghettisoße: „Mirácoli!“ ist mein Rückrufsignal für Gimlet.

Training mit Spaghettisoße: „Mirácoli!“ ist mein Rückrufsignal für Gimlet.

Fazit: Das Training mit Soße macht so viel Spaß, dass es prima funktioniert. Dass ich von schnöden Leckerli auf Harzer Käse und Wiener Würstchen umgestiegen bin, mag allerdings auch einen Gutteil zum Trainingserfolg beitragen.

Von euch möchte ich gern wissen: Verwendet ihr auch lustige Signale? Falls ja, welche und warum?

4 Kommentare

  1. Dummyarbeit mit vier Windhunden, die in wechselnder Besetzung gemeinsam mit mir arbeiten – Das bedeutet für mich, dass ich acht Signale brauche, damit jeder meiner Hunde weiß, wann er gemeint ist und was er tun soll. Zwei Signale also für jeden Hund, jeweils eins für die Markierung und ein weiteres fürs Einweisen.

    Damit ich dabei nicht völlig im mentalen Chaos versinke, bis mir das richtige Signal für diesen Hund wieder eingefallen ist, habe ich einfach die gleichen Begriffe in mehreren Sprachen gewählt. Ich muss mir also nur merken, welcher Hund welche Sprache mit mir spricht. Das fand ich ziemlich pfiffig von mir.

    Meine Älteste, Cloe, knapp 11 Jahre alt, ist charakterlich eine echte Lady im Benehmen und Handeln, sie tut nichts überstürzt oder unüberlegt. Für sie sind es folgerichtig englische Signale. Was ich nicht bedacht hatte: sie kann zwar (noch immer) unglaublich schnell rennen, ist aber Perfektionistin und damit zögerlich, wenn sie noch prüfen muss, ob alles seine Richtigkeit hat.

    Wenn ich die gertenschlanke und blitzschnelle Dame also beim Einweisen auf ein Dummy exakt neben mir platziere, sie sich auf den cm genau ausrichtet, ich mein Bein und meinen Arm zum Richtungweisen vorschiebe, wir gemeinsam den Punkt fixieren, an dem das Dummy liegt, und ich am Höhepunkt der gemeinsamen Spannung „Speeeeeeed“ rufe, verzögert sie immer noch einen winzigen Moment, um dann maximal im zügigen Trab loszuzuckeln. Immer nach dem Motto „Gemach, gemach, die Dinger sind ohnehin tot. Eile ist hier fehl am Platz, ich muss mich schließlich konzentrieren!“

    Wir zwei ernten für diese Nummer mit schöner Regelmäßigkeit ordentliche Lacher aller Zuschauer.

  2. hallo…schönes foto toller Hund 😀
    lg

  3. Das ist bei meinem Berner Einstein genauso. Da geht alles über den Magen. Seitdem ich immer Leckerlies dabei habe hört er deutlich besser. Kann diese Art der Erziehung nur weiter empfehlen.

  4. Auf die Idee muss man auch erstmal kommen. Werde es diesen Sommer mal mit meinem Hund beim Agility ausprobieren 😀

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