Hunde und Katzen leiden auch unter der Vogelgrippe

Die Vogelgrippe hat Hannover erreicht, was nicht überraschend ist, denn die Geflügelpest vom Typ H5N8 ist Anfang November in Schleswig-Holstein festgestellt worden und erreichte gut eine Woche später Niedersachsen, genauer den Landkreis Peine. Es überrascht aber, dass in der Region auch Hunde und Katzen unter der Vogelgrippe leiden.

Nach einer Mitteilung der Region Hannover wurde der Verdacht auf Geflügelpest bei einer toten Reiherente bestätigt, die am Hufeisensee in Isernhagen gefunden worden war. Wie bei Tierseuchen üblich wird jetzt rund um den Fundort ein Sperrbezirk eingerichtet und großräumiger zudem ein Beobachtungsgebiet. Betroffen sind: Isernhagen, Langenhagen, die Wedemark, Burgwedel, Garbsen sowie einige nördliche Stadtteile Hannovers.

Warum ich in meinem Hundeblog über die hochpathogene aviäre Influenza vom Typ H5N8 schreibe? Weil Hunde und Katzen quasi ab sofort, nämlich ab Dienstag, 29. November 2016, grundsätzlich weder im Sperrbezirk noch im Beobachtungsgebiet frei herumlaufen dürfen. Im Klartext bedeutet das: Hunde und Katzen in Hannover leiden unter der Vogelgrippe.

Leinenzwang in Hannover: Hunde und Katzen dürfen grundsätzlich in dem wegen der Geflügelpest eingerichteten Sperrbezirk und im Beobachtungsgebiet nicht frei herumlaufen.

Leinenzwang in Hannover: Hunde und Katzen dürfen grundsätzlich in dem wegen der Geflügelpest eingerichteten Sperrbezirk und im Beobachtungsgebiet nicht frei herumlaufen.

Laut Region „besteht die Gefahr, dass diese [Hunde und Katzen] das H5N8-Virus nach dem Kontakt mit verendeten Vögeln weiter verbreiten. Daher sollte direkter Kontakt von Haustieren mit toten oder kranken Vögeln verhindert werden.“ Ich persönlich halte den Leinenzwang für unverhältnismäßig.

Zwar empfiehlt auch das Friedrich-Loeffler-Institut als nationales Referenzlabor in seiner Risikoeinschätzung zum aktuellen Auftreten der Vogelgrippe die „Vermeidung des direkten Kontakts von Personen und Haustieren zu toten oder kranken Wildvögeln“. Aber dass Hunde und Katzen das Virus H5N8 verbreiten, ist bislang nicht nachgewiesen worden.

Die Landeshauptstadt plant eine Ausnahmegenehmigung vom Freilaufverbot für Hunde und Katzen für die Bereiche, die mindestens 50 Meter von natürlichen und künstlichen Gewässern entfernt liegen. Demnach dürfen Hunde und Katzen also lediglich am Mittellandkanal, an der Leine und an der Ihme nur angeleint ins Freie. Immerhin!

Ich bin noch unentschlossen, ob ich mich an die Auflage halten werde, wenn sie denn erst im Süden der Region Hannover, wo ich mich mit meinen Hunden überwiegend tummele, gelten. Die Ausweitung der Sperrbezirke und Beobachtungszonen dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Mich ärgert der Leinenzwang sehr, weil ich meinen Hunden auch ohne striktes Freilaufverbot den Kontakt zu toten Wildtieren nicht erlaube beziehungsweise alles tue, um ihn zu verhindern.

Wenn denn das Virus überhaupt von Säugetieren verbreitet werden kann, halte ich es für deutlich wahrscheinlicher, dass andere Wildtiere zu Überträgern werden. Wobei ich mich frage, wie Wildtiere oder Hunde und Katzen den Virus dann in eine Geflügelanlage hineintragen. Bei einem kleinen Hühnerstall im eigenen Garten könnte das ja noch angehen, aber eine Massentierhaltungsanlage ist doch so gut wie hermetisch abgeriegelt …

Wirklich leid tun mir die Besitzer von Freigängerkatzen, denn Katzen lassen sich nicht einfach so einsperren. Und an die Leine nehmen lassen sich Katzen auch nicht. Es geht ja nicht nur um ein paar Tage, sondern um Wochen und vielleicht Monate. Wenn wir Pech haben, geht die aktuell angeordnete Anleinpflicht nahtlos in den dreieinhalb Monate währenden Leinenzwang in der Brut- und Setzzeit (vom 1. April bis zum 15. Juli) über. Das wäre dann spätestens die hochpathogene aviäre Influenza vom Typ H5N8.

Wie haltet ihr vom Freilaufverbot für Hunde und Katzen, um die Verbreitung der Geflügelpest zu verringern?

14 Kommentare

  1. Danke Inka, dass du das Thema aufgreifst!

    Ich kann fachlich nicht sicher beurteilen, ob die Regelungen sinnvoll sind und frage mich auch, ob es dazu überhaupt Erfahrungswerte gibt. Wurde irgendwo oder irgendwann schon mal Einsperren bzw Anleinen von Katzen und Hunden zur Abwehr der aviären Influenza eingesetzt?

    Davon abgesehen halte ich die aktuellen Regelungen aber auch für wenig plausibel. Ich habe gestern abend über dem Amtstext gebrütet und es stellten sich ne Menge Fragen, nachdem ich zunächst auch noch große Schwierigkeiten hatte dem Text zu entnehmen, wo genau die Grenzen sind ( ich verlinke mal die Karte, wenn das okay ist?)
    https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1k6blwYp4Uc7KJ7bbX0JAm2c5HXg&ll=52.46220683143075%2C9.7846126500001&z=11

    Also…
    Warum beginnt die Regelung erst in 2 Tagen? Müsste das nicht umgehend durchgesetzt werden, wenn es wirksam sein soll?

    Warum gehören große Teile der Stadt dazu während die großen Gewässer wie Maschsee und Kiesteiche frei bleiben?

    Warum erstreckt sich das Gebiet so weit in die südlichen weitestgehend wasserfreien Stadtteile während es nach Osten hin viel kleiner ist?

    Ich finde, das klingt alles irgendwie unverhältnismäßig, sehr verzweifelt, aber nicht zuende durchdacht – nach Aktionismus eben.

    Kommt das nur mir so vor?

    • Nein, mir kommt das auch sehr vor wie purer Aktionismus. Mich ärgert zudem, dass die Maßnahmen regionsintern nicht mal abgestimmt sind: Rund um Hannover ist der Tierseuchenalarm bereits ausgelöst, in der Landeshauptstadt noch nicht. Vermutlich sind die Abgrenzungen deshalb nicht stimmig.

  2. Ich halte die Erklärungen auch für blindes Zuschlagen, puren Aktionismus wie du schreibst, weil man nicht weiß, wie man der Situation Herr werden kann.
    So ist mittlerweilen in ganz Hamburg Leinenzwang.

  3. Ich habe versucht etwas über Hunde als Vektor für aviäre Influenza im Netz zu finden. Es ist mir nicht gelungen.
    Wir reden also über ein theoretisches Konstrukt, nicht über eine tatsächliche Wirksamkeit einer Maßnahme.

    Also muss das Schaden-Nutzen-Risiko bewertet werden, um zu entscheiden, ob eine Maßnahme gerechtfertigt ist. Wie du oben schreibtst, Inka ist der Schaden für die betroffenen Hunde und Katzen durch den fehlenden Freilauf sehr groß. Die Haltung ist damit nicht mehr artgerecht möglich.

    Also spielen wir doch den theoretischen Ablauf mal durch, um eine Idee zum Nutzen der Maßnahme zu bekommen:
    Gehe ich davon aus, dass tatsächlich jemand seinen Hund so gar nicht im Griff hat, dass er eine erkrankte Ente findet und intensiven Kontakt mit ihr hat. Das mag ja noch relativ wahrscheinlich sein bei einigen Hundehaltern.
    Dann muss sich dieser Hund aber tatsächlich infizieren und Viren ausscheiden, um die Influenza übetragen zu können. Dazu muss er tatsächlich selbst keine Krankheitszeichen zeigen. Zu Berichten über aviäre Influenza bei Hunden (oder Katzen) oder gar Infektionswahrscheinlichkeiteb habe ich nichts, aber auch gar nichts an Daten finden können. Damit scheint das zumindest sehr unwahrscheinlich zu sein, sonst gäbs dazu doch was. (Man möge mich gern korrigieren.)
    So, und nun muss dieser Hund oder diese Katze mit Influenzaviren auf den Schleimhäuten es also schaffen, einen gesunden Vogel zu infizieren, der dann seinerseits nach dem Schleimhautkontakt mit dem Hund noch so fit ist, dass er Zeit hat, das Vollbild der Influenza zu entwickeln und seine Artgenossen zu infizieren. Spätestens hier geht die Wahrscheinlichkeit doch gegen Null. Oder sieht das jemand anders? Also, was soll das?

    Ich bin ja bei sinnvollen Maßnahmen immer bereit mich einzuschränken. Aber das hier?

    • Und noch ein Gedanke, der mir gerade kommt: warum mussten Hunde und Katzen eigentlich während der H1N1-Pandemie 2009, die so viele Menschen schwerst erkranken und viele sterben ließ, nicht eingesperrt werden?
      Da ist doch die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von Mensch zu Tier zu Mensch exponentiell höher gewesen durch den kontinuierlichen Kontakt von Haltern zu ihren Tieren.

    • Danke, Britta, mal wieder stimme ich dir 100-prozentig zu. Ich bin sofort bereit, meine Hunde anzuleinen, aber ich möchte dazu eine vernünftige Begründung haben.
      Mit uns können Sie es halt machen, weil Hundehalter keine Lobby haben. Die Geflügelindustrie dagegen…

  4. Nachdem das in den gängigen Medien uneindeutig formuliert ist, habe ich gerade beim Veterinäramt der Stadt Hannover nachgefragt: mit mindestens 50 m Entfernung zu Gewässern besteht für alle Hunde und Katzen im Bereich des Beobachtungsgebiets innerhalb der Stadt Hannover eine Ausnahmegenehmigung zum Freilauf. Diese muss nicht beantragt werden, sie gilt automatisch.

    Puh, zumindest ein Lichtblick!

  5. Interessante Presseinfo vom Nabu zur Vogelgrippe: https://www.nabu.de/news/2016/11/21592.html

  6. So wird das Problem in München angegangen.
    https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Kreisverwaltungsreferat/Verbraucherschutz-und-Veterinaerwesen/Staedtisches-Veterinaeramt/Gefl-gelpest.html
    Klingt irgendwie entspannter, oder?
    Und ich persönlich glaube fest daran, dass sich dort durch diese Art der Aufklärung mindestens genau so viele Hunde- und Katzenhalter entschließen, ihre Tiere von Gewässern fernzuhalten.

  7. Wenn ich das hier so lese….
    die Leinenpflicht für Hunde und Katzen rührt nicht davon, dass die Hunde und Katzen vom Virus infiziert (und somit Ausscheider) werden könnten, sondern dass diese Tiere tote Vögel als „Beute“ verschleppen und somit eine unkontrollierte Ausbreitung stattfinden würde.

    • Unkontrollierte Ausbreitung? Erstens ist bisher nicht erwiesen, dass Hunde und Katzen den Erreger übertragen. Zweitens frage ich mich, wohin sich der Erreger, der Geflügel in Massentierhaltungen infiziert, ausbreiten soll. Hunde und Katzen gelangen ja doch eher selten bis nie in Hühnerstallanlagen hinein.

      Insgesamt erscheint mir die Möglichkeit einer Ausbreitung durch Landwirte, die großflächig Hühnertrockenkot auf ihren Feldern verteilen, doch wahrscheinlicher. Bisher wissen wir über die Ausbreitung allerdings zu wenig. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass der Übertragungsweg nachher zwei Jahren immer noch unbekannt ist…

      Hier ist noch ein interessanter Link zum Thema: http://www.artgerecht-tier.de/kategorie/katzen/beitrag/vogelgrippe-virus-h5n8.html

  8. Hallo,
    ich komme auch aus ähnlicher Region (Braunschweig) wie sieht es mittlerweile aus, gibt es Neuigkeiten?

    Ich habe eine Straßenkatze & 2 Maine Coon die ab und zu in den Garten auf unserem Grundstück gehen. Ab und zu jagen diese natürlich auch mal Vögel hinterher. Unser Streuner hatte auch schon nicht selten mal Vögel mit angeschleppt. Muss ich mir hier jetzt sorgen machen?

    Liebe Grüße

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