Von Hunden lernen heißt, ein besserer Mensch zu werden

Ich weiß, die Überschrift klingt pathetisch. Aber heute … Nun, der 13. August ist ein Tag, an dem ich nachdenklich bin – seit vor exakt vier Jahren Whisky gestorben und ein Jahr danach Grappa in einen Status epilepticus gefallen ist, aus dem sie nicht mehr erwachen sollte.

Erst vor Kurzem war ich so weit, dass ich über den Tod meiner Hunde etwas schreiben konnte. Es ist ein kleiner Essay über das Leben, die Liebe und den Tod geworden für eine Artikelserie mit dem dem Titel „Abschied für länger“ in der Fabelschmiede von Severine Martens: „Grappa und wie sie mich die Welt sehen ließ“. Darin beschreibe ich, dass ich ein besserer Mensch geworden bin, weil Grappa mich die Welt wie ein Hund sehen ließ. Extrem bunt!

Das Leben mit Hund ist bunt! (Foto: Ulrich Neddens, Neddens Tierfoto)

Das Leben mit Hund ist bunt! (Foto: Ulrich Neddens)

Aber nicht Grappa allein hat mich zu einem besseren, nämlich zufriedeneren Menschen gemacht. Es ist tatsächlich so, dass ich von meinen Hunden gelernt habe und jeden Tag lerne, hier und jetzt zufrieden zu sein. Alles wird gut, ist ein schönes Motto; alles ist gut, ist ein besseres.

Ich bin ein gnadenloser Optimist mit einem Hang zum Idealismus, den ich mir nicht nehmen lassen will. Natürlich ist die Welt alles andere als ein idealer Ort, aber dies zu bedauern tagein, tagaus, macht sie ja nicht besser. Deshalb tanze ich lieber – zusammen mit meinen Hunden – im Regen, statt auf die Sonne zu warten. Dabei entdecke ich Regenbogen. Und die sind: bunt!

Okay, genug Pathos. Was ich ebenfalls von und mit Hunden gelernt habe, ist, dass positive Verstärkung zwar nur ein, aber das wunderbarste Prinzip der operanten Konditionierung ist. Ich nutze positive Verstärkung deshalb schon lange nicht mehr allein im Hundetraining, sondern habe die Orientierung an (passenden) Belohnungen zu meiner Grundeinstellung gemacht. Platt gesagt: Ich teile Hunden und Menschen lieber mit „Hey, das ist cool! Das sollten wir wiederholen.“ als „Ey, das ist doof!“. Denn Dooffinden ist mir persönlich zu wenig nach vorn gerichtet.

Als Trainerin (meiner eigenen und anderer Hunde) versuche weder gehorsame Befehlsempfänger zu schaffen, die keine eigenen Entscheidungen fällen können, noch Lebewesen, die keine Grenzen kennen und deshalb ständig schlechte Lösungen finden, sich also unerwünscht verhalten. Ich mag aktive und mitdenkende Hunde, die in neuen Situationen selbst gute Lösungen finden. Mit anderen Worten: Ich trainiere Hunde so, dass sie allein klarkommen; und ich behandele Hunde so, dass sie dennoch lieber mit mir zusammen durch‘s Leben laufen.

Genug gegrübelt an diesem 13. August. Probiert es selbst aus und lebt bunt!

Ich wünsche mir aktive und mitdenkende Hunde, die in neuen Situationen selbst gute Lösungen finden. Mit anderen Worten: Ich trainiere Hunde so, dass sie allein klarkommen; und ich behandele Hunde so, dass sie dennoch lieber mit mir zusammen durch‘s Leben laufen. (Foto: Ulrich Neddens, Neddens Tierfoto)

Ich wünsche mir aktive und mitdenkende Hunde, die in neuen Situationen selbst gute Lösungen finden. Mit anderen Worten: Ich trainiere Hunde so, dass sie allein klarkommen; und ich behandele Hunde so, dass sie dennoch lieber mit mir zusammen durch‘s Leben laufen. (Foto: Ulrich Neddens)

8 Kommentare

  1. Du schreibst mir aus der Seele!

  2. Ja das stimmt wirklich. Von den Hunden könnten wir viel lernen.

  3. … so, dass er alleine klarkommt? Das macht mich sehr neugierig, was ist damit gemeint?

    • Ich möchte, dass Hunde in unbekannten Situationen beziehungsweise überraschenden Momenten selbstständig gute Lösungen finden können, also beispielsweise nicht in Panik wegrennen, wenn sie sich erschrecken.

  4. Gute Gedanken. Ich persönlich bin der Meinung, dass Hunde hier auf Erden ein Aufgabe in Bezug auf uns Menschen zu erledigen haben, im Sinne einer „Bewusstseinserweiterung“.

  5. Ein wirklich schöner Spruch: „Von Hunden lernen heißt, ein besserer Mensch zu werden“. Da steckt so viel Wahrheit in dem Satz, ich glaube das kennen nur die echten Hundebesitzer unter uns 🙂

  6. Hallo Inka,

    tolle Ansicht. Zufriedene Hunde sind jene, die auch alleine zurechtkommen. Und nicht die, die wegen jeder neuen Situation
    a) ..ängstlich
    oder b) ..aggressiv

    sind. Danke für diesen Artikel!

    Viele Grüße
    Juluia

  7. Ein wundervolles Zitat ! Ich finde, dass das Vertrauen von Hund zu Mensch und andersherum (das sich m.E. auch durch positive Verstärkung im Training ergibt) auch das ist, was einen sicheren Hund ausmacht, der bereit ist, Lösungen zu finden und zu kooperieren.

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