Sudoku

Diejenigen unter euch, die möglicherweise ihre Hunde im Auto anschnallen oder im Kombi hinten sitzen lassen, werden genau wissen, wovon ich schreibe: chinesische Kunstnasenmalerei.

Manche kennen das unter Nasenschmiererei, Rotzschmierei oder schmierende Kunst, Tags (einfaches Stupsen), Airbrush (Niesen) und Sabber. Allen gemein ist die zu bemalende Oberfläche: Glas. Das kann das hauseigene Fenster bei flexibel agierenden, gut untrainierten Springhunden sein, die Terassentür, bodentiefe Spiegel, Backofenscheibe oder halt die Autofenster.

Chinesische Hundenasenmalkunst mit feinperligem Schlamm auf Glas, „indische Ausführung“, gerahmt auf Polo cl Coupe (1992). (Bild: Heike Ahlers)

Chinesische Hundenasenmalkunst mit feinperligem Schlamm auf Glas, „indische Ausführung“, gerahmt auf Polo cl Coupe (1992). (Bild: Heike Ahlers)

Die Kunst ist wetter- und schmutzabhängig am Besten sichtbar bei Dreck und Sonne, sozusagen reaktive Kunst, wenn man will, oder man möchte einfach nur den Putzlappen rausholen (kann weg), aber: Halt! Was genau will uns der Künstler damit sagen? 

Ich putze den vollverglasten Paxschrank. (Wer hatte noch mal die Idee? Muss mein Ex-Mann gewesen sein.) Unten links und oben rechts schliert das Köttelchen einmal rüber. „Ey! Was soll das? Ich putze hier dauernd euren Dreck weg und da war ich schon! Was bitte soll das bedeuten?“ – „Wer das liest ist doof!“, grient das Köttelchen und ist schneller weg, als ich Dadaismus sagen kann. Und da quer unten, das war doch die Rieke. Unfassbar! In ihrem Alter! 

Da erzählt man uns jahrzehntelang etwas davon, dass die Hundenase das empfindlichste Organ des Hundes sei; da soll man draufhaun (vor 30 Jahren)/auf gar keinen Fall draufhaun (heute); und dann quatschen die ihr Organ einfach an die nächste Scheibe. 

Wahrscheinlich gibt es dafür Tutorials: Wie ich mit welchem Quadranten meines empfindlichen Organs in welcher Nassheit welche Schriftzeichen am allerbesten wo genau nicht nur positioniere, sondern in adäquater Verbindung mit Natur und Ortsverhältnissen die exakte Konnotation zur gerade vorhandenen Stimmung ausdrücke. Oder einfach nur „Fuck you!“ hinkritzel. (Nein, ich glaube, dafür braucht es keine Tutorials.)

Nicht nur ich frage mich: Wozu? Warum machen die das? Können die nicht richtig sehen und müssen zwangsläufig ihre Nasen ans Glas quetschen? Warum machen das einige Hunde und andere nicht? Dioptrin? Was bewegt Hunde zur chinesischen Kunstnasenmalerei? 

Was steht jetzt rechts unten am Pax? Rieke? „’Carpe diem‘ steht da“, lächelt sie charmant, „und: ‚Der Clicker liegt auf dem Küchentisch und die Mondblume öffnet sich rot bei wrkstfl‘.“ – „WAS?“ – „Ich übe Sudoku, bin aber noch nicht ganz perfekt“, antwortet mein Tausendschönchen. „Haiku“, antworte ich automatisch. „Nein. Soweit würde ich dann doch nicht gehen“, erwidert meine Corgililie. 

Manche Diskussionen mit meinen Hunden hinterlassen mich dann doch in schwerer Verwirrtheit. Das kann aber auch an mir liegen.

Arrigato, junger Padawan, und einen schönen Tag, eure Hike

3 Kommentare

  1. hey :)

    sehr unterhaltsmer artikel, den ich nur zugut nachvollziehen kann :D ich ärgere mich zwar immer wieder dadrüber allerdings kann ich unserem hundi auch nie wirklich böse sein deswegen, wenn er mich voller freunde anspringt sobald die tür aufgeht :)

    allgemein gefällt mir dein blog sehr gut, weiter so!

  2. Haha, klasse geschrieben! Sehr amüsante Geschichte, leider auch eine wahre Geschichte die ich genauso erlebe..jeden Tag :) Was wäre unser Leben ohne ein paar feuchte Nasenabdrücke an den Scheiben.
    Viele Grüße
    Dennis

  3. Sehr amüsante Story die Ich gut nachvollziehen kann. Unsere beiden Hunde verzieren die Scheiben gerne links und rechts vom Auto gleichzeitig ^^

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