Hunderegister Nds. – eine Geschichte voller Missverständnisse?!

Es mag sein, dass ich als gelernte Journalistin und einstige Pressesprecherin Medien besonders kritisch verfolge; es mag auch sein, dass ich als ehemalige HAZ-Redakteurin die Hannoversche Allgemeine Zeitung noch mal kritischer lese, aber…

…ich bin ziemlich sicher, dass ich mich nicht als Einzige über die Fehler aufrege. Ein Beispiel aus der gestrigen HAZ:

Seit der Novellierung des Niedersächsischen Hundegesetzes im Jahr 2013 muss jeder Hund einen Chip unterm Fell tragen. Darauf sind eine individuelle Kennnummer und Daten zum Halter gespeichert – die im Zentralregister gesammelt werden.

Ja, nee, is’ klar: Als Fizz vor gut zwei Jahren zu mir zog, wurde ihr der Chip des Tierheims entfernt und stattdessen ein neuer eingepflanzt mit meinen persönlichen Daten drauf. Und als ich vor einem Jahr umgezogen bin, musste Fizz wieder zum Chipwechsel, damit sie mit unserer neuen Anschrift unterm Fell rumläuft. Herzlich willkommen im Transplantationszeitalter! Und, ähm, wenn die Daten des Halters auf dem Chip sind, wozu wird dann überhaupt noch das Zentralregister benötigt?! Tatsächlich ist es so: Der Transponder besteht aus einem RFID-Chip mit einer 15-stelligen Identifikationsnummer und einer gewebeverträglichen Hülle. Er wird – einmalig – an der linken Halsseite unter die Haut transplantiert.

Der Transponder hat eine gewebeverträglichen Hülle, die einen RFID-Chip mit einer 15-stelligen Identifikationsnummer enthält. Bei Fizz wurde der Chip, wie bei Hunden üblich, an der linken Halsseite unter die Haut transplantiert.

Der Transponder hat eine gewebeverträgliche Hülle, die einen RFID-Chip mit einer 15-stelligen Identifikationsnummer enthält. Bei Fizz wurde der Chip, wie bei Hunden üblich, an der linken Halsseite unter die Haut transplantiert.

Die Geschichte des niedersächsischen Hunderegisters ist eine Geschichte voller Missverständnisse – und das liegt auch daran, dass Journalisten entweder nichts mehr hinterfragen oder unlogische Zusammenhänge schlicht nicht als solche erkennen. Überhaupt: Ich bin es inzwischen echt leid, als Hundehalterin als potenziell krimineller Mensch zweiter Klasse dargestellt zu werden.

Immerhin ist es gut zu wissen, dass mein Blutdruck nicht der einzige ist, der regelmäßig steigt bei der Zeitungslektüre. Britta Schumann geht es ähnlich. Nachfolgend darf ich ihren Leserbrief an das HAZ-Leserforum veröffentlichen.

Von: Britta Schumann
An: leserforum@haz.de
Betreff: Nur jeder zweite Hund ist registriert

Da haben es die Hundehalter doch tatsächlich wieder mal auf die Titelseite geschafft, und im Lokalteil füllen sie mit ihrem Fehlverhalten die halbe Seite. Das müssen schon ziemlich kriminelle Menschen sein, die sich kollektiv so daneben benehmen. Immerhin jeder zweite ist betroffen, das macht 50%, unglaublich, oder? Man könnte meinen, keine andere gesellschaftliche Randgruppe zeige derart häufig ordnungswidriges Verhalten.

Nun denn, spannend nur, dass die Gruppe der Hundehalter keine homogene Gruppe ist. Hundehaltung zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten ähnlich wie Rad fahren. Da radelt gefühlt auch die Hälfte der Menschen bei rot über Ampeln und durch Fußgängerzonen – auf die Titelseite schaffen es die Radler trotzdem eher selten.

Spannend auch, dass angeblich die Daten der Hundehalter auf dem Chip gespeichert sind. Kurz nachdenken bitte: Muss dann bei jedem Halterwechsel der Chip explantiert und ein neuer implantiert werden, oder wie stellen wir uns das vor? Auf dem Chip findet sich nichts außer der Identifikationsnummer, und die wird zusammen mit den vom Halter gemeldeten Daten in den entsprechenden Datenbanken gespeichert, die da wären: Datenbank für die Hundesteuer, niedersächsisches Hunderegister und auf freiwilliger Basis Tasso, das Tierschutzregister. Tatsächlich ist lediglich das Melden bei Tasso beim Entlaufen eines Hundes hilfreich. Die anderen beiden Datenbanken dienen lediglich dazu, Sanktionen verhängen zu können, nützlich sind sie dem Hundehalter nicht.

Und dann ist auch noch spannend, worauf denn wohl die Aussage beruht, dass nur jeder zweite Hund gemeldet ist, wenn doch nur stichprobenhaft geprüft wird.

Fast könnte man meinen, dieser Artikel sei die Einstimmung auf die jährlich zu erwartende Attacke auf Hundehalter zum Beginn der Brut- und Setzzeit am 01.04., die mit schöner Regelmäßigkeit für kollektives gesellschaftliches Misstrauen gegenüber jeder Person führt, die mit einem Hund gesehen wird.

Auch darauf bin ich schon sehr gespannt! 

Dr. Britta Schumann

P.S.: Meine drei Hunde sind gechipt, geimpft, entwurmt, versichert, jeder einzelne hat die Hundeführerscheinprüfung mit mir abgelegt, und selbstverständlich zahle ich für alle drei Hundesteuer und habe sie im niedersächsischen Hunderegister gemeldet. Ich trage immer Kotbeutel bei mir und benutzte sie auch, und die Leinenlänge habe ich auch nachgemessen, sie übersteigt 1,5m nicht. Öffentliche Verkehrsmittel betrete ich mit maximal zwei meiner drei Hunde, mehr darf ich dort nämlich nicht mitnehmen.

Meine Hunde haben sich die Ausnahmegenehmigung zum Freilauf in öffentlichen Grünanlagen und Parks erarbeitet, die entsprechende Bescheinigung trage ich stets bei mir. 50m vor Spielplätzen, Schulen und Kindergärten leine ich sie an, auch spät abends, wenn dort keine Menschenseele mehr ist, denn das ist so vorgeschrieben. Ich nehme sie bei Seite, wenn mir auf Fußwegen ein Jogger oder Radfahrer begegnet, auch wenn mir das selten gedankt wird.

Und trotzdem bin ich begeisterte Hundehalterin und arbeite mit meinen Hunden erfolgreich im Bereich der ambulanten Kinder- und Jugendpsychiatrie. Denn im Gegensatz zu uns Menschen, haben meine Hunde ihre Intuition behalten und begegnen ihrem Gegenüber meist unvoreingenommen. Sehr entspannend bei all den bürokratischen Gängeleien, die wir uns untereinander so aufbürden.

4 Kommentare

  1. Stefanie Möller

    Ein wunderbarer Leserbrief!!
    Hoffentlich wird er von den richtigen = den angesprochenen = den eigentlich gemeinten gelesen. Und noch besser wäre: auch verstanden….

  2. Heike Gerhardt

    Besser hätte man es nicht ausdrücken können!!!!!!!!!!

  3. Britta Schumann

    Und es ist wieder soweit. Vor gerade mal vier Tagen begann die Brut- und Setzzeit und mein Mann und ich sind bereits mehrfach mit Verweis auf die „freie Landschaft“ aufgefordert worden anzuleinen – auf Flächen, auf denen wir die Hunde ganz legal und offiziell frei laufen lassen dürfen.

    Anlass für mich den Begriff der freien Landschaft noch mal nachzuschlagen.

    Er ist definiert in Paragraf 2 des Niedersächsischen Gesetzes über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG):

    „§ 2 Wald und übrige freie Landschaft

    (1) Die freie Landschaft besteht aus den Flächen des Waldes und der übrigen freien Landschaft, auch wenn die Flächen innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile liegen. Bestandteile dieser Flächen sind auch die zugehörigen Wege und Gewässer.

    (2) Nicht zur freien Landschaft gehören
    Straßen und Wege, soweit sie aufgrund straßengesetzlicher Regelung für den öffentlichen Verkehr bestimmt sind,
    Gebäude, Hofflächen und Gärten,
    Gartenbauflächen einschließlich Erwerbsbaumschulen und Erwerbsobstflächen sowie
    Parkanlagen, die im räumlichen Zusammenhang zu baulichen Anlagen stehen, die zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmt sind.“

    Der Begriff „freie Landschaft“ ist ein historisch geprägter Begriff und geht zurück auf eine Initiative des SPD-Politikers Wilhelm Hoeger, der 1946 dafür gesorgt hat, dass Mitbürgern der Zugang zu Bereichen mit gesondertem Betretungsrecht, also Privatwald und in Privatbesitz befindliche Grünflächen wie Felder und Wiesen, nicht verwehrt werden darf.
    Eigentlich also ein für Bürger sehr positiv geprägter Begriff, der Rechte beinhaltet, die es davor nicht gab!

    Daraus erklärt sich aber auch:
    Der Grünstreifen im Stadtteil zwischen Straße und Bahndamm ist KEINE freie Landschaft. Öffentliche Parks sind auch KEINE freie Landschaft. Das sind öffentliche Flächen. Was dort erlaubt oder verboten ist, steht in der Grünflächenverordnung bzw. der Hundeverordnung.

    Wenn mich nun sogar andere Hundehalter warnen, dass ich ein Bußgeld zahlen müsse, wenn man mich hier mitten im Stadtgebiet am Straßenrand mit frei laufenden Hunden erwischt, dann scheint mit der Aufklärung über die Rechte und Pflichten der Hundehalter zur Brut- und Setzzeit in den letzten Jahren einiges schief gelaufen und falsch verstanden worden zu sein.

    Und GENAU DAS meine ich mit dem jährlich im Frühling wiederkehrenden Argwohn gegen Hundehalter, der durch ungenaue oder fehlerhafte Infos in den Medien geschürt wird und Hundehalter noch mehr einschränkt als es der leidige Leinenzwang zur Brut- und Setzzeit ohnehin schon tut.

    • Der Chip enthält gerantiert keine Daten vom Halter, sondern nur eine 15-stellige Nummer. Ist der Chip einmal gesetzt wird er nicht wieder entfernt. Weiter sollten doch alle Hundehalter in Nds. froh sein, dass wir in Niedersachsen keine Rasselisten haben wo einige Hunderasse per se als gefährlich deklariert werden. Das Problem ist der Halter und nicht der Hund. Dies wurde hier in Niedersachsen richtig erkannt. Ich als Halter finde diese Herangehensweise sehr begrüßenswert. Fragen Sie dazu mal einen Halter in Hamburg.

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