Leitwolf-Training – Der Verrat an der Intelligenz des Menschen

Ich habe Tränen gelacht gestern Abend, was montags für mich kein typisches Verhalten ist. Der Grund: der Blogbeitrag »„Positive Verstärkung“ – Der Verrat an der Natürlichkeit unserer Hunde.« von Mirko Tomasini.

Nach den ersten beiden Worten in der Titelzeile oder vielmehr den Gänsefüßchen wusste ich zwar schon, was kommt, aber es wurde noch lustiger. Anführungszeichen dienen entsprechen der achten Rechtschreibregel der ironischen Hervorhebung. Da es sich bei der positiven Verstärkung um einen feststehenden Begriff aus der Lerntheorie handelt, verrät der Autor des Blogbeitrags noch bevor er seinen Beitrag beginnt, dass er keine Ahnung hat, worüber er sich auslässt. Es ist, als würde ein selbsternannter Hobbyphysiker über die sogenannte Schwerkraft schreiben.

In der zweiten Titelhälfte soll dann eins der fünf Prinzipien der operanten Konditionierung die „Natürlichkeit unserer Hunde“ (hier kennzeichnen die Anführungszeichen ein Zitat, Regel 7) verraten. Nun ja, die Schwerkraft im Zusammenspiel mit der nachlassenden Elastizität meiner über 40-jährigen Haut verraten mein Alter … Aber wie kann eine glaubensunabhängige Gesetzmäßigkeit (damit sind sowohl die Schwerkraft als auch die Konditionierung gemeint) die Natürlichkeit verraten – und dann noch die Natürlichkeit von Hunden, die als Haustiere im Gegensatz zu Wildtieren einen Gutteil ihres natürlichen Lebens eingebüßt haben. Im Gegenzug dieser geglückten Domestizierung dürfen sie aber oftmals in unseren Betten schlafen. Eine Win-win-Situation, wenn ihr mich fragt. Inzwischen ist das sogar wissenschaftlich untermauert.

Wenig Wolf übrig: Eine Studie hat jüngst ergeben, dass Haustiere durchaus mit im Bett schlafen sollten.

Wenig Wolf übrig: Eine Studie hat jüngst ergeben, dass Haustiere durchaus mit im Bett schlafen sollten.

Auf den Blogbeitrag will ich jetzt gar nicht näher eingehen. Seine Botschaft, zugegeben dezent zugespitzt, lautet:

Ihr braucht eure Hunde nicht zu füttern, es reicht Hunden zu wissen, dass ihr Hundefutter im Haus habt und sie füttern könntet. Und bloß nicht streicheln, denn Zuwendung ist ein primärer Verstärker, den Hunde als Belohnung missverstehen. Belohnen wiederum ist widernatürlich.

Leider halte ich es für möglich, dass Mirko Tomasini seinen Blogbeitrag und sogar sein Copyright-geschütztes Trainingskonzept ernst meint und durchzieht. Falls dem wirklich so ist, fordere ich sein zuständiges Veterinäramt auf, ihm unverzüglich die Erlaubnis als Hundetrainer nach Paragraf 11 Tierschutzgesetz zu entziehen wegen mangelnder Sachkunde. Derlei Trainingsphilosophie ist nämlich – der Verrat an der Intelligenz des Menschen.

Und jetzt nominiere ich Mirko Tomasini für den goldenen Aluhut.

52 Kommentare

  1. Peter van der Gugten

    Es ist schon unglaublich, mit welcher Gehässigkeit Sie eine andere Meinung bekämpfen. Sollte Ihnen zu denken geben.
    Ich lebe seit über 50 Jahren mit mehr als einem Dutzend Hunden zusammen, und völlig egal, was die werte Wissenschaft mir heute zu erklären versucht, ich habe gelernt, dass es morgen wieder anders aus derselben Küche tönt.
    Inzwischen sehe ich aber Hunde, die sich nicht mehr wie Hunde verhalten, und Menschen die mit Ihren Hunden völlig überfodert sind, dank der von Ihnen so vehement verteidigten Theorie. Meine Hunde kennen Grenzen und haben Spass an
    meiner Gesellschaft. Und nicht am Leckerli.
    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen mehr Offenheit für andere Ideen und etwas weniger Wissenschaftsgläubigkeit.
    Peter van der Gugten Schweiz

    • Ähm – „positive Verstärkung“ als „Verrat an der Natürlichkeit“ und das Training mit positiver Verstärkung als „Teufelskreis“ zu bezeichnen und zu behaupten, beim Arbeiten und Zusammenleben mit Hunden ohne Zwang fehlte es an der „stabilen Beziehung“ ist Ihrer Ansicht nach aber höflich und in Ordnung?!

      Diese „andere Meinung“ stellt Dinge als Fakten dar, die so schlicht nicht stimmen – es ist weder gehässig noch verbohrt, das richtigzustellen, sondern offenbar bitter nötig.

    • Auch meine Hunde kennen Grenzen und haben Spass an meiner Gesellschaft und an Leckerlies. Meine Hunde schlafen gleich zu mehreren mit in meinem Bett und wir arbeiten mit positiver Verstärkung.

      Offen sein bedeutet für mich auch, offen gegenüber neuen wissenschaftlicheb Erkenntnissen zu sein.

      Offen zu sein bedeutet für mich aber nicht, alles nach machen zu müssen.

      Jeder muss gemeinsam mit seinen Hunden seinen Weg zur Gemeinsamkeit finden.

      Wir haben diese Gemeinsamkeit und viel Freude am Dogdance gefunden. Ist das widernatürlich? Selbstverständlich! Es ist genauso widernatürlich wie wilde Tiere zu domestizieren.

    • Jaja lieber Peter aus der Schweiz…. so ist das nun mal, da haben Menschen seit 50 Jahren Hunde und glauben, alles zu wissen. Demnach wäre die Erde wohl wirklich noch eine Scheibe, ich hoffe Sie fallen dann nicht am Ende der Scheibe runter!

      Wenn der Hauptteil der wirklich guten Trainer/innen und Verhaltensberater/innen diese Methoden, wie der Herr Tomasini und Konsorten propagieren, für nicht zutreffend finden und gemäß der Lerntheorien schon längst überholt sind, zu Recht verteufeln, dann hat das wohl einen guten Grund.

      Es würde auch Ihnen mal gut anstehen, sich weiterzubilden und nicht auf Ihrem Horizont, der nach Albert Einstein sicher auch ein Kreis mit Radius Null zu sein scheint, stehen zu bleiben.

      Grüßle von der Helga aus dem Ösiland!

    • @Peter van der Gugten: Weil es an dieser Stelle gerade gut passt, verrate ich, dass Dürrenmatts Physiker eins mein liebsten Theaterstücke ist. Im Übrigen ist das Leben keine Star-Wars-Episode, in der es nur eine helle und eine dunkle Seite der Macht gibt. Echtes Leben ist bunt, aber das sieht nur, wer sich nicht die Augen zuhält…

    • Absolut richtig!

    • Genau !!!!
      Vllt sollte man Hunde weniger für asoziale Wesen halten und mehr soziale Tiere sein lassen. Entweder sie sind nix oder sie sind vermenschlicht, aber bei wem dürfen sie noch Hund sein? Bei Mirko mit Sicherheit. Und als die Hunde sich uns Menschen anschlossen funktionierte die Symbiose auch ohne Leckerchen… Nirgends behauptet Mirko, dass man nicht sozial mit seinen Hunden interagieren soll, im Gegenteil, er dressiert nicht sondern lebt mit Ihnen. Furchtbar wie wir Menschen sind ! Und furchtbar wieviele Menschen einen Hund halten, obwohl sie keinen Hund wollen, sondern ein Kind, ein Partner, etc etc vor 20 Jahren waren Hundemenschen idR tolle Leute oder sie hatten Arbeitshunde die ihren Job machen durften, aber jetzt hat jeder Jeck einen Hund und sei es nur als Statussymbol und heraus kommen lauter gestörte Hunde von irrenden Menschen, die nicht verstehen wollen (!) wer ihr Hund ist.

    • @Nikola
      Du warst dabei, als sich der Hund dem Menschen anschloss? Ich bin mir ziemlich sicher, dass Futter da eine entscheidene Rolle gespielt hat.
      Auch muss man bedenken, dass da „früher“ kein Hund schön an der Leine laufen musste, sich perfekt in der Innenstadt zu verhalten hatte und irgendwelche Gehorsamkeitsprüfungen über sich ergehen lassen musste, nur damit man beim Ordnungsamt nicht angeschwärzt wird.

      Wo Herr Tomasini da eine Symbiose eingeht, sehe ich nicht, jedenfalls nicht mehr als bei meinen Hunden.

    • gut gebasht ist halb gewonnen so scheint es…

    • tja, wie sagte schon konfutius :“dummheit ist nicht wenig zu wissen, auch nicht wenig wissen zu wollen – dummheit ist glauben, genug zu wissen“ kann sein das deine 50 jahre nicht ausreichen, um mit eine über 100jahre alten lerntheorie mitzuhalten

  2. Dem kann ich nur zustimmen. Er sollte beim „Spiel mit Hunden“ bleiben.

  3. Steffi Gutermann

    Danke für diesen wunderbaren Artikel, der mir aus der Seele spricht.

  4. Danke für den Artikel! Wenn es schon an den Fachbegriffen scheitert, kann der Rest des Trainings nicht gut sein. 😉

  5. Zitat: „[…] Eine Studie hat jüngst ergeben, dass Haustiere durchaus mit im Bett schlafen sollten.“ – Eine Studie hat also etwas ergeben… eine Studie! Das ist wohl die neue Wissenschaft!? Warum forschen, wenn es doch Studien gibt! Und dann diese unqualifizierten Bemerkungen von wegen wie man Gänsefüße verwendet. Diese Rezension ist unter aller Sau und mit seinem gehässigen Geschwafel macht er sich selber unglaubwürdig…

    Edit: der Mensch forscht in so vielen verschiedenen Bereichen. Und NIRGENDS wird etwas 100%-ig akzeptiert bis es definitiv bewiesen ist. Bei den Lernmethoden hier ist das anders. Da wird auch geforscht. Aber leider kann man in die Kopfe der Tiere nicht reinschauen. Also gibt es keine 100%-ige Erkenntnis. Um aber dennoch recht zu haben (oder so zu tun als ob!), bedient man sich der Studie! Und siehe da, alles ist „bewiesen“ (ja, das Einsetzen der Gänsefüße ist hier nach Anwender der achten Rechtschreibregel in Ordnung) und somit kann man jede andere Meinung totreden und für falsch erklären. Danke, Studie, das du unser Leben so sehr bereicherst!

  6. Meine 5 Hunde werden gekuschelt, betüddelt, geliebt, gehätschelt, gehegt und gepflegt. Und natürlich gibt es auch ein Leckerchen, wenn sie draußen für mich alles stehen und liegen lassen, weil ich sie rufe – nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Und das honoriere ich. Ist schließlich keine Selbstverständlichkeit. Da fällt uns kein Zacke aus der Krone. Hunde sind Freunde. Und zur Freundschaft gehört Liebe. Und die zeigt man auch. Hunde sind zu einer einzigartigen Bindung mit dem Menschen fähig. Kein anders Haustier ist zu so einer Kommunikation mit dem Menschen fähig. Kein anderes Haustier liest und versteht uns so gut wie die Hunde. Dafür hat die jahrtausenlange Domestizierung gesorgt.DAS ist die Natur. DAS ist natürlich. Hunde sind keine Wölfe. Sie sind voll und ganz von uns abhängig. Zeit, dies mal ein bißchen zu honorieren, anstatt sich als der große Chef auszuspielen.

    • Schade,… dass man immer wieder Dummschwätzern begegnen muss… weil der einzelne Hund kann durchaus sofort völlig auf sich gestellt, LEBEN ohne die falschverstandenen Liebes- und Misshandlungen von GUT-Menschen.

    • Das haben Sie sehr schön formuliert, Frau Windisch. Mir aus der Seele gesprochen.

  7. Ich wurde gestern auf seiner FB-Seite geblockt, als ich mit meinem Blogartikel den DIskurs suchte, weil er ja jedes Argument in seinem Text widerlegt. Er wolle keine solchen Texte darunter haben, ich begann also zu fragen, warum. Statt sich auf die Inhalte zu beziehen, hat er es vorgezogen, mich einfach zu blockieren. Darf er, ist aber alles andere als kompetent.

  8. Susann Christeler

    Liebe Frau Burow
    Ich gestatte mir, Sie bezüglich „Lerntheorie“ zu berichtigen:
    Die klassische wie auch die operante Konditionierung sind Teilgebiete aus der Lerntheorie – wie der Name schon sagt, handelt es sich also um Theorien bzw. Erklärungsmodelle, nicht um Gesetzmässigkeiten. Der Vergleich mit der Schwerkraft ist m.E. nicht zulässig.
    Ich erspare Ihnen einen langen Exkurs und halte nur fest, dass die Konditionierungstheorien teilweise widerlegt sind, weil sie wesentliche Prämissen wie auch Variablen vernachlässigen und ausserdem nur bedingt wiederholbar sind, insbesondere ausserhalb des Laborexperiments. (Die Konditionierung mit „Wahrheit“ gleichzusetzen erinnert deshalb tatsächlich an den Glauben an die „Erde als Scheibe“, @Helga.)
    So gesehen ist der genannte Hundetrainer nicht der einzige, der nicht übermässig viel Ahnung hat, worüber er sich auslässt.
    Freundlichen Gruss, S. Christeler, dipl. Psych.

    • Was genau wurde da widerlegt?

      Ich empfehle meinen Blogartikel zum Thema, denn da gehe ich auf die Punkte ein. „Uns“ ist klar, dass die Konditionierung ein Teil ist, allerdings kein abgetrennter Teil, sondern ein „Mischmasch“, man kann ihn nicht heraussezieren, auch ein Herr Tomasini nicht.

      >>Ganz einfach ausgedrückt, ist die Konditionierung eine Form des Lernens, die mit einigen anderen Lerntheorien eng verzahnt ist. Wird einem Welpe von seiner Mutter gezeigt, welches Futter besonders genießbar ist, entscheidet der Geschmack des Hundekindes darüber, ob es diese Speise zu schätzen weiß und künftig fressen wird.<<

      https://maulkorbfrei.wordpress.com/2014/12/27/wer-hat-angst-vorm-schwarzen-mann-schreckgespenst-konditionierung/

    • Sehr geehrte Kollegin,

      Ihr Kommentar macht mich sehr neugierig. Besonders aus beruflicher Perspektive, denn Forschung ist mein täglich Brot.

      Sie schreiben, dass „die Konditionierungstheorien teilweise widerlegt sind, weil sie wesentliche Prämissen wie auch Variablen vernachlässigen und außerdem nur bedingt wiederholbar sind.“ Wie wahr! Tatsächlich ist es aber etwas, mit was wir in allen Bereichen der Psychologie leben müssen – keine Studie kann für sich behaupten, alle konfundierenden Variablen zu kontrollieren. Oder sehen Sie das anders? Auch können einzelne Theorien selten alle Facetten eines so komplexen Mechanismus wie den des Lernens abdecken, es kann nur Annäherungen an die Wahrheit geben. Oder? Alles was man tun kann, ist mit guten experimentellen Designs möglichst viele Variablen zu untersuchen und zu sehen, ob sich die Ergebnisse in möglichst vielen Studien replizieren oder lassen oder eben nicht. Dass dies besonders für die klassische und operante Konditionierung geschehen ist, kann man doch heute nicht mehr von der Hand weisen. Auch wenn diese Theorien nicht alles erklären können.

      Ihre Argumente sind also im Kern nicht falsch, doch schlicht wenig beeindruckend. Es sind Totschlagargumente. Viel spannender wäre es, Ihre Vorschläge zu hören: Was halten Sie warum in der Hundeerziehung für sinnvoll? Was kommt Ihrer Meinung nach der Wahrheit am nächsten? Was ist besser belegt? Bzw. was ist so schlecht an den Theorien der Konditionierung, dass die abgeleiteten Trainings davon Abschied nehmen sollten??

      Mit besten, neugierigen Grüßen
      Johanna

    • Regina Hohenlied-uhe

      Das wissen wir Positiven auch. Wir leben nicht in einem Versuchslabor, sondern in einer belebten Umwelt mit anderen Lebewesen und einer sich ständig verändernden Umwelt.
      Genau dieses Wissen macht unser Training aus

  9. Mario Anastasini

    Da ist es wieder: Peter van der Gugten hat 50 Jahre Erfahrung mit Hunden!!! Jetzt müssen alle ihm glauben! Egal welche Erziehungsmethode er anwendet. Hallo? Man kann auch 50 Jahre lang Hunde falsch erziehen!!
    Dann lese ich hier immer was von „Hunde kennen Grenzen und haben Spaß“, leben mit Leckerlies.
    MEIN Hund kennt NICHT diese immer wieder erwähnten klassisch anerzogenen Grenzen und braucht KEINE Leckerlies, um mit mir ein glückliches Leben zu haben. Es geht nämlich auch anders.
    Allerdings muss man dann die Scheuklappen und die eigene festgebrannte Meinung ablegen und sich Neuem öffnen können.
    Da gebe ich dann wiederum Herrn Peter van der Gugten Recht, wenn er schreibt: „In diesem Sinne wünsche ich Ihnen mehr Offenheit für andere Ideen“. Allerdings ist der zweite Teil des Satzes dann wieder völlig daneben: „…und etwas weniger Wissenschaftsgläubigkeit.“ Denn genau diese Wissenschaft hat völlig neue Erkenntnisse gebracht in Sachen Hundewissen und Hundeerziehung.

  10. Schlimm, wenn man’s so nötig hat über andere Trainer, Trainingsmethoden und die Rechtschreibung so her zu ziehen. Armselig. Und unsympathisch.

  11. Liebe Inka, kennst Dich anscheinend nur mit Goldhamstern aus 😉 und Hundekeksen, woll!!!!

  12. Wie kann man nur so engstirnig sein. Pfui. Und dieser Text ist von einer erwachsenen Frau? Scheint eher, das eine pupertierende 13 jährige ihn verfasst hat.
    Schämen sollten Sie sich!!!
    Oh nein ich habe 3 !!! da hinter gesetzt. Apostroph Zeichen werden gesetzt um etwas hervorzuheben, Liebchen.

  13. Absolut unter der Gürtellinie! Unsachlich und beleidigend. Das geht gar nicht!

    Ich benutze gerne positive Verstärkung, aber in der Ausbildung. In der Beziehungsarbeit hat sowas nichts zu suchen. Hunde brauchen Sicherheit und Zuneigung für eine belastbare Beziehung – keine Leckerchen.

    • Positive Hundeerziehung bedeutet nicht, dass man nur mit Leckerlies um sich wirft. Für mich bedeutet es, meine Hinde zu beobachten und erwünschtes Verhalten durch Leckerchen, gemeinsames Spiel, gemeinsames Erkunden, Streicheln und vieles mehr zu verstärken. Durch diese gemeinsamen Aktionen lernen meine Hunde, was ich von Ihnen möchte ohne immer auf der Hut sein zu müssen, etwas falsch zu machen. Früher hab ich so mit meinen Hunden gearbeitet: Fehler zugelassen, um zu bestrafen (z. B. mit Wucht in die Leine laufen lassen, rucken etc.). Die Folge war ein Hund, der bei Stress erstarrt, um nichts falsch zu machen. Wir hatten auch eine starke Bindung, aber so richtig getraut hat mein Merlin mir nie wieder. Heute schaue ich auf die Stärken meiner Hunde und für uns gibt’s keinen anderen Weg.

    • Zuneigung ist ein tolle rprimärer Verstärker („BeLOHNung“ – es lohnt sich, Sicherheit übrigens auch).

      Wer positive Verstärkung = Leckerchen gleichsetzt, dessen fachliche Kompetenz ist nicht unbedingt auf dem neusten Stand.

  14. Liebe Frau Burow,

    ein wunderbarer Artikel – er ist so erfrischend geschrieben und ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre klaren Worte.

    Auch mir geht beim Lesen des Artikels von Herrn Tomasini die Hutschnur hoch. Er wirft mit Begriffen um sich, die er nicht im Ansatz zu kennen scheint. Er schreibt „Hunde finden es nicht schlimm, wenn eine Regel auch mal mit Frustration oder einer Einschränkung einhergeht.“ Gleichzeitig belächelt er den Umgang mit Hunden, der auf Lerntheorien basiert und eine punktgenaue Reaktion beinhaltet. HÄH???? Fällt diese Frustration vom Himmel? Wahrscheinlicher ist, dass er die Hunde durch sein Verhalten „frustriert“ (was er auch immer darunter versteht) – und das zum richtigen Zeitpunkt, denn sonst könnte der Hund das nicht verknüpfen.

    Oder vermenschlicht er Hunde etwa und diskutiert ein unerwünschtes Verhalten mit dem Hund in einer ruhigen Minute? Mit ner Stunde Abstand zu dem vom Hund gezeigten Verhalten?

    Was er eben nicht begreift, ist, dass sein Verhalten, das den Hund frustrieren soll, auch in die von ihm belächelten Lerntheorien gehört. Dort gibt es nicht nur die positive Verstärkung, sondern auch die positive Bestrafung (und positiv heißt in diesem Kontext nicht gut, sondern heißt nur, dass eine Bestrafung hinzukommt, wie z.B. Schlagen). Auch ein Herr Tomasini arbeitet mit Konditionierung. Ein Loben ist eben auch positive Verstärkung, nicht nur Leckerli. Oder lobt er auch nicht??!!??? Wahrscheinlich nein. Denn er belächelt positive Verstärkung ja. Oder er hat noch weniger Ahnung, als ich dachte. Ein Armutszeugnis meiner Meinung nach.

    Johanna

  15. Mit positiver Verstärkung lernt JEDES Lebewesen, Maus, Hund, Mensch. Und auch Wolf. Funktioniert etwas, haben wir einen Erfolg, wird dieser Ablauf gespeichert und ggf. wiederholt. Herr Tomasini hat leider nicht begriffen, mit welchen Inhalten er da eigentlich um sicht wirft. Man darf sie nunmal nicht alle in einen Topf werfen und munter vermixen.

    Es gibt nunmal leider auch diese Heititei-Front, für die ein „Nein“ schon einen Akt der Gewalt darstellt und die ihre Hunde buchstäblich vom „Sofa runter clickern“. Aber einem Lebewesen durch positive Verstärkung ein gewünschtes/gutes Verhalten zu reflektieren ist und bleibt das natürlichste, was die Biologie zu bieten hat. Die Jagd ist übrigens das beste Beispiel für positive Verstäkung – erwische ich Beute, belohne ich mich und wiederhole / festige das Verhalten. Ganz einfach. Tomasini sollte sich lieber wieder damit beschäftigen mit seinen „Leitwölfen zu spielen“

    Und wenn ich hier lese, dass „positive Verstärkung“ in der Beziehungsarbeit nichts zu suchen hat, frage ich mich, wie diese Menschen mit ihren Mitmenschen umgehen.
    Positive Verstärkung ist gleichzusetzen mit Lob, Respekt und Anerkennung. Mache ich etwas gut und richtig möchte ich doch von meinem Chef auch ein, zwei anerkennende Worte habe.
    Schmeckt meinem Partner mein selbst gekochtes esse, so freue ich mich doch auch hier über entsprechend positive Bemerkungen.
    DAS und nichts anderes IST positive Verstärkung.

    Leute, nachdenken!!

  16. Was ich schon seit Jahren nicht begreife: Wieso glauben die Kritiker der „Positiven Verstärkung“ immer, dass man bei dieser Art der Erziehung keine Grenzen setzt? Das eine schließt das andere doch nicht aus. Der Unterschied ist nur: Man konzentriert sich in der Erziehung „mit positiver Verstärkung“ mehr auf das, was der Hund richtig macht, und weniger – wie in der „klassischen“, überalteten“Dominanz-Erziehung“ auf die Dinge, die der Hund nicht darf und soll. Natürlich gibt es einen Unterschied, ob man einen Delphin klickert oder einen Hund erzieht – der Delphin kann nicht auf meinen Sofatisch schwimmen und meinen Käsekuchen fressen. Ic glaube, man sollte einen anderen Ausdruck für die Erziehung mit „positiver Verstärkung“ finden, weil da viel zu viel mißverstanden wird. Vieleicht sollte man es „Anti-Eskalationstraining“ nennen.

  17. Sehr spannend. Alle Kommentare hier gut gemischt und etwas sortiert würden ein Gebilde ergeben, dass sich zwischen gesundem Menschenverstand und Erfahrung bewegt. So sind es aber oft nur sehr persönlich gefärbte, toleranzfreie Meinungen und leider eben auch angreifbar, wenn man angreifen möchte. Aufbauen, nicht einreißen, sollte die Methode der Wahl sein.

  18. Verstehe das Problem nicht. Das Ziel ist aus meiner Sicht Zufriedenheit für Hund und Halter. Warum sonst sollte man sich einen Hund in sein Heim holen? Ob ein Hund zufrieden ist, lässt sich doch erst sagen, wenn man den Hund gesehen hat. Die Bedürfnisse können sehr unterschiedlich sein.

    Ich selbst arbeite mit positiver Verstärkung, weil es unserem Tierschutzhund positive Erfahrungen beschert und ihn damit insgesamt immer sicherer macht. Grenzen bekommt er aber genauso wie Ruhe, geduldige Bezugspersonen und Beschäftigung. Dieses Rezept lässt ihn langsam, aber stetig gelassener und zufriedener werden.

    Das kann bei einem anderen, vorbelasteten Hund, vielleicht wieder ganz anders aussehen.

  19. Ich glaube Sie habe gar nicht von dem Artikel von Mirko verstanden, was dieser Shit hier soll frage ich mich. Sowas von übler Nachrede ohne auch nur das kleinste bisschen verstanden zu haben worum es ihm geht. Schlichtweg eine Frechheit. Wieso nicht auch einfach sachlich einen Artikel verfasst? Das hier ist unterste Schiene

  20. Also, meine Hunde haben noch ihren eigenen Geist, ihren eigenen Kopf und ihr eigenes Selbst, statt mich als ihre Lichtgestalt zu sehen.

    Die machen weder alles, was ich will, weil ich ein Leckerli habe noch weil ich sooooo doll bin. Die hinterfragen. Und die verhalten sich wie Urhunde das eben tun: Hundlich.

    Ich bin aber ein schlaues Mädel und weiß, wie ich die Vorlieben meiner Hunde nutzen kann, um ihnen erwünschtes Verhalten beizubringen. Sie finden das super und schon haben wir eine tole Beziehung zueinander.
    Und genauso „setze ich Grenzen“. Ich zeige, was ich gerne hätte und belohne das = Regel.

    Mit Einschränkungen im Sinne einer Einschüchterung reagieren meine Hunde mit strafender Ignoranz meiner lichtgestalterischen Nichtfunktion.

  21. Pingback: Linkdump 04/2016 ... | Dirks Logbuch

  22. Ich als „normaler Hundehalter“ ( so fühle ich mich unter den ganzen Kommentaren hier ), muss euch mal sagen, dass ihr euch mal dringend locker machen müsst.

    Jeder hat andere Erziehungsmethoden und wichtig ist doch, dass die Fellnase ruhig und glücklich leben kann. Ein Hund muss doch, wie ein Mensch, Spaß am Leben haben.

    In euren Kommentaren lese ich nur raus, dass die Hunde „funktionieren“ müssen, wie Maschinen. Finde ich nicht gut!

    Den Artikel hätte man ebenfalls ein bisschen gesitteter schreiben können, aber da ging es wohl mit der Tanja ein bisschen durch 🙂

  23. Es fasziniert mich. Nein, nicht der lerntheoretische Hintergrund. Der ist mir klar. Auch nicht die unterschiedlichen Methoden und Meinungen im Hundetraining. Das wird sich nicht grundsätzlich ändern und muss es auch nicht.

    Was mich wirklich fasziniert, ist die Vehemenz, mit der hier vorgegangen wird. Was triggert einen so an an diesem Artikel, was genau löst eine solche Attacke aus?

    Ich kenne Mirko Tomasini nicht, aber er hat offensichtlich die Genehmigung des zuständigen Veterinäramtes als Trainer zu arbeiten. Die gabs vermutlich nicht geschenkt.

    Im Übrigen verstehe ich auch das so zynisch kritisierte Nutzen der Anführungszeichen der „positiven Verstärkung“ anders. Ich interpretiere es nicht als in-Frage-stellen eines klar beschriebenen Begriffs der Lerntheorie, der spätestens seit Einführung des Sachkunde zum Basiswissen jedes Hundehalters gehört. Meiner Meinung nach geht es gar nicht um das logische und gute Konzept des Trainings auf Basis der positiven Verstärkung sondern um die Fehlinterpretationen und daraus resultierenden Katastrophen dieses Konzeptes, die es durchaus gibt und die dann einer wirklichen Beziehung zwischen Mensch und Hund total im Wege stehen können. Extreme gibt es nämlich in allen Bereichen und wenn die Relationen nicht stimmen, dann kann auch eigentlich Gutes völlig falsche Wirkung haben. So verstehe ich den Blog-Artikel von Mirko Tomasini und da gebe ich ihm durchaus recht. Die Aufregeung,die das auslöst, kann ich nicht nachvollziehen.

    Wenn ich doch sicher bin, dass mein Trainingskonzept gut ist – und das ist das richtig ausgeführte Training über positive Verstärkung auf jeden Fall – dann fühl ich mich von so einem Blog-Artikel nicht angegriffen!

    Diese Tirade bekehrt weder Hundebesitzer noch rettet sie Hundeseelen.
    Überzeugungsarbeit sieht anders aus, sie findet im Gespräch auf Augenhöhe statt und nicht durch Frontenbildung.

  24. Also ich bin ja der Meinung, dass jeder Hund etwas unterschiedliches braucht und dass man solange man nicht selbst mit dem jeweiligen Hund zusammenarbeitet, man von Weitem viel erzählen kann. Danke aber für diesen sehr interessanten Artikel, mehr zu dem Thema gibt es auch auf [Link von der Redaktion entfernt. Grund: Werbung]

    • tja, wie sagte schon konfutius :“dummheit ist nicht wenig zu wissen, auch nicht wenig wissen zu wollen – dummheit ist glauben, genug zu wissen“ kann sein das deine 50 jahre nicht ausreichen, um mit eine über 100jahre alten lerntheorie mitzuhalten

  25. im letzten kapitel im beitrag von von hr.tomasini schreibt er:
    man solle auf die bedürfnisse des hundes eingehen!
    NICHTS ANDERES IST POSITIVE VERSTÄREKUNG!!!!!
    denn versärkung findet nur statt, wenn ein AKTUELLES BEDÜRFNIS ANGESPROCHEN WIRD!!!
    d.h hat der hund durch flucht bzw. agressionsverhalten eine
    abstandsvergrößerung im sinn, dann ist diese abstandsvergrößerung der verstärker!!! den man nach ausführung eines alternativverhalten mit einer z.b. futterbelonung vom auslöser entgegengestzter richtung einleiten kann. nicht das futter ist der verstärker sondern der ORT der futterbelohnung welche die abstandsvergrößerung einleitet!!!!
    verstärkung findet nur statt wenn ein aktuelles bedürfnis befriedigt wird – bei futter kann das bedürfnis nur hunger sein.
    wird ein bedürfnis nicht befriedigt , kann futter nur belohnend sein ! verstärkung ist NICHT gleichzusetzten mit belohnung.
    scheint er arbeitet mit positiver verstärkung,wenn er die bedürfnisse des hundes befriedigt und weiß es noch nicht einmal .
    herr vergib, denn sie wissen nicht was sie tun…..

  26. könnt ihr eigentlich auch normal reden/schreiben? Dieses pseudowissenschaftliche Gefasel ist so wichtigtuerisch.

    wenn ich ein Verhalten des Hundes nicht will, verbiete/verhindere ich es. Unterlässt er es dann von selbst, lobe ich ihn.
    Futter zu bekommen ist sein Grundrecht, das er sich dadurch erworben hast, dass ich ihm Futtersuche verwehre.
    mein Hund darf erleben, was es bedeutet wenn ich verärgert bin und sich beim nächsten Mal neu entscheiden.

    • Jau, ich kann so normal reden und schreiben wie andere Menschen, die Deutsch als Muttersprache gelernt haben und zudem eine Ausbildung samt jahrelanger Berufserfahrung als Kommunikationsprofi haben. Aber deine Frage war rhetorisch gemeint, nehme ich an.
      Also, meine Einstellung ist: Behandele jedes Lebewesen achtsam und so, wie du selbst behandelt werden möchtest. Die Erfahrungen, die ich mit meiner Lebensphilosophie mache, sind durchweg gut – sowohl im Hundetraining als auch zum Beispiel im Umgang mit Kollegen.
      Du schreibst, dass dein Hund erleben „darf“, was es bedeutet, dass du verärgert bist. Heißt das, dass du davon ausgehst, dass dein Hund bewusst Dinge tut, um dich zu ärgern? Ich bin sehr sicher, dass das nicht der Fall ist! Und ich weiß, dass ich kein Hund bei dir sein möchte.
      Möge dich die Erkenntnis treffen.
      Viele Grüße
      Inka

    • An Inka Burow:
      Sie behandeln also alle so, wie Sie selbst behandelt werden möchten?
      Ich glaube nicht… Sonst hätten Sie sich in Ihrem Blog sicher anders ausgedrückt, höflicher, sachlicher möglicherweise.
      Oder Sie haben tatsächlich kein Problem damit, wenn jemand Sie persönlich angreift und Ihnen damit droht, Ihnen die Lebensgrundlage zu entziehen.
      Nach positiver Verstärkung sieht Ihr Blog jedenfalls nicht aus.

    • An Ankstar: Ich verstehe Ihren Kommentar nicht. Aber: Jeder ist frei zu glauben, was er glauben möchte; und ich muss nicht alles verstehen.

  27. Zugegeben, der Text ist sehr zugespitzt verfasst. Aber ich finde ihn herrlich. Das es manchen Menschen aufstößt, wenn man über etwas, von dem sie überzeugt sind, so schreibt, ist normal. Was mich allerdings wirklich erschreckt und mich ebenfalls an der menschlichen Intelligenz zweifeln lässt,ist, wie man von einem solchen Konzept überzeugt sein kann. Es mag verschiedene Ansichten darüber geben, ob ein Hund ins Bette gehört oder nicht, ob ein Hund auf dem Sofa lümmeln darf oder nicht, etc. (Ich bin mir sicher, er tut es nicht, weil er die Weltherrschaft erreichen möchte). Was es für mich nicht geben darf, sind Konzepte und Trainingsmethoden, die dem Hund „bewusst“ Schmerzen zu fügen oder schlechte Gefühle hervorrufen.

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