Liebeserklärung an meinen Hund

Mit einer gemeinsamen Bloggeraktion zelebrieren wir, die Zweibeiner von Issn‘ Rüde! und Fiffibene, sowie ich, Inka, zurzeit die Freundschaft zwischen Mensch und Hund. Mit euren Einsendungen! Nachfolgend macht Britta im Rahmen der von BENEFUL® unterstützten Gewinnspielaktion „Mein Hund – mein bester Freund!“ ihrer Hündin Cloe eine Liebeserklärung.

Von Britta Schumann

Als wir Cloe geholt haben, war sie 15 Monate alt. Mit sechs Monaten war sie aus dem Tierheim in Madrid nach Deutschland gekommen. Sie musste ihre erste Familie nach wenigen Monaten wieder verlassen, weil sie sich so gar nicht einfügte, kam in eine Pflegestelle und wurde von dort wieder vermittelt. Auch ihre zweite Adoptivfamilie ist an ihr verzweifelt: Sie wurde nur noch angepflockt im Garten gehalten, weil sie das Kleinkind der Familie in einem unbeaufsichtigten Moment an der Nase verletzt hatte. So wurde sie zum Notfall und zu meinem persönlichen Glücksfall. Aber das wusste ich damals noch nicht.

Vom Notfall und zum Glücksfall für Britta: Cloe.

Vom Notfall und zum Glücksfall für Britta: Cloe.

Nun also kamen wir, eine hundeunerfahrene Familie mit zwei Grundschulkindern, zu einem jungen, nicht kooperierenden, ausgeprägt ängstlichen, jagdlich hoch ambitionierten und sehr intelligenten Hund, der uns von der Vorbesitzerin mit „Viel Spaß, die ist überhaupt nicht erziehbar – und das ist wahrlich nicht mein erster Hund!“ übergeben wurde.

Puh! Die Kinder hatten schnell die Nase voll von diesem Tier, das sich nicht anfassen ließ, das nicht spielte, das man nicht ohne Leine laufen lassen konnte, das mit seiner depressiven, abweisenden Art die ganze Familie runterzog. So hatten wir uns das nicht vorgestellt, das Leben mit einem jungen Hund! Wir wollten Spaß miteinander haben, rumtollen, schmusen – Cloe fand das alles erschreckend bis widerlich und war willens, uns das sehr deutlich zu zeigen.

Ich habe mich so ins Zeug gelegt für sie, wohl wissend, dass wir vermutlich ihre letzte Chance auf ein einigermaßen hundegerechtes Leben sind. Ich habe gelesen, immer wieder trainiert, nicht aufgegeben, auch nicht, wenn ich vor Wut oder Enttäuschung geheult habe. Ich habe die sehr gewissenhaft arbeitende Tierschutzorganisation, die Tierärztin meines Vertrauens und die für uns beste aller Hundetrainerinnen als dauerhafte Ansprechpartner beansprucht und wir haben es geschafft – allen Voraussagen, allen Rückschlägen und allem Frust zum Trotz: Wir sind ein Team geworden.

Cloe ist inzwischen seit acht Jahren bei uns. Sie ist die Älteste in meiner kleinen Dreier-Hundegruppe, und sie ist weiterhin ein sehr eigenwilliges Mädchen. Den Charakter verändert man eben nicht, man lernt nur, mit ihm umzugehen: Sie kann unglaublich stur sein, spielt fast nie, zeigt sich nie sehr engagiert, hat ihre eigenen Vorstellungen von regelhaftem Verhalten – aber wir haben einen Weg miteinander gefunden.

Sie jagt nicht mehr ohne mein Einverständnis, eine Leine brauchen wir beide nur noch, weil sie mancherorts vorgeschrieben ist. Sie macht Obedience und Dummyarbeit, sie trailt mit meinem Sohn. Sie hat den BHV-Hundeführerschein gleich zweimal absolviert, einmal mit mir, einmal mit meinem Sohn. Und im letzten Sommerurlaub hat sie bei den Highlandgames in unserem kleinen schottischen Städtchen tatsächlich den zweiten Platz in der Kategorie „best behaved dog“ erreicht. Wer hätte das je gedacht?!

Den BHV-Hundeführerschein hat Cloe gleich zweimal absolviert.

Den BHV-Hundeführerschein hat Cloe gleich zweimal absolviert.

Cloe war für mich der Auslöser, in unserer kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis hundgestützt zu arbeiten. Dort ist sie mit Abstand meine beste, souveränste und zuverlässigste Mitarbeiterin, denn sie bringt mit ihrer immens feinfühligen Art Dinge auf den Punkt und Sachen ans Licht, die keiner von uns vorher in Erwägung gezogen hat. Arbeiten wir zusammen, dann stellt sie ihre eigenen Interessen völlig in den Hintergrund.

Sie liegt und atmet flach, ohne zu zucken, die Nase zu kräuseln oder mit dem Ohr zu wackeln, wenn ein Kind mit Hundephobie sich nach langer Vorarbeit endlich traut näher zu kommen. Sie geht gleichmäßig langsam mit Blick stur geradeaus und fixiert einen Punkt in der Ferne, wenn ein solches Kind sich zutraut, neben ihr zu laufen. Sie blockt Fremdhunde nach außen ab, wenn wir mit ihr und meinen beiden anderen Hunden mit verhaltensauffälligen Kindern im Park arbeiten. Wird eine Situation mal brenzlig, dann bleibt sie fest an meiner Seite. Wenn es drauf ankommt, kann ich mich auf sie verlassen, als wär’ sie ein Teil von mir.

Sind wir entspannt unterwegs, dann kann Cloe mich perfekt ignorieren, wenn sie gerade Besseres zu tun hat. Sie kann mich ohne Ende nerven mit ihrem gelangweilt-verweigernden Verhalten. Sie stellt noch immer und immer wieder Dinge in Frage, die wir lange geklärt haben, und sie wird das immer tun.

Cloe ist wie viele Hunde aus dem Tierschutz kein Freund von Körperkontakt, weder mit Mensch noch mit Hund. Aber wenn einer von uns bedürftig ist – die knochige Galga Dora im Restaurant, weil es so lange dauert und der Boden so hart ist; der noch ängstliche Jungrüde Lui, weil das Feuerwerk ihn überrascht, oder ich, weil ich nach meiner letzten OP Schmerzen habe – dann kommt sie, kuschelt sich an, ganz dicht, und spendet Trost. Dann geht mir das Herz auf!

Ich finde diesen komplizierten Hund, den ich anfangs so manches Mal hätte auf den Mond schießen können, so unglaublich bereichernd in meinem Leben. Ich finde das Zusammenleben und -lernen mit diesem selbstständigen, eigenwilligen Hund so unglaublich wertvoll. Ich finde das Beobachten und Begreifen ihrer Motive und faszinierenden sozialen Fähigkeiten so unsagbar fantastisch. Inzwischen bedauere ich die beiden Familien, die es mit ihr nicht ausgehalten haben und die ich anfangs so verflucht habe für den Pfusch an ihr, um das, was ihnen entgangen ist!

Eine große Liebeserklärung an schwierige Hunde: Wenn man dazu bereit ist, sich auf sie einzulassen, wohl wissend, dass es keine Garantie für einen guten Ausgang einer solchen Geschichte gibt, dann können sie zum persönlichen Glücksfall werden. Nie habe ich so viel, so intensiv und effektiv über mich und mein Verhalten gelernt wie durch das Leben mit Cloe.

„Ich finde diesen komplizierten Hund, den ich anfangs so manches Mal hätte auf den Mond schießen können, so unglaublich bereichernd in meinem Leben.“

„Ich finde diesen komplizierten Hund, den ich anfangs so manches Mal hätte auf den Mond schießen können, so unglaublich bereichernd in meinem Leben.“

8 Kommentare

  1. was für eine herzergreifende und wunderschöne geschichte! da hab ich tatsächlich ein kleines tränchen verloren.
    liebe britta, es ist so wundervoll, dass cloe bei euch ihr zuhause gefunden hat und sie hatte so ein glück!
    ich wünsche mir für diesen post noch ein foto der eigenwilligen dame, damit ich mir noch ein besseres bild machen kann.
    liebe grüße, kathy

    • Dr. Britta Schumann

      Danke für den tollen Kommentar, Kathy.
      Fotos sind auf dem Weg.
      Liebe Grüße Britta

    • Die Fotos waren strenggenommen schon in meinem Mailpostfach, aber jetzt haben sie auch den Weg in den wunderbaren Beitrag gefunden. Danke, Kathy!

  2. Hallo Britta,
    ich drücke Euch ganz fest die Daumen! Ihr seid wahrlich ein wunderbares Team und vielen Dank für Deinen schönen Text. Schwierige Hunde sind eine Herausforderung aber sie danken es uns mit Vertrauen, wenn wir diese annehmen und lassen uns wachsen. Leider können wir mit unserem wunderbaren George die Früchte unserer Arbeit nicht mehr genießen, viel zu früh musste er gehen …
    Sei lieb gegrüßt und hoffentlich bis bald,
    Daniela

  3. Dr. Britta Schumann

    Oh Daniela, das wußte ich nicht.
    Es tut mir sehr leid!
    Danke fürs Daumenhalten – fühl dich gedrückt von mir!
    Liebe Grüße
    Britta

  4. Was für eine tolle und rührende Geschichte!
    Schön, dass Du nicht aufgegeben hast und Du mit Cloe eine so tolle Beziehung aufgebaut hast. Schön, dass sich die Arbeit gelohnt hat und sie ein Bestandteil eurer Familie ist!

    Liebe Grüße
    Christian

  5. Es sind die Hunde, die uns verrückt machen, solche Hunde wie deine oder mein Baby, die uns ein Lebenlang im Gedächtnis und im HErzen bleiben. Ebend echte Seelenhunde.

  6. Oh man… was für ein rührender Beitrag. Es zeigt sich immer wieder, mit Geduld ist einiges möglich. Vor allem Hunde mit ähnlichem Werdegang werden Halter aber immer wieder vor Probleme stellen. Man muss wirklich Zeit aufbringen und darf neben konsequentem Umgang mit dem Tier die Geduld nie verlieren. Auch wenn das nicht immer einfach ist.

    Alles Gute

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