Inklusion im Hundesport

Haltet ihr Inklusion im Zusammenhang mit Hunden für ein schräges Thema? Mich umtreibt der Wunsch nach Akzeptanz und gleichberechtigter Teilhabe aller Hunde in allen Bereichen des Hundelebens nicht erst, seit mit Fizz ein behinderter Hund mein Leben bunter und schöner macht. Das Thema beschäftigt mich schon, seit ich vor vielen Jahren mit der Tierschutzarbeit angefangen habe, Hundesport als Hobby aber nicht aufgeben wollte.

Zauberhaft, weil sie so ist, wie sie ist: Fizz.

Zauberhaft, weil sie so ist, wie sie ist: Fizz.

Aus dem Versuch heraus, mit Pitú, den ich in den ersten drei Jahren bei mir nur den „kleinen Irren“ genannt habe, Dogdance zu machen, ist vor inzwischen fast zehn Jahren die Tanztherapie für verhaltensoriginelle Hunde entstanden. Leider hat sich im Dogdance seitdem viel verändert. Heute darf ich mit einem behinderten Hund nicht mehr in allen offiziellen Klassen starten, was ich sehr bedauere, weil Dogdance lange Zeit der einzige Hundesport für Jederhund gewesen ist.

Dafür steht heute im Rally-Obedience-Reglement: „…Hunde  mit  Behinderungen werden ermuntert, an Rally Obedience teilzunehmen, vorausgesetzt, sie zeigen keine Anzeichen von Schmerzen oder Unwohlsein als Resultat ihrer Behinderung. In diesem Fall muss der Wertungsrichter die Hunde von der Teilnahme ausschließen…“

Und ich habe das große Glück, dass ich exakt das jede Woche aufs Neue so beim Rally-Obedience-Training im Verein Joy4Dogs erlebe. Ich bin mit meinem fast blinden und mittlerweile deutlich schwerhörigen, von Arthrosen und Spondylosen geplagten Skipper genauso willkommen wie mit „Madame la Flitz“ alias Fizz, die so viele Handicaps hat, dass ich zwischendurch Luft holen muss, wenn ich alle aufzähle.

Versteht mich bitte nicht falsch, ich bin überhaupt nicht der Meinung, dass für irgendwie eingeschränkte Hunde die Regeln geändert werden sollten, damit sie keinen Nachteil mehr haben. Da halte ich es mit Harald Schmidt: „Auch Behinderte haben ein Recht auf Verarschung.“ Inklusion ist keine Einbahnstraße: Jede Form der Teilhabe fordert viel mehr als jede Form der Ausgrenzung – von alle Beteiligten. Das heißt für mich übertragen auf den Hundesport: Ich will mit einem körperlich behinderten Hund nicht bei einem Agility-Turnier starten, aber ich will bei den Hundesportarten, die mein Hund mit seinen Handicaps machen kann, nicht in eine Extragruppe.

Nun frage ich euch noch mal: Haltet ihr das für schräg?

6 Kommentare

  1. Nein, ganz und gar nicht schräg. Wenn der Hund die gestellten Aufgaben mit eigener Motivation und ohne Schmerzen ausführen kann finde ich eine Teilnahme an Tunieren/Wettkämpfen und Prüfungen völlig legitim!

    Liebste Grüße
    Dani mit Inuki und Skadi

  2. Ich find’s auch nicht besonders schräg. Es ist doch schon erstaunlich wie inklusiv Hunde selber mit ihren Handicaps ungehen – und andere Hunde mit ihnen. Unser blinder Lordic verblüfft immer wieder sämtlich umstehendes Völkchen, keiner hatte es grad mitbekommen. Ich denke oft, dass ich selber mit meinen Ängsten, Sorgen und Gedanken sein größtes Problem bin.

    Liebe Grüße
    Severine und die Wuffstock Band

    • Da wirst du eine spannende Frage auf: Inwieweit merken Hunde, dass ein anderer Hund ein Handicap hat? Meiner Erfahrung nach werden Taubheit und Blindheit nicht bemerkt bei der ersten Begegnung. Im Zusammenleben stellen sich Hunde aber durchaus darauf ein, dass der andere anders reagiert als erwartet.

  3. Ich denke nicht, dass ein Hund die ‚Blindheit‘ eines anderen – oder vergleichbare Handicaps – an sich bemerkt. Aber je nach Einschränkung wird das ‚Anderssein‘ schon erlebt: Bei blinden Hunden z.B. eine nicht unerhebliche Einschränkung der Kommunikation, weil er die feinen Mimiken und Gestiken anderer Hunde weder sehen noch deuten kann. Da kommt es mit eher fremdem Hunden schon mal zu Konflikten, wird also schon bemerkt – wenn auch nicht bewusst! Vertraute Hunde gewöhnen sich aber halt dran und ‚planen‘ ein, dass der andere halt manchmal etwas schräg reagiert. Also meiner Erfahrung nach erleben Hunde das Handicap anderer – wenn überhaupt – bei spontanen Begegnungen. Bei Hunden wo die Chemie untereinander stimmt und eh nur getobt und gerangelt wird, geht das Andersein aber total unter. Ich habe hier jahrelange Hundebekannte, die immer noch nicht dahinter gekommen sind, dass der Lordic nicht gucken kann. Auf meinem YouTube Channel findest Du ein paar Videos dazu …

  4. Spannendes Thema! Meiner Meinung nach merken Hunde sofort, dass der andere speziell ist. Sie registrieren das und gehen im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten damit um. Stresst es sie, dann reagieren sie entsprechend. Interessiert es sie nicht, weil es mit ihrem Thema nichts zu tun hat, dann gehen sie nicht darauf ein. Hunde sind halt extrem anpassungsfähig und Inklusion müssen sie nicht erst intellektuell begreifen, um sie zu leben.
    Beispiel einer Freundin: Ihre alte Hündin wurde nach und nach taub. Ihr junger Rüde bekam das mit und hat es genutzt: Das Klingeln an der Tür war bei der alten Hündin sehr beliebt, denn dann kommt ja immer ein netter Mensch zu Besuch. Nun hörte sie das ja nicht mehr und musste sich diesbezüglich auf den jungen Rüden verlassen. Der fand das super, z.B. wenn sie ein bestimmtes Spielzeug gerade bearbeitete, das er gern haben wollte. Kopf ruckartig heben, Ohren spitzen, aufspringen und Richtung Tür rennen. Super! Klappt immer, die alte Hündin lässt alles stehen und liegen, sprintet ebenfalls Richtung Tür und zack, Spielzeug gewonnen!
    Ist halt genau wie Harald Schmidt sagt: „Auch Behinderte haben ein Recht auf Verarschung“ und Inklusion im Hundesport finde ich persönlich absolut richtig, wenn es dem Hund dabei gut geht.

  5. Du hast wieder ein spannendes Thema aufgegriffen – spannend vor allem deshalb, weil sich dahinter so viele verschiedene Geschichten finden lassen und eine Antwort, wieviel Sport ist für den Hund, immer individuell bleiben wird.
    Ich selbst beobachte, wie sehr meine alternden Hunde es lieben, in eine andere Sportart zu switchen, wenn sie körperlich – in Anlehnung an Deine Verhaltensbeschreibung – bewegungsoriginell werden, aber unbedingt dennoch mitmachen wollen.

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