„Wirf das Bällchen!“ oder wie Hunde Menschen erziehen

Fröhlichkeit im Fellmantel: Fizz.

Fröhlichkeit im Fellmantel: Fizz.

Fizz hat nicht mal eine Woche gebraucht, um den neuen Dogsitter davon zu überzeugen, dass sie mittags Bällchen spielen muss. Und Skipper, der alte Sack, hat’s bestätigt. Dabei sieht der doch so gut wie gar nichts mehr.

Ihr habt keine Ahnung, wovon ich blogge, oder? Wir sind heute vor genau drei Wochen umgezogen – davon ein andermal mehr – und mussten daher leider eine andere Lösung für das mittägliche Lüften finden. Die fand sich zum Glück nach nur einer Woche, doch auch davon erzähle ich ein andermal.

Jetzt jedenfalls kommen mittags an den Tagen, an denen ich im Büro bin, Susanne und Emma, eine zauberhafte Dackeldame, die ihre Rassebeschreibung augenscheinlich nicht bis zum Ende gelesen hat. Von dem ausgeprägten Selbstbewusstsein, das Teckel üblicherweise auf ihren kurzen Beinen ständig mit sich herumtragen, scheint man Emma jedenfalls nur ein etwas zu kleines Päckchen in die Wurfkiste gelegt zu haben.

Plüschige Schale, noch weicherer Kern: Skipper.

Plüschige Schale, noch weicherer Kern: Skipper.

Skipper findet Emma großartig! Und Susanne auch, denn Susanne hat Hundekekse und geizt damit nicht. Was völlig okay ist. Diese Art der Bestechung finde ich absolut legitim. Denn meine Hunde, insbesondere Skipper, sind unbestechlich: Sie mögen einen Menschen – oder eben nicht. In letzterem Fall helfen selbst Leberkekse nicht.

Selbstverständlich würden meine Hunde jederzeit abstreiten, dass sie unbestechlich sind. Sie schaffen es vielmehr, ihre Bestechlichkeit durch Vortäuschen von übermächtigem Hunger sehr überzeugend rüberzubringen. Meine Hunde erziehen sich aber nicht jeden zum Leckerlispender. Womit ich jetzt endlich beim Thema wäre.

Skipper ist deutlich wählerischer als Fizz. Das kann eigentlich nicht daher rühren, dass Skipper die schlechteren Erfahrungen mit Menschen gemacht hätte. Er ist einfach kein extrovertierter Typ. Jetzt, mit zwölf Jahren, fast blind und inzwischen auch etwas schwerhörig, stelle ich fest, dass er anders wählerisch geworden ist. Männer zum Beispiel findet er viel weniger gruselig.

Wenn der alte Plüschmann heute entscheidet, dass er jemanden mag, dann lässt er sich gern kuscheln. Er verharrt einfach höflich solange vor dem Menschen seiner Wahl, bis dieser sich bückt. Es mag sein, dass Hunde nicht um ihre eigene Körpergröße wissen, aber ich bin sicher, dass Skipper weiß, dass er extrem niedlich ist mit seinen Knopfaugen in dem schönen Plüschgesicht.

Fizz’ Taktik ist dagegen gar nicht subtil. Sie sieht einen Menschen, rennt hin, entscheidet fix, ob der Mensch trainierbar ist. Und wenn ihre Entscheidung positiv ausfällt, wirft sie sich direkt auf den Rücken. Auch auf Asphalt. Dann bückt sich jeder! Die Hungernummer, die sie bauartbedingt wesentlich überzeugender als Skipper spielen kann, bringt Zaubermaus Fizz wie die grenzpummelige Bärmaus erst im zweiten Trainingsschritt.

Fortgeschrittene Menschen, das sind die, die mindestens passable Leckerli mitführen und auch rausrücken und die wissen, wo sie kraulen sollen, werden als Bällchen- und/oder Stöckchenwerfer konditioniert. Dies geschieht nur in meiner Abwesenheit, denn Skipper und Fizz ahnen, dass hund Menschen solchen Mist nicht beibringen soll. Beim neuen Dogsitter hat es vier Tage gedauert.

Ich bin gespannt, was meine Hundeschaften Susanne noch alles beibringen werden.

6 Kommentare

  1. Pako hat das auch gut raus. Meine Mutter und Schwiegermutter muss er nur mal anschauen und schon landet was in der Schnute. Der Arme, der kommt von der Straße und muss doch was zu essen haben! Ähm, nein! Von der Straße ist er seit zwei Jahren runter und zu essen bekommt er jeden Tag und wenn mal nicht, dann wird er davon nicht sterben (was ich aber nur durchführe, wenn er nichts essen will oder er Durchfall hat, da kann ich seinen Augen auch nicht widerstehen). Alle anderen kann er auch super und immer um den Finger wickeln, weil er ja sooooooo süß gucken kann. Egal ob er gerade ein Reh fixiert oder was zu essen erbettelt, er ist immer süß. Mit der Tour kommt er bei mir nicht so weit wie bei anderen, aber mittlerweile denke ich mir: Lasst ihr euch mal konditionieren, mit mir nicht.

  2. Oh Weh! Die Rasselbande ist ja mal süß:))) Das finde ich so toll an Tieren, die haben eine super Nase für gute oder böse Menschen. Hinterhältigkeit ist dort auch nicht an der Tagesordnung, entweder mögen sie dich oder nicht:) Schicke Familienmitglieder hast du da!
    Lieben Gruß

  3. Da denke ich imer an den Spruch, das Hunde Menschen besser einschätzen können. Einem Hund gegenüber sich zu verstellen ist schwerer.

    Liebe Grüße, Eva

  4. Haha, das kommt mir auch total bekannt vor. Chili hat vor allem meine Eltern aufs Feinste konditioniert und ist dabei ganz und gar nicht zimperlich. Wenn die gekrault werden will, geht sie hin, stupst mit der Nase oder fiept ganz herzzerreißend. Wer da nicht widerstehen kann, ist im Grunde selber Schuld. Ich hab es aufgegeben, immer allen zu sagen, sie sollen sich nicht von ihr um die Pfote wickeln lassen. Solange sie trotzdem auf mich hört, ist es mir Wurscht. Nur wenn sie sich nicht benehmen kann, dann geh ich dazwischen. Alles kann man Hund ja dann doch nicht durchgehen lassen. ;-)
    Liebe Grüße, Kathy + Chili

  5. Nein, wie knuffig!
    Wenn ich deine Vierbeiner so ansehe, will ich sofort einen Hund haben. Da wir schon eine Katze zu Hause haben, ist es schwierig!

    Ich muss gerade an eine Dame in der Nachbarschaft denken, die mit dem Radel rumfährt und eine Tüte Leckerlis für die Hunde, die sie begegnet. Und sie hält bei jedem Hund an!

    Aber ja: Ich durfte auch beobachten, wie die Hunde soe ignorieren. :-)

    Liebe Grüße,
    Alex.

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