Dann klappt’s auch mit dem Menschchen

Was haben Gläser, die glänzend statt kalkbefleckt aus der Geschirrspülmaschine kommen, mit dem Anfang einer wunderbaren Beziehung zu tun? Nichts? Alles! Das haben wir schon vor 20 Jahren in einem Werbespot von Calgonit gelernt.

In diesen zwei Jahrzehnten hat sich im Hundetraining so viel getan: Die Abrichtung des Hundes mit Schlägen und anderen aversiven Mitteln findet zum Glück immer seltener statt; die Missverständnisse um die Dominanztheorie sind weitestgehend ausgeräumt; und Karen Pryors „Don’t shoot the Dog!“-Idee ist endlich nicht mehr revolutionär, sondern Alltag.Kurz: Es hat „Click!“ gemacht. Jedenfalls bei vielen. Heute betrachten wir (gemeint ist die Teilmenge der Hundehalter, die sich wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht verschließt, sondern sogar an ihnen interessiert ist) die Beziehung zu unseren Hunden und ihre Emotionen.

Das ist gut.

Nicht gut beziehungsweise schade finde ich, dass einige wenige der wirklich guten Hundetrainer zwar die Universalität des Prinzip der positiven Verstärkung durchdrungen haben, das Universelle jedoch nicht auf den Menschen beziehen. Diese (wenigen) Trainer können Probleme im Hundetraining glasklar – quasi wie mit Calgonit gespült – analysieren und bieten super Lösungsansätze, weil sie viel Erfahrung und profundes Wissen besitzen. Und trotzdem mag ich mich nicht an diese (wenigen!) Trainer wenden. Denn was hilft es dem Hund, dem die hin und wieder als Wattebauschwerferei verunglimpfte Wertschätzung als Wesen mit Emotionen entgegengebracht wird, wenn dem zugehörigen Menschchen (das heißt Herrchen oder Frauchen beziehungsweise Herrchen/In) davon wenig bis gar nichts zuteilwird?

Meine Meinung: Hundetrainer, ganz besonders die, die wie ich auf Clickertraining beziehungsweise das universelle Prinzip der positiven Verstärkung dahinter schwören, sollten dem Hundehalter wenigstens halb so viel Wertschätzung entgegenbringen wie dem Hund. Schließlich ist Hundetraining letztlich immer Hundebesitzertraining, also Menschentraining. Ich möchte mich nicht mies und unfähig nach einer Trainingsstunde fühlen.

Meine Bitte als Hundehalter an alle Hundetrainer: Wendet das Prinzip der positiven Verstärkung auch in eurer Kommunikation mit dem zum Hund gehörenden Zweibeiner an. Denn: Dann klappt’s auch mit dem Menschchen!

Ich möchte von euch gern wissen: Habt ihr euch auch schon mal nach dem Hundetraining schlecht gefühlt, obwohl euer Hund was gelernt hat?

3 Kommentare

  1. Liebe Inka, da kann ich nur zustimmen! Mir selber ging es zum Glück noch nie so, dass ich mich mies gefühlt habe wegen eines Trainers oder schlecht behandelt wurde im Training, aber man hört ja doch immer wieder so einiges… Vielleicht ist der ein oder andere Trainer sich nicht bewusst, wie sein Verhalten beim Kunden ankommt, oder er/sie ist unsicher, was er/sie verbessern könnte. Zum Glück kann man aber auch das trainieren (und es gibt ja auch Anbieter, die sich auf Kommunikationstraining für Trainer spezialisiert haben, etwa http://lernwelt-hund.de/) und umso mehr schätze ich Trainer, die sich auch Gedanken über die positive Kommunikation mit ihren Kunden machen und daran arbeiten. Liebe Grüße, Alexandra

  2. Hallo Inka,
    wieder einmal danke für den Beitrag!
    Leider kann ich Deine Frage mit Ja beantworten!!!! Bei beiden Hunden habe ich die Erfahrung machen müssen. Aber leider mit dem Ergebnis dass sie nichts gelernt haben. Damals bei Ren wusste ich es nicht besser und habe mich auf das Können und Wissen des Trainers verlassen… Leider! Zum Glück ist aus Ren der (für mich) weltbeste Hund geworden!!!! Bei Stimpy habe ich ja eine kleine Hundeschulodyssee mitgemacht. Aber nun fühlen wir uns bestens aufgehoben da beide Trainerinnne nach dem Prinzip der positiven Verstärkung arbeiten! Auch mit uns Haltern :) Und nun müssen beide Hunde wieder regelmässig in die Schule gehen damit wir gemeinsam lernen und Spaß haben können :)
    Ganz liebe Grüße
    Steffi mit Ren & Stimpy

  3. Liebe Inka,
    Ich denke, dass viele Hundetrainer sich anfangs nicht bewusst sind, dass es bei ihrem Beruf viel mehr um das „Menschentraining“ geht, als um die Hunde. Ich habe Glück, dass wir eine tolle Hundetrainerin in Berlin haben, die über positive Verstärkung und Markersignal arbeitet und dabei auch noch gut mit Menschen umgehen kann. Ich habe aber von anderen Hundehaltern gehört, dass sie in ihrer Hundeschule sogar angeschrien wurden, das waren aber auch Trainer, die leider noch immer mit Leinenruck, Alphawurf etc. arbeiten. Ich denke ein guter Hundetrainer muss sich eben auch mit der Psyche des Menschen auseinander setzen und wissen, wie der Mensch am besten lernt, nämlich nicht, wenn er unter Stress steht oder Angst hat was falsch zu machen. Andererseits kann ich mir auch vorstellen, dass es Hundehalter gibt, die den Trainer zur Verzweiflung bringen können… Du hast absolut Recht damit, dass Hundetrainer das Prinzip der positiven Verstärkung auch bei den Hundehaltern anwenden sollen!!! Schöner Artikel!
    Liebe Grüße von
    Marleen mit Smilla und Lilly ;)

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