Gute Trainer, schlechte Trainer

Die Berufsbezeichnung „Hundetrainer“ ist nicht geschützt.  Ja, nicht mal der Titel „Verhaltensberater“. Jeder darf sich diese Bezeichnungen auf Visitenkarten drucken, Hundetraining und Verhaltensberatung anbieten. Will er aber auch nur einen Cent damit verdienen, braucht er seit dem 1. August 2014 eine Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz zur gewerbsmäßigen Anleitung der Ausbildung von Hunden durch den Tierhalter. Man sollte meinen, dass es seitdem leichter wäre, gute Hundetrainer von schlechten zu unterscheiden.

Auch Trainer brauchen Training: Skipper und ich beim Staubsauger-Seminar mit der wunderbaren Sonja Meiburg. (Foto: Martina Schoppe)

Auch Trainer brauchen Training: Skipper und ich beim Staubsauger-Seminar mit der wunderbaren Sonja Meiburg. (Foto: Martina Schoppe)

Eine Erlaubnis nach dem „Elfer“ wird vom zuständigen Veterinäramt erteilt. Damit fängt das Problem dann auch gleich an, denn woher sollen Tierärzte wissen, was gutes Hundetraining ausmacht. Dazu kommt, dass es für das neue Tierschutzgesetz, ein Bundesgesetz, keine Ausführungsverordnungen auf Länderebene gibt. Die Folge: Jeder Amtstierarzt erteilt die Erlaubnis nach eigenem Ermessen. Die logische Folge davon wiederum: Chaos.

Das bedeutet nicht, dass die Erlaubnispflicht schlecht ist. Im Gegenteil. Ich bin dafür, denn ein Hundetrainer kann in kurzer Zeit – sogar mit nur einem falschen, wenn auch vermutlich gut gemeinten Tipp – viel Schaden und Leid anrichten. Nur die Art und Weise, wie der „Elfer“ exekutiert wird, geht so nicht, denn es ist eben nicht leichter geworden, gute Hundetrainer von schlechten zu unterscheiden.

Ich schreibe in diesem Blogbeitrag daher einfach mal auf, welche Tipps ich gebe, wenn mich jemand fragt, welche Hundeschule ich empfehlen kann. Also, ganz klar ist die notwendige Bedingung, die ein Hundetrainer respektive eine Hundetrainerin – ich weiß, die Gleichstellungskompetenz in meinem Sprachgebrauch lässt zu wünschen übrig – erfüllen muss: Er beziehungsweise sie braucht die Erlaubnis nach dem Tierschutzgesetz.

Meine „Elfer“-Erlaubnis – erteilt vom Veterinäramt des Landkreises Hameln-Pyrmont.

Meine „Elfer“-Erlaubnis – erteilt vom Veterinäramt des Landkreises Hameln-Pyrmont.

Die Erlaubnis macht auf dem Papier sachkundig, aber verlasst euch nicht allein darauf. Ein guter Hundetrainer erfüllt auch noch einige hinreichende Bedingungen. Ein guter Hundetrainer …

  1. trainiert stets gewaltfrei,
  2. geht immer respektvoll mit jedem Mensch-Hund-Team um,
  3. bildet sich regelmäßig fort,
  4. beantwortet offen alle Fragen zum Hundetraining.

Den ersten Punkt will ich etwas näher ausführen. Es sollte zwar selbstverständlich sein, dass Hundeerziehung gewaltfrei vonstattengeht. Leider ist oft genug sogar das Training von Trainern, die auf ihrer Homepage mit Gewaltfreiheit werben, gar nicht frei von Gewalt. Das werden sie natürlich abstreiten. Sie sagen: „Bei mir wird nicht an der Leine geruckt.“ Und: „Bei mir wird doch kein Hund geschlagen.“ Ich sage: „Das will ich ja wohl auch hoffen.“

Allerdings ist jede Drohung mit oder Anwendung von schädigenden Mitteln auch Gewalt. Ein Trainer, der Hunde bedrängt und damit Frust, Angst und/oder Aggression hervorruft oder auch nur in Kauf nimmt, arbeitet – in meinen Augen – nicht gewaltfrei. Die Einschränkung, dass ich das so sehe, mache ich, weil sich die Bedeutung des Begriffs sowie die Bewertung von Gewalt im historischen und sozialen Kontext ständig ändern.

Ihr müsst aber keine Diskussion über die Definition von Gewalt führen. Lasst den Hundetrainer, den ihr gerade in die engere Wahl zieht, einfach nicht damit durchkommen, dass er nur beschreibt, wie das Training nicht abläuft. Ihr dürft verlangen zu erfahren, wie das gewaltfreie Training aussieht. Noch besser: Schaut es euch an. Dann könnt ihr auch gleich feststellen, ob der Trainer die zweite hinreichende Bedingung erfüllt.

Hier sind einige Sätze, die bei mir ein Alarmglöckchen klingeln lassen:

  • „Hier arbeiten wir nonverbal (sprachlos), gewaltfrei und ohne Hilfsmittel.“ (Bitte fragt immer nach, warum ihr nicht mit eurem Hund reden solltet. Warum nonverbale Kommunikation nicht artgerechter ist, hat Regine Hochhäusler schlüssig aufgeschrieben.)
  • „Durch straf- sowie signalfreies Training sichert man (…) nachhaltigen Erfolg.“ (Bockmist. Es gibt kein signalfreies Training. Woher sollte ein Hund denn wissen, ob ein Verhalten erwünscht oder unerwünscht ist, wenn er keinerlei Rückmeldungen, Signale, von uns bekommt.)
  • „Kommunizieren statt konditionieren bedeutet, das direkte Gespräch ohne Dolmetscher wie Leckerchen oder Spielzeug mit dem Tier einzugehen.“ (Ja, ja, konditionierst du noch, oder kommunizierst du schon? Sorry, aber das ist Unsinn. Es gibt keinen Grund, Angst vorm Konditionieren zu haben. Das ist das Schnelllernprogramm der Natur, das immer abläuft – und das ist gut so. Die beiden Begriffe super erklärt hat Mirjam Bäuerlein, falls ihr euch doch auf eine längere Diskussion einlassen wollt.)

Leute, bitte fragt, wenn euch etwas komisch vorkommt. Und horcht auf eure innere Stimme.

Im neuen Terminkalender im Hundeblog habe ich die Seminare der Trainer, die ich definitiv empfehle, mit einer kleinen fliederfarbenen Sonne (☀) gekennzeichnet.

Hier sind zum Schluss noch vier Listen mit Hundeschulen, die sicher die oben genannten Bedingungen erfüllen:

10 Kommentare

  1. Huhu Inka, das hast Du quadratisch, praktisch und gut erklärt! Spontan fallen mir zwei Anmerkungen dazu ein:

    1. Hier in LK Celle gibt es 15 gewerblcihe Hundeschulen btw. TrainerInnen. Zwei davon haben den Elfer und dreizehn werden vom Ver.-Amt bis zum Sommer d.J. geduldet (Übergangsfrist), wenn sie bis dahin eine weitergehende Forbildung und Zertifizierung durch die Tierärztekammer Nds. oder vergleichbarem nachweisen. Unabhängig von diesem Vorgehen der Behörde: Diese dreizehn sind doch jetzt nicht per se schlecht, oder?

    2. Denke ich, dass die ‚Chemie‘ zwischen TrainerIn und Kunden stimmen muss. Wenn sich im Bauch ein komisches Gefühl breit macht, einfach gehen bw. nicht wiederkomen und wen anders suchen.

    Vieleicht als dritten Punkt doch noch auf die Bereitschaft des Trainers/der Trainerin achten, auch mit dem Menschen zu arbeiten. und nicht nur auf den Hund zu schielen. ich denke gute TrainerInnen machen das von Anfang an deutlich, dass dort der Mensch zur Schule geht – denn der Hund kann schon alles!

    Tierliebe Grüße und Danke für den Artikel!
    Severine, Luna und der Milow

    PS: Sprachlich Gleichstellungskompetenz zu zeigen liegt mir auch nicht so, aber ich habe mich redlich bemüht! 😉

  2. Danke für dein Feedback, Severine!

    Zu 1.) Nein, natürlich sind die 13 Hundeschulen, die bisher erst eine befristete Erlaubnis haben, nicht per se schlecht. Ich drücke die Daumen für die Zertifizierung!

    Zu 2. und vielleicht 3.) Absolut! Es muss passen. Deshalb meine ich das ernst, wenn ich schreibe: Verlasst euch auf euer Bauchgefühl. Dass es nicht auf den Umgang mit dem Hund allein ankommt, habe ich versucht mit der 2. hinreichenden Bedingung abzudecken.

    Liebe Grüße
    Inka

  3. Hallo Inka,
    Stimme Dir voll zu.
    Aber schoen waere es, zu erwaehnen, dass auch bei der BHV/IHK viel Wert auf gewaltfreie Hundeauabildung gelegt. Anders besteht man die Pruefung nicht.
    Danke und lg
    Karin

    • Stimmt, Karin, ich habe die Liste der BHV-Mitglieder deshalb im Beitrag ergänzt.

  4. Pingback:Hundekumpel

  5. Hallo Inka.
    Ich habe auch schon schlechte Erfahrungen mit Hundeschulen gemacht und finde es äußerst schwierig eine gute zu finden. Leider habe ich diese schlechte Erfahrung mit meinem Hund schon im Welpenalter gemacht (es handelt sich um eine kleine Rasse). Dort wurde er in der Hundeschule von 3 ausgewachsenen Labradoren gejagt, nieder getrampelt und von einem sogar gebissen. Dies geschah, weil der Trainer der Meinung war, mein Welpe bräuchte Hundekontakt und soll mit den großen Spielen. Die Reaktion des Trainers als mein Hund schreiend versucht hat sich zu verstecken war „Die machen sich das selber aus“. Als ich mein Hund vor diesen 3 Hunden gerettet hatte bin ich Wortlos gegangen und habe nie wieder einen Fuß in diese Hundeschule gesetzt.

    • Die einzig richtige Reaktion, nur das „wortlos“ war zu wenig. Der Trainer muss auch erfahren, was er falsch macht.

  6. Hey,
    danke für den interessanten Beitrag! Ich habe hier einige nützliche Tipps gefunden!
    Liebe Grüße
    Nicole

  7. Es ist wirklich schwer einen wirklich kompeten Trainer zu finden, gerade wenn man wie ich einen Angsthund hat, das habe ich super ohne hilfe hinbekommen. Jetzt war ich auf der suche nach einem Trainer die auch Agility anbieten, die auch gleichzeitig auf den Hund eingehen, leider auch recht erfolglos 🙁

  8. Dazu kann ich leider auch etwas beitragen, wenn auch nicht aus persönlicher Erfahrung sondern nur aus Erzählungen. Vorab: Ich betreue tageweise seit einem Jahr eine junge Mini-Golden-Doodle-Hündin, deren Frauchen mit ihr vom Welpenalter an in eine zertifizierte Hundeschule (Kein Verein) am Ort ging. Von Anfang an hat die Besitzerin dieser Hundeschule auf die übelste Art die Rasse Golden-Doodle fertig gemacht, das seien sehr schwer zu erziehende Mischlinge, die folgen nicht, seien dickköpfig usw. Immer wenn der Hund nicht so wollte wie er sollte, kam wieder ein Kommentar, wie etwa: „Das ist mal wieder typisch für diese Hybrid-Hunde, dieser Hund ist der „Schlechteste“ des ganzen Kurses“ und so weiter und so fort. Mittlerweile hat die Hundehalterin diese Hundeschule verlassen (viel zu spät) und sich bei einem anderen Hundetrainer Hilfe bei der Erziehung geholt. Ich finde es unprofessionell hoch zehn, gegen einzelne Hunderassen zu giften und teilweise persönlich gegen Halter und Hund zu werden. Nur weil man beispielsweise Bulldoggen oder Möpse nicht so toll findet, sollte doch ein guter Hundetrainer darüber stehen. Nicht jeder hat halt einen tollen, gelehrigen Border-Collie.

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