Gastbeitrag: Hunde vegetarisch ernähren – muss/darf/kann das sein?

Ich gestehe, dass ich mich nicht sofort getraut habe, das Dokument zu öffnen, in dem der Gastbeitrag von Birgit Lorz steckte. Sie hatte sich über die Neue Presse an die Hundeblog-Redaktion gewandt und einen Artikel über vegetarische Hundeernährung angeboten. Ihr ahnt nicht, was mir so alles Mögliche und vor allem Unmögliche angeboten wird inzwischen. Aber zum Glück war ich dann doch mutig – dafür wurde ich belohnt, dann musste ich grinsen. Lest selbst.

Viele Hunde essen gern Banane, aber macht sie das zu Vegetariern?

Viele Hunde essen gern Banane, aber macht sie das zu Vegetariern?

Mittlerweile ist die vegetarische Lebensweise ein Trendzug, auf den immer mehr Menschen aufspringen. Die armen Tiere, die schlimme Tierhaltung oder der Anblick einer Schweineschlachtung sind oftmals Auslöser für die plötzliche Erkenntnis, dass der Mensch eigentlich gar kein Fleisch zum Leben braucht. Wer es ganz genau nimmt, wird zum Veganer, und stellt seine Ernährung komplett auf nicht-tierische Lebensmittel und Produkte um.

Doch muss ein Hund Vegetarismus seines Herrchens oder Frauchens gleich mitmachen? Ob vegetarische Hundeernährung sinnvoll ist oder nur eine Laune des Menschen, werde ich in diesem Beitrag genauer betrachten.

Ich persönlich kriege regelmäßig die Krise, wenn mal wieder einer dieser plötzlich so furchtbar überzeugten Vegetarier versucht, mich zu „bekehren“: genau der, mit dem ich noch vor nicht allzu langer Zeit ein leckeres Steak beim Argentinier verspeist habe. Im Ernst: Es stört mich nicht, ob jemand nun vegetarisch lebt und davon überzeugt ist. Aber muss er mich dann auch ständig bequatschen und davon überzeugen, dass es moralisch verwerflich ist, Fleisch zu essen? So, wie es Menschen es seit Tausenden von Jahren tun?

Genauso verhält es sich meiner Meinung nach mit den Hunden. Wenn du Vegetarier bist, schön für dich! Aber warum muss dein Hund sich genauso ernähren? Ein Lebewesen, das auf uns angewiesen ist und nicht die Möglichkeiten hat, selbst zu entscheiden, welche Nahrung es für „moralisch korrekt“ hält.

Vegetarische Ernährung für Hunde: schädlich oder nicht?

Ob vegetarische Hundeernährung für die Tiere nun gesund ist oder sogar schädlich, darüber scheiden sich die Geister. Zu diesem Thema gibt es eine Reihe unterschiedlicher Ansichten. Eins ist aber sicher: Freiwillig würde sich wohl kein Hund fleischlos ernähren. Machen wir uns nichts vor: Von Natur aus sind Hunde Fleischfresser, sogenannte Carnivoren, und die natürliche Nahrung eines Hundes besteht zu rund 80 Prozent aus Fleisch.

Was würde ein Hund in der freien Wildbahn wohl fressen? Vermutlich würde er sich den nächstbesten Hasen oder ein Huhn schnappen und komplett fressen. Abgesehen von einigen Stadthunden, die sich vielleicht auf eine Pizza oder einen Döner aus der Mülltonne stürzen würden, weil sie nichts anderes finden. So ein Hase besteht hauptsächlich aus Knochen, Innereien, Muskelfleisch, Fett und Knorpel; im Magen eines Hasen finden sich vermutlich ein paar Körner, Salat, Blätter, vielleicht ein bisschen Obst und das alles in bereits verarbeiteter Form.

Hunde sind keine Vegetarier

Der Hund und seine Verdauung sind also gar nicht darauf vorbereitet, nur Grünzeug und Getreide zu fressen und zu verarbeiten. Wer an das Wohlergehen seines Hundes denkt und eine artgerechte Haltung anstrebt, der möge sein Tier bitte so natürlich wie möglich ernähren. Und das geht nun mal nur mit Fleisch. Ein guter Ansatz für die artgerechte Ernährung für den Hund ist B.A.R.F. – die „Biologisch artgerechte Rohfütterung“ steht für eine ganz natürliche Ernährungsweise von Hunden.

Für mich ist B.A.R.F die einzig artgerechte Hundernährung – wer als Vegetarier kein Fleisch einkaufen möchte, für den sehe ich (leider) nur einen Weg: sich keinen Hund anschaffen. Denn Hunde sind und bleiben Fleischfresser.

Birgit Lorz

15 Kommentare

  1. Marius Burelbach

    Naja, bin nicht so überzeugt von der vegetarischen Ernährung, lasse mich aber gerne eines besseren belehren 😉

  2. Seinen Hund zum Vegetarier oder womöglich noch zum Veganer zu machen, wer kommt denn auf solche Ideen ?

  3. Ich stimme da vollkommen mit dir überein. Wenn ein Mensch sich für einen vegetarischen oder veganen Lebensstil entscheidet, ist ok. Aber einem Hund dies aufzuzwingen ist das Letzte.

    Leider scheint das derzeit eine Modeerscheinung zu sein. Mich nervt das inzwischen ziemlich, dass möglichst jeder bekehrt werden muss.

  4. Hallo,

    „Aber muss er mich dann auch ständig bequatschen und davon überzeugen, dass es moralisch verwerflich ist, Fleisch zu essen?“

    nein muss er nicht.

    aber wie kann man angesichts der ganzen Kenntnisse über Haltung, „Massenproduktion“ und Medikamentengabe noch Fleisch essen? Das verstehe ich nie. Mir wird da immer schlecht…

    Aber das ist mein Problem..das andere das der Tiere…guten Appetit..

  5. Was mir stets nicht einleuten will:

    Fleischkonsum verringert die Lebenserwartung von uns Menschen indem er uns gesundheitlich schadet – wer möchte das schon?

    Und das für diesen „Genuss“ obendrein auch noch andere, intelligente und soziale Lebewesen gequält und getötet werden macht es nur noch schlimmer.
    Wem die Tiere egal sind, der sollte sich doch wenigstens im eigenen Sinne einige Gedanken über seine Ernährungsgewohnheiten machen.

    Für Hunde gibt es starke Hinweise, dass es sich genauso verhält – eine fleischarme Ernährung führt demnach zu einem gesünderen Hund der länger lebt.

    Als Beispiel sei „Bruno Vegan“ (siehe google) genannt, oder auch der älteset Hund der Welt im Guiness Buch der Rekorde.

    Insgesamt habe ich den Eindruck dass ein Umdenken in der Gesellschaft schon auf einem guten Weg ist und sich nicht mehr aufhalten lässt. Das ist gut für die Tiere – aber vor allem für uns Menschen selbst.

    • Hallo Alexander,

      kannst du mir für deine Behauptung „Fleischkonsum verringert die Lebenserwartung von uns Menschen indem er uns gesundheitlich schadet“ eine einzige seriöse Quelle nennen? Und wer bitte hat den Verdacht geäußert, dass Fleisch einem Carnivoren wie dem Hund schaden könnte?

      Ich bin gespannt auf deine Antworten!

      Viele Grüße
      Inka

  6. Hallo Inka,

    schön von Dir zu lesen. Dazu das uns Menschen der Konsum von Tierprodukten schneller altern / sterben lässt gibt es mittlerweile ja einen haufen Studien, somit fällt es leicht mehrere Dutzend gute Quellen zu finden. Gut belegt ist:
    – das der Verzehr von rotem Fleisch das Risiko für Darmkrebs erhöht
    – das eine hohe Cholesterinzufuhr zu Arteriosklerose und Bluthochdruck und damit zu Schlaganfällen und Herzinfarkten führt (z.B. Archives of Internal Medicine, Bd.169, S.562, 2009)
    – das ein erhöhter Milchkonsum für Männer das Risiko an Prostata Krebs zu erkranken erhöht
    – das Fleisch oft mit Antibiotika belastet ist und somit die Resistenzenbildung von Multiresistenten Keimem fördert
    – das Diabetesrisiko stark ansteigt
    – das Alzheimerrisiko ansteigt

    Wenn Du Dich weiter damit beschäftigen möchtest empfehle ich Dir die Seite PubMed von NCBI, hier kannst Du große Mengen Studien zu diesen Themen lesen.

    Ganz abgesehen davon ist es meiner Meinung nach einfach nicht akzeptabel dass andere denkende und fühlende Lebewesen für unseren Genuss sterben müssen – nur für unseren Genuss – aber das ist meine ganz private Meinung.

    Bei unseren Vierbeinigen Freunden ist die Forschung noch nicht so weit, einige tolle Studien gibt es aber auch schon (zum Beispiel von Dr. Campbell).

    Letztlich sind die meisten Fertigfutter aus Fleisch zu großen Teilen aus Schlachtabfällen hergestellt welche mit höheren Schadstoffkonzentrationen belastet sein dürfen als bei uns Menschen. Aber auch ein Futter aus purem Biofleisch schadet, führt es doch zu den selben Erkrankungen wie beim Menschen. Eine Fütterung mit viel Gemüse und frischem Fleisch im Sinne des Barfens ist besser, nur besteht hier das erhebliche Risiko von Infektionen z.B. durch Toxoplasmose.

    Die wichtigste Frage ist: Warum sollte ein Hund Fleisch essen müssen?
    Weil es ihm schmeckt? Uns schmecken ja auch vor allem die Sachen die besonders ungesund für uns sind. Wir können uns aber auch davon abgewöhnen und werden trotzdem satt und haben Genuss beim Essen (auch wenn viele Menschen nicht glauben auf das Fleisch verzichten zu können). Und bleiben trotzdem gesund.
    Artgerecht füttern bedeutet, das das Tier soviel Nährstoffe bekommt dass es satt und gesund ist und so wenig schädliche Stoffe wie möglich. Das ist über eine vegane Ernährung ohne Probleme möglich – siehe z.B. „Bruno vegan“. Genau genommen ist es sogar nur dadurch möglich – mit allem anderen fügen wir dem Hund ehr Schaden zu, was ja kaum artgerecht sein kann.

    Eine sehr gute Seite zum Thema ist auch http://www.provegan.info von Dr.med. Henrich – hier kannst Du lesen warum es nicht nur ethisch Sinn macht auch den Hund Vegan zu ernähren unter „Grundsätzliches über vegane Haustierfütterung“.
    Besonders informativ ist hier auch die „Mediathek“ zum Thema Mensch und Tierprodukte, jede Menge wichtiger wissenschaftliche Arbeiten sind hier unter „Studien“ gelistet.

    Vielleicht hast Du Lust Dir das eine oder andere mal anzugucken, ich finde es kohnt sich!

    Viele Grüße von Alexander

  7. Lieber Alexander,

    dann dürfen wir aber auch die andere Seite nicht außer acht lassen.
    Vegan ernährte Menschen benötigen immer ein Vit B12 Nahrungsergänzungspräparat, da Vit B12 nicht aus natürlichen veganen Quellen aufgenommen werden kann. Veganer müssen Vit B12 also immer in synthetischer Form zu sich nehmen. Dies spricht für mich nicht für eine gesunde natürliche Ernährung. Denn ohne Chemie würde vegane Ernährung wohl nicht funktionieren!
    Würde ein Hund ohne Nahrungsergänzungsmitteln vegan ernährt werden würde er kläglich eingehen. Denn ohne Nahrungsergänzungsmittel könnnte er essentielle Aminosäuren, bestimmte Vitamine wie B12, Taurin (das auch synthetisch Hergestellt werden muss) und Calcium nicht im ausreichenden Maße zu sich nehmen. Auch eine ausreichende Proteinversorgung wäre ohne das aufpeppen des Futters mit Proteinextrakten wie Kartoffelprotein (Abfall der Stärkeindustrie) wohl nicht möglich. Wird ein Hund nach dem Beuteschema roh ernährt, kann man alle Pülverchen aber getrost weg lassen. Dies spricht dafür dass ein Hund ein Fleischfresser ist und das dies seine optimale Ernährung ist.
    Die von dir genannten Publikationen haben meiner Meinung folgende Schwachstellen: Wer sagt, dass ich mein Fleisch roh essen muss? Wer sagt, dass ich so viel Fleisch essen muss, dass ich zu viel Colesterin zu mir nehmen. Richtig ist, dass es gesünder wäre weniger Fleisch zu essen als die meisten es tun. Die Empfehlungen liegen bei 1 bis 2 mal die Woche. Viele Herzerkrankungen entstehen außerdem, da wir Menschen mitlerweile zu wenig Fisch zu uns nehmen (Omega 3 Fettsäuren). Wer sagt, dass wir kein Biofleisch kaufen sollten, das weniger belastet ist usw.
    Außerdem sind diese Publikationen nicht 1 zu 1 auf den Hund übertragbar. Wir Menschen sind schließlich Allesfresser und Hunde Omni-Carnivoren.
    Das Schlachtabfälle wie Pansen, Innerein, Stichfleisch stärker belastet sein soll kann ich mir auch nicht vorstellen, schließlich kommt es ja von der gleichen Kuh die zu Lebendsmitteln verarbeitet wird.

  8. Danke, Steffi, ich bin bei dem Satz „Warum sollte ein Hund Fleisch essen müssen?“ ausgestiegen.

    Dass wir Menschen das Rad und danach noch allerlei mehr erfunden haben, verdanken wir dem Verzehr von im Feuer gegarten Fleisch. Heute – mit Bürojob und Nahrungsergänzungsmitteln – brauche ich kein Fleisch mehr, aber ich bin überzeugt davon, dass sich gesunde Ernährung nicht allein daran festmachen lässt, ob ich Fleisch esse oder nicht.

    Wer sein Baby oder Kleinkind vegan ernährt, gehört meiner persönlichen Meinung nach übrigens wegen Körperverletzung angeklagt.

    Doch zurück zum Hund: Ich halte mich an den Meyer/Zentek (Helmut Meyer, Jürgen Zentek: „Ernährung des Hundes: Grundlagen, Fütterung, Diätetik“) und meinen gesunden Menschenverstand.

  9. Für mich ist es ebenso ein absurder Gedanke, dass ein vegetarisch/vegan lebendes Herrchen oder Frauchen versucht, seinen Vierbeiner vegetarisch zu ernähren. Was soll das denn? Hunde sind von Natur aus Fleischfresser und es gehört zu ihrer natürlichen Ernährung einfach dazu. Hundebesitzer sollten sich lieber mehr damit beschäftigen, auf eine artgerechte Ernährung ihres Hundes zu achten. Denn viel zu oft wird auf das Dosenfutter aus dem Supermarkt zurückgegriffen, welches sich durch einen recht hohen Getreide- und Zuckeranteil auszeichnet. Das ist generell nicht gut für Hunde, weswegen man auf natürliche Produkte in Form von Barf setzen sollte, so wie es Birgit Lorz in ihrem Beitrag bereits erwähnt. Dort sind alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe enthalten, die ein Vierbeiner benötigt. Einen interessanten Artikel habe ich hierzu in diesem Artikel gelesen. Herrchen können sich ernähren wie sie wollen, doch sollten sie dies nicht auch auf ihren Vierbeiner übertragen.

    Beste Grüße,
    Marie

  10. Hallo, wir gerade bei unseren Recherchen auf deine Seite gestoßen. Wir erstellen gerade eine Seite bei der es ausschließlich um Hundefutter vergleiche geht.
    Dazu testen wir nicht nur verschiedene Hundefutter sondern stellen auch eine kleine Hundefutterrezeptdatenbank auf. Hast du vielleicht das ein oder andere Rezept, dass es sich lohnt zu veröffentlichen??
    Unsere bisher zusammengetragene Hundefutterrezepte findest du unter
    http://www.hundefutter-testing.de/test/hundefutter-selberkochen/

  11. Ich denke schon, daß es legitim ist, über den Fleischkonsum unserer Hunde nachzudenken. Ganz ohne Fleisch geht es meiner Meinung auch nicht, aber vielleicht etwas weniger? Der Hase ist die perfekte Vorlage für die Hundeernährung, da hat er alles was er braucht, wie oben schon erwähnt wurde. Aber diesen Hasen gäbe es in der Natur bestimmt nicht täglich und schon gar nicht zweimal täglich, pünktlich morgens um 8 und abends um 6. Da gäbe es sicher auch mal Zeiten der Nahrungskarenz, das eventuell sogar über mehrer Tage, je nach Angebot im Wald eben.
    Dieses zeitweise „Hungern“ bekäme dem Stoffwechsel unserer Hunde sehr gut, denn der Körper ist dafür gemacht. Aber wer schafft das schon, wenn die Hundeaugen leuchten, weil Futterzeit ist? Aus diesem Grund könnte man vielleicht doch mal darüber nachdenken, die eine oder andere Mahlzeit des Hundes zumindest sehr gemüselastig zu gestalten.
    Ich glaube auch nicht, daß es beim Hund ganz ohne Fleisch geht, aber wir sollten Menschen, die in die vegane Richtung denken, zuhören und die Gedankenanstöße wahrnehmen.
    Der Tierschutz sollte ja schließlich nicht bei unseren Hunden aufhören, und für jede Fleischmahlzeit ist ein Tier gestorben.

    Schwieriges Thema 🙁

    LG Sabine

  12. Der Hund stammt vom Wolf ab und ist ein Fleischfresser. Die Ergänzung mit vegetarischer Kost macht durchaus Sinn. Ganzohne Fleisch geht es aber dann doch nicht. BARF und getreidefreies Hundefutter sprechen für sich.

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