It’s not the size of the dog in the fight…

„Its not the size of the dog in the fight,
it’s the size of the fight in the dog.

(Es ist nicht die Größe des Hundes im Kampf,
es ist die Größe des Kampfes im Hund.)

Mark Twain

Eigentlich hatte ich diesen Beitrag schon fast fertig, aber dann ist schon wieder etwas Neues passiert.

Nuckeln am Kong ist ungemein beruhigend. Kira liebt diese Art der aktiven Entspannung.

Nuckeln am Kong ist ungemein beruhigend. Kira liebt diese Art der aktiven Entspannung.

Kurze Vorgeschichte: Kira wurde, kurz nachdem ich sie übernommen hatte, zweimal innerhalb weniger Wochen von dem gleichen Hund gebissen. Kira war jedes Mal angeleint, der andere Hund lief frei. Vor diesen Vorfällen hatte ich kein Leinenpöbelproblem mit ihr, anschließend fast immer – gewundert hat mich das nicht.

Seit fast anderthalb Jahren übe ich mit ihr inzwischen „Zeigen und Benennen“; das Aggressionsproblem hat sich auf kleine Unsicherheiten reduziert; und bei entsprechendem Abstand und wenn die Impulskontrolle noch nicht aufgebraucht ist, können wir sogar an bellenden Hunden völlig entspannt vorbeigehen.

Natürlich bin ich die Situationen, in denen Kira angegriffen wurde, sehr oft in Gedanken durchgegangen und habe überlegt, was ich anders machen könnte. Die gegnerische Hündin ist etwas kleiner als Kira, jedoch wendiger, vor allem wendiger als ich. Wenn Kira mit ihren rund 27 Kilogramm in einer solchen Situation an der Leine zieht, ist es für mich schwierig, etwas zu unternehmen.

Vor zwei Wochen hatten wir wieder eine Begegnung mit dem „Staatsfeind Nr. 1“, das erste Mal seit Monaten. Wir treffen die Hündin so selten, dass ich damit eigentlich nicht rechne. Die Hündin war wieder nicht angeleint, Frauchen fuhr auf dem Fahrrad in gemütlichem Tempo hinterher. Ich habe die Hündin frühzeitig entdeckt: so in ungefähr zehn bis 15 Meter Abstand. Kira war vergleichsweise ruhig, der Tag war jung, die Impulskontrolle noch nicht angetastet. Trotzdem hätte sie noch vor einem Jahr bellend in der Leine gehangen.

Die andere Hündin hat kurz gestutzt und kam dann wie üblich im Galopp, mit gesträubter Bürste und bellend auf uns zu. Da ich mich nicht darum kümmern musste, mit einem ziehenden 27-Kilogramm-Hund auf den Beinen zu bleiben, brüllte (ich habe nicht geschrien, sondern gebrüllt, das habt ihr ganz richtig gelesen) ich die fremde Hündin an: „Hau ab!“ Und ich drohte damit, sie zu treten. Nicht, dass ich den Hund hätte verletzen wollen, aber das Kira Wohl war mir wirklich wichtiger. Und ich wollte den Trainingserfolg der vergangenen anderthalb Jahre nicht wieder kaputt gemacht sehen.

Glücklicherweise ließ sich die Hündin durch meine wütende Haltung und meine schroffe Stimme nach kurzer Zeit davon abbringen, uns zu umkreisen und nach einer Lücke in meiner Verteidigung zu suchen. Wenn sie trotzdem angegriffen hätte, wäre sie vermutlich an mir vorbeigekommen. Was ihr Frauchen derweil gemacht hat? Sie ist ruhig auf ihrem Fahrrad weiter gefahren, hat kein einziges Wort gesagt, weder ihren Hund gerufen, noch eine Entschuldigung von sich gegeben. Ich frage mich, was in solchen Menschen wohl vorgeht?

Das Zitat? Das fiel mir in dem Moment ein, als ich mit Kira weiterging – ich denke, durch das kontinuierliche Training und die ständige Belohnung in den Augenblicken, in denen Kira ruhig bleibt, habe ich es geschafft, den „Kampf im Hund“ klein zu halten. Klein genug, dass ich das Problem für sie aus dem Weg schaffen konnte. Ich denke, wenn ich mich nicht gedanklich bereits ganz oft damit beschäftigt hätte, was wäre wenn und wenn Kira in der Leine gehangen hätte, wäre meine Reaktion nicht so effektiv gewesen.

Leider hatte ich jetzt genau wieder so eine Situation. Wir sind auf dem Morgenspaziergang zweimal einer Colliehündin begegnet, die dafür bekannt ist, etwas „schwierig“ zu sein (nicht mit allen Hunden, aber sie hatte bereits versucht, Kira abzuschnappen). Bei der ersten Begegnung waren beide angeleint – und sie ging gut. Herrchen war wohl auf dem Weg zum Brötchen holen.

Auf dem Rückweg hielten wir für einen Schwatz mit dem Frauchen eines älteren Bearded Collies, als die Colliehündin zum zweiten Mal auftauchte. Ich ging mit Kira über den Weg, um auszuweichen. Die Colliehündin lief jetzt frei und startete durch, sobald sie Kira sah. Die Rufe von Herrchen wurden ohne ein Ohrenzucken ignoriert, sie kam schnurstracks auf die Bank zu, hinter der ich mich mit Kira in Sicherheit bringen wollte. Kira hatte keine Chance, mein wütendes Gebrüll hatte nicht den geringsten Effekt. Nach einer gefühlten Ewigkeit hat Herrchen seinen Hund endlich erwischt und von Kira herunter gezogen.

Unter dem langen Fell konnte ich zwar keine Bisswunden feststellen, aber bei den anderen Vorfällen habe ich die auch erst bemerkt, als sie zu eitern begannen. Herrchen stand noch etwas bedröppelt daneben, während ich Kira absuchte, immerhin. Um mich zu beruhigen und wenigstens irgendetwas zu tun, habe ich Kira zu Hause dann erst einmal einen Kong gefüllt – nicht, dass das bei der Problemlösung in irgendeiner Weise geholfen hätte. Allerdings hatten wir an dem Tag noch mal Glück im Unglück, denn auf den weiteren Spaziergängen hat Kira keine Anstalten gemacht, in die Leinenpöbelei zurückzufallen.

Normales Hundefutter, Hüttenkäse, Kaustange und Leberwurst für Hunde: Es gibt Hunderte Rezepte für die optimale Kong-Füllung.

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Und nun? Ich bin einigermaßen ratlos. Was soll ich tun? Anschreien hat nicht genutzt, zutreten möchte ich nicht, meinen Hund beißen lassen möchte ich noch weniger. Leute anzeigen halte ich auch nicht für die optimale Lösung. Genauso wenig kann es sein, dass ich es zulassen muss, dass mein Hund von anderen Hunden angegriffen wird und ich möglicherweise jedes Mal neu mit meinem Anti-Aggressions-Training beginnen muss.

Was macht ihr in solchen Situationen?

 

3 Kommentare

  1. Hi,

    ich kenne diese Situationen leider auch zu gut. In Foren wird zu allerhand „Bewaffnung“ geraten, aber mit einer solchen Einstellung möchte ich meine Spaziergänge nicht beginnen. Schließlich möchte ich Spaß haben. Und mein Hund auch.

    Ich brülle in Richtung Hund, mit entsprechender Körpersprache. Die Worte richten sich aber an den Halter, dem ich sage, dass ich ihn anzeigen werde und seinen Hund notfalls auch mit Gewalt von mir fern halte.

    Anzeigen würde ich vor allem bei Wiederholungstätern und bei völliger Ignoranz der Halter.

    Und letztendlich geht es auch um den Schutz des anderen Hundes.
    Im Winter war ich mit meinem gebrochenen (und sichtbar eingegipstem Arm) mit Pferd und Hund spazieren. Der Hund umkreiste uns, die Besitzerin rief einmal halbherzig. Der andere Hund war ungefähr 8x so schwer wie mein eigener. Es endete mit einem deftigen Tritt vom Pferd. Der Hund hat überlebt, aber ob etwas gebrochen war, weiß ich nicht. Ich habe Mensch und Hund nie wieder gesehen.

    Ich durfte nun wieder mit Hund und Pferd viel trainieren, aber das kennen wir ja…

    Schwieriges Thema.

  2. Vor solchen Begegnungen graut es mir auch. Zum Glück passiert das hier relativ selten und wenn doch, bin ich froh seit Anfang des Jahres zwei Hunde zu haben. Kommt mir ein Hund ohne Besitzer (oder ein Ich-will-nur-mal-stänkern-Hund mit desinteressiertem Besitzer) entgegen, schicke ich den Großen als „Abfangjäger“ vor und habe genug Zeit, mich auf den Junghund zu konzentrieren. :)

    Wenn ich mit einem von beiden alleine unterwegs bin und gerade keine Zeit für/Lust auf Hundekontakt habe, meine Bitte, den Hund anzuleinen, ignoriert wurde und Ausweichen nicht möglich ist, wirkt ein lautes „Holen Sie ihren besser ran, meiner hat Flöhe/ansteckenden Durchfall/ganz ekligen Hautausschlag!“ oft Wunder. Die meisten Leute können dann plötzlich richtig flott laufen…

  3. Es ist ein Unding, dass man mit angeleintem Hund ständig befürchten muss, von anderen Hunden belästigt zu werden!

    Am effektivsten sind Ausreden wie ,,mein Hund hat Flöhe“. Das bewegt wenigstens die Hundehalter. Bringt allerdings auch nichts, wenn der Hund nicht hört. Ich möchte gerne Hunde vertreiben können. So, wie du es bei der Staatsfeindin geschafft hast. Nicht nur, weil damit kein Konflikt zwischen den Hunden entsteht, sondern weil ich es auch für einen großen Dienst meinem Hund gegenüber halte.

    In der Realität kann ich das leider meist nicht umsetzen – aber ich bleibe dran ;)

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