Veränderungen

Langsam und fast ohne dass ich es bemerkt habe, hat sich das Verhalten meines Hundes verändert. Auf manche Veränderungen habe ich lange hin gearbeitet, andere haben sich irgendwie ergeben und irgendwann ist es mir erst richtig bewusst geworden.

Toben mit anderen Hunden ist und bleibt das Größte:  Kira und Doggenmädchen Pearl. (Foto: Karin Götting)

Toben mit anderen Hunden ist und bleibt das Größte: Kira und Doggenmädchen Pearl. (Foto: Karin Götting)

So auch diesmal. Kira wird bald vier Jahre alt, vor ungefähr einem Jahr ist mir die erste größere Veränderung aufgefallen. Als ich sie mit knapp zwei Jahren bekommen habe, war sie ein stürmischer, aber gut erzogener Junghund, der gut mitgearbeitet hat, jedoch noch viel lieber mit anderen Hunden getobt hat. Der Rückruf aus einem Kontakt mit anderen Hunden war absolut nicht ihr Ding, und daran habe ich von Anfang an viel gearbeitet und bin immer noch dabei, mich in diesen Situationen für sie interessanter zu machen. Es ist ja nicht so, als würde ich ein Spielverderber sein wollen, aber wenn sie irgendwann einmal wirklich freilauffähig sein soll, dann muss ich sie auch von anderen Hunden abrufen können, ohne dass sie vorher „Guten Tag!“ sagt und damit möglicherweise die Trainingsanstrengungen anderer Hundehalter zunichte macht.

Kira war nie ein sogenannter Problemhund, aber wir hatten und haben unsere Baustellen, ohne die es wohl auch langweilig wäre. Das Laufen an lockerer Leine zusammen mit anderen Hunden können wir immer noch nicht besonders gut, was aber auch an mangelndem Training liegt. Das Problem mit der Leinenpöbelei hingegen, die sich entwickelt hat, nachdem sie zweimal von einem unangeleinten Hund angegriffen worden war, konnten wir mit Z&B (Zeigen und Benennen) ganz gut in den Griff kriegen.

Mit fast drei Jahren begann die erste größere Veränderung damit, dass Kira auf Spaziergängen das Markieren anfing. Zuvor hat sie brav auf jedem Spaziergang ein Pfützchen gemacht und, wenn nötig, noch einen Haufen dazu. Nun wurden es erst zwei, dann drei, dann so viele Pfützen, wie sich spannende Stellen erschnüffeln ließen und wie die Blase hergab. Ich gehe davon aus, dass sie so langsam erwachsen wurde.

Zusätzlich wurde jedes Haustürklingeln und Klappern der Gartenpforte verbellt. Nur gut, dass wir einen relativ ruhigen Haushalt führen, dauerndes Hundegebell finde ich persönlich recht nervraubend, selbst oder gerade wenn es der eigene Hund ist. Na ja, es ist eigentlich genauso nervig, wenn man bei der Gartenarbeit regelmäßig vom Nachbarshund verbellt wird.

Jetzt, nach einem weiteren Jahr, in dem wir auf jedem Spaziergang geübt haben, manche kleinen Fortschritte bei Hundebegegnungen an der Leine gemacht haben und ich herausgefunden habe, wie viel Anregung und wie viel Ruhe Kira benötigt, mache ich eine weitere interessante Veränderung aus. Bislang ist sie auf Spaziergängen nur dann an lockerer Leine gegangen, wenn ich darauf bestanden habe. Obwohl ich das viel mit ihr geübt habe, hatte sie es meistens so eilig, weiter zu kommen und zu schnüffeln, dass ich sie häufig daran erinnern musste, dass ich den Zug auf der Leine nicht mag.  Sie hat nicht wirklich stark gezogen, jedenfalls meistens nicht, aber doch so sehr, dass es manchmal lästig war. Das ist weg. Einfach so, ohne zusätzliches oder geändertes Training und ohne dass ich einen Grund dafür erkennen würde.

Außerdem lässt sie sich immer häufiger von anderen Hunden abrufen, und wenn nicht weiterhin ein gewisser Jagdeifer (nicht stark, aber doch so sehr, dass ich kein Risiko eingehen möchte) vorhanden wäre, dürfte sie wohl meist ohne Schleppleine laufen. Aber inzwischen bin ich sehr zuversichtlich, dass wir dieses Ziel auch noch erreichen können.

Bloß, was mache ich, sobald mein Hund so baustellenfrei ist, dass ich auf Spaziergängen gar nichts mehr tun muss? Momentan scanne ich immer noch die Gegend nach anderen Hunden, damit sie nicht ins Pöbeln verfällt. Bei den meisten Hunden ist das Thema durch, ein paar Kandidaten haben wir jedoch noch, die besonders im Dunkeln dringend angebellt werden müssen.

Kira ist der erste Hund, bei dem ich diese Art der Entwicklung so hautnah miterlebe. Bei unseren anderen Hunden war ich entweder noch zu jung (mit der ersten Hündin war ich sozusagen „ein Wurf“, der zweite Hund kam dazu, als ich zwei Jahre alt war) oder zu sehr mit meinem eigenen Leben (Pubertät bzw. eigene Kinder) beschäftigt, als dass ich diese Sprünge richtig bemerkt hätte. Es waren ja auch nicht direkt meine Hunde, sondern die meiner Eltern.

Jetzt interessiert es mich, ob eure Hunde in einem ähnlichen Alter bestimmte Entwicklungssprünge gemacht haben? Und wenn ja, welche?

Dinner for Dogs

4 Kommentare

  1. Dein Hund wurde erwachsen, und du hast die Basis gelegt und gehalten in der Entwicklungsphase …

    ich wünsche Dir ein erfülltes Leben mit deinem Vierbeiner, so wie du es beschreibst seid ihr auf einen Level, genieße es mit deinem Hund – du und dein Hund hat es verdient.

    LG Tina

    PS. ich bin Züchterin und bringe Jahr für Jahr die Hunde durch die Pubertät bis ins erwachsenen Alter. Für mich sind dein Bericht keine Neuigkeit … diese AHA – Momente erlebe ich stetig mit größter Freude und Zufriedenheit. Manchmal ein wenig früher, aber das ist auch von Rasse zu Rasse verschieden. Geniesse es – lasse dich darauf ein und du wirst Momente wahrnehmen, um die dich jeder anderer nur beneiden kann. Ich weiß es … sie sind faszinierend, wenn sie kommunizeren und sie tun es ständig … vieles verstehen wir nicht – aber ich bin stetig bemüht ihrem Tun nachzudenken – es lohnt sich! Alles Liebe.

  2. Spannend zu lesen.
    Bei mir ist es irgendwie anders herum. Mein Hund (kastrierter Rüde) ist jetzt auch 4 Jahre alt geworden.
    Die letzten drei Jahre gab es mit anderen Hunden keinerlei Probleme. Ärger ging er aus dem Weg. Nun hat er vor ein paar Wochen angefangen andere Hunde ab Knie-Größe anzupöbeln, ist mir sogar einmal auf einen Hund „gerauscht“, der plötzlich um die Ecke kam (es ist zum Glück nichts passiert).
    Trotz intensiven Übens hat er noch nicht wieder zur alten Coolness zurück gefunden.
    Ich muss sagen, es gibt dutzende andere Situationen, in denen er eine absolut coole Socke ist. Nur bei fremden Hunden sieht er noch Rot.
    Immerhin: wir sind von der fauchenden Furie zu einem knurrenden/bellenden Hund zurück gekommen. Aber der Freilauf ist aus diesem Grund natürlich auf übersichtliche Gebiete beschränkt.
    Ich möchte nicht riskieren, dass er doch noch einen anderen Hund verletzt.

  3. Hallo Karin,

    erst heute habe ich den gleichen Gedanken bei meiner älteren Hündin gehabt als es mir mit einem Mal wie Schuppen von den Augen fiel, wie super sie mittlerweile mit mir geht und wie wenig ich eigentlich nur noch auf sie achten muss. Als sie vor ca. 4 Jahren mit einem damals geschätzten Alter von 5-8 Jahren aus dem Tierheim zu uns kam, ging sie eher mit mir Gassi als ich mit ihr. Hundekontakte mussten wir damals komplett meiden, da sie mit und ohne Leine immer direkt in den Angriff überging. Von entspannten Runden im Park, auf dem Acker oder in Hundeauslaufgebieten konnte man überhaupt nicht reden. Am besten wir mieden alles mit 4 Pfoten. Wir haben in den vier Jahren viel geübt, traininert und ausprobiert. Ich meine aber, dass die wesentlichste Veränderung ihr Vertrauen zu uns und unser Vertrauen zu ihr ausgemacht haben. Vor zwei Jahren trauten wir uns dann und holten noch einen Rüden zu uns, der sich wunderbar in unser kleines Rudel integriert hat. Seitdem hat unsere ältere Dame nochmal eine große Veränderung durchlebt. Sie ist mittlerweile ruhiger geworden, öfter zu Spielereien bereit, achtet auf uns und vor allem ist sie in der Lage, Kontakte zu anderen Hunden einzugehen, sich zu begrüßen, zu „untersuchen“ und dann wieder zu gehen. Ein Zustand, den ich mir vor 4 Jahren nicht hätte träumen lassen. Aber auch der Beweis, dass sich viel Geduld, Zusammenarbeit und Aufmerksamkeit irgendwann „auszahlen“ und es ist sooo schön zu sehen, wie entspannt meine große Maus nun draußen agiert und dass sie sich nun viel freier und gelassener verhalten und bewegen kann.

    Liebe Grüße
    Jasmina

  4. Hallo Miriam,

    leider hast du nicht geschrieben was sich bei euch geändert hat.
    Oder hat sich da etwas schleichend hochgeschaukelt und kommt erst jetzt so voll zum Vorschein?

    Wann wurde dein Rüde kastriert?

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