Und plötzlich hat sich das Medical Training ausgezahlt

Es gibt Tage, an denen man merkt und froh ist, dass man in der Vergangenheit die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Für mich war gerade erst so ein Tag.

Der Trick „Geh da mal rauf und bleib da!”, den Kira hier auf einem großen Rundballen probt, kann sich schnell als nützlich erweisen.

Der Trick „Geh da mal rauf und bleib da!”, den Kira hier auf einem großen Rundballen probt, kann sich schnell als nützlich erweisen.

Es ist kein großes Geheimnis, dass ich mit meinem Hund viel lieber alberne Tricks und angemessenes Verhalten im Alltag trainiere als Obedience-Turnier-preisverdächtige Fußarbeit und andere mehr oder weniger anerkannt sinnvolle Dinge. Eins dieser sinnvollen Dinge, die ich allerdings doch − zumindest teilweise − trainiert habe, hat meinem Hund und mir neulich eine ganze Menge Stress erspart: Medical Training.

Vorweg muss ich kurz noch erklären: Kira mag fremde Menschen im Allgemeinen und Männer im Speziellen nicht besonders. In der Hinsicht schweigt ihr Retriever-Erbe. Sie ist dann angespannt und unsicher, knurrt, bellt und zeigt deutlich, dass ihr die Situation nicht behagt. In anderen Situationen versucht sie es eher mit Beschwichtigungssignalen und Ausweichen. Natürlich lässt es sich dann auch nicht komplett verhindern, dass sich ihr Stress auf mich überträgt. Dies wiederum trägt nicht gerade zu Kiras Beruhigung bei. Nun ja, wir arbeiten dran …

Vorige Woche zeigte Kira nach einem Waldspaziergang plötzlich Anzeichen, die auf eine Vergiftung schließen lassen konnten: vermehrtes Schnauze lecken und rhythmische Würgreize, die ich im ersten Moment für einen Schluckauf hielt. Als wir daraufhin in den Garten gingen, lief sie direkt zum Rasen und begann, zwanghaft Gras zu fressen. Das Ganze dauerte mehrere Minuten lang, und sie ließ sich davon nicht abbringen.

Leider hatte mein Tierarzt an dem Tag keine Möglichkeit, meinen Hund sofort zu untersuchen, denn er hatte einen Hund in Narkose liegen und hätte sich nicht rechtzeitig um Kira kümmern können. Man nannte mir jedoch einen anderen Tierarzt, der uns übernehmen konnte, allerdings etwas weiter entfernt liegt. Dort wurden wir dann aber gut empfangen. Trotzdem kam zu dem Stress, den Kira bereits durch die Symptome und meine Angst hatte, auch noch die völlig fremde Praxis mit anderem Personal und einem fremder Mann, der sie untersuchen wollte.

Bereits während der kurzen Zeit im Wartezimmer habe ich also damit begonnen, meinen völlig nervösen Hund mittels des seit einem Jahr immer wieder aufgeladenen – bisher aber nie angewandten – Entspannungssignals etwas zu beruhigen. Ich hatte ja Bedenken, ob das klappen könnte, aber es hat wunderbar funktioniert. Kira war nachher im Untersuchungszimmer dermaßen entspannt, dass der Tierarzt meinte, ich könne jetzt aufhören, sonst würde mein Hund einschlafen.

Sie war so ruhig, dass der Tierarzt ohne meine Unterstützung ihre Mundschleimhäute untersuchen konnte (eine Übung, die ich zwar daheim öfter durchführe, die bisher jedoch nicht unter Signalkontrolle steht – das werde ich noch nachholen). Zwar würde sie in dieser Situation nicht beißen, jedoch ist es für alle Seiten unangenehm, wenn der Hund ständig die Untersuchung boykottiert und den Kopf wegdreht.

Während der weiteren Untersuchung habe ich Kira dann damit beschäftigt, dass sie ihr Kinn auf meiner Handfläche ablegen sollte. Diese einfache Targetarbeit hat sie prima davon abgelenkt, dass der Tierarzt gerade ihren Unterleib untersuchte und ihren Herzschlag abhörte. Das Einzige, was noch etwas problematisch war, war der Gang auf die Waage, die sie ein paar Mal zwar gehorsam betrat, aber auch sofort wieder verließ. Dort half schließlich ein klassisches Absitzen, damit wir das Gewicht ablesen konnten.

Zum Glück stellte sich heraus, dass es keine Vergiftung war, sondern nur eine ordentliche Magenverstimmung. Kira ging es bereits nach 24 Stunden und der regelmäßigen Gabe eines magenberuhigenden Medikaments viel besser; am folgenden Tag konnte sie dann auch wieder toben. Als wichtige Erkenntnis habe ich jedoch mitgenommen, dass es sehr sinnvoll ist, allerhand abrufbare Verhaltensweisen zu trainieren. Man weiß nie, wann sie einem das Leben wirklich erleichtern.

Und Medical Training zahlt sich übrigens nicht nur im Notfall aus: Auch die regelmäßigen Prozeduren wie bürsten, Krallen schneiden und Zecken entfernen lassen sich mit wenigen einfachen Übungen viel angenehmer gestalten – zum Wohle von Hund und Mensch.

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