Der Hundeführerschein – Sinn oder Unsinn?

Ja, hallo erst mal! Ich weiß genau, dass ihr das nicht wusstet: Ich bin die Neue in der Hundeblog-Redaktion. Mein Name ist Karin. Ich habe mir seit meinem 15. Lebensjahr einen eigenen Hund gewünscht – und mit 42 habe ich mir den Traum erfüllt. Vorher hatten lauter Vernunftgründe dagegen gestanden. Allerdings hatte ich das große Glück, mit Hunden aufzuwachsen und später bei meinen Eltern jederzeit den Familienhund für Spaziergänge und Joggingrunden ausleihen zu können. Heute lebe ich zusammen mit meiner Familie und meiner Hündin Kira im Nordosten Hannovers.

Tolles Team: Karin und Kira, hier beim Dogdance-Auftritt bei der „Mein Hund” auf Schloss Oelber.

Tolles Team: Karin und Kira, hier beim Dogdance-Auftritt bei der „Mein Hund” auf Schloss Oelber.

Kira ist eine „Golden Border”-Hündin, die aus Zeitgründen abgegeben wurde. Sie war damals knapp zwei Jahre alt. Ich hatte im Vorfeld lange gezweifelt, ob ich als Anfänger wirklich mit einem Bordermix fertig würde. Und es war von vornherein klar, dass ich wegen der Gesetzeslage in Niedersachsen einen Hundeführerschein würde machen müssen: Das Niedersächsische Gesetz über das Halten von Hunden (NHundG) verlangt, dass Niedersachsens Hundehalter sachkundig in Sachen Hund sein müssen.

Diese Sachkunde konnten zum Stichtag 1. Juli 2013 die Hundehalter nachweisen, die zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre am Stück Hundesteuer gezahlt hatten binnen der vergangenen zehn Jahre, ohne dass es zu einem Beißvorfall oder etwas Ähnlichem gekommen wäre. Für die übrigen Hundehalter gibt es keinen Bestandsschutz. Sie müssen einen Hundeführerschein machen. So wie ich.

Die Hundeschule

Die Recherche nach einer geeigneten Hundeschule begann ungefähr zeitgleich mit der Suche nach dem richtigen Hund; und als ich die Entscheidung für Kira getroffen hatte, rief ich in der Hundeschule an, wann ich mit dem Hund zu einer Schnupperstunde kommen könnte beziehungsweise ab wann ein Platz im Vorbereitungskursus für den Hundeführerschein frei wäre. Ich wollte diese Pflicht nämlich möglichst schnell hinter mich bringen. Da ich die Informationen im Internet zum D.O.Q.-Test zu spärlich fand, habe ich mich für eine BHV-Hundeschule entschieden.

Ich hatte Glück, gleich eine geeignete Hundeschule in meiner Nähe zu finden: die Hundeschule von Sandra Bruns. Hier wurde, ganz anders als in meiner Kindheit im Verein für Deutsche Schäferhunde, ohne Leinenruck oder Rumgezerre am Hund gearbeitet. Stattdessen gab es Lob und Leckerli für die Hunde und Erklärungen für den Hundehalter – nicht umsonst bietet die Schule „Training für Hundebesitzer” an. In den Stunden wurde darauf geachtet, dass die Hunde ausreichend Schnupperpausen machen konnten und nicht überanstrengt wurden und dass einzelne Übungen nicht so oft wiederholt wurden, dass der Hund sich langweilte. Auch auf die speziellen Schwachstellen der einzelnen Teams wurde gezielt eingegangen, und ich hatte immer das Gefühl, dass Hund und Halter gemeinsam im Fokus der Trainerin waren.

Der Kursus

Der zehnstündige Kursus kostete 170 Euro. Wahrscheinlich hätte ich die Prüfung bereits nach einem Kursus machen können, aber irgendwie hat das mit den Terminen nicht hingehauen und so habe ich noch einen zweiten Kursus gemacht. Die Kursstunden waren insgesamt abwechslungsreich, es waren meist zwei Trainer für acht Teams vor Ort. Das Training fand überwiegend auf einem eingezäunten Platz statt, aber es gab auch Termine auf einem Freilaufgelände und in der Stadt (Innenstadt, Hauptbahnhof). Insgesamt war das Training ausgesprochen praxisbezogen: Es wurde mehr Wert darauf gelegt, dass der Hund an lockerer Leine gehen kann, als dass er perfekt bei Fuß geht. Hund und Halter sollten nach dem Kursus ein alltagstaugliches Team bilden.

Die Kursinhalte waren:

  • Leinenführigkeit
  • stationäre Positionen (sitzen, liegen)
  • Maulkorbtraining
  • Rückruf von einer Futterverlockung (aufgebaut über die Belohnung eines Alternativverhaltens: Hund wendet sich von der Verlockung ab und wird in diesem Verhalten bestärkt)
  • Ausgeben von Spielzeug und Futter (über Tauschen aufgebaut)
  • Freifolge
  • Rückruf
  • Handling-Übungen
  • Aufbau eines Notfall-Fixiergriffes durch den Hundehalter
  • Sicherung des Hundes im Auto sowie sicheres Ein- und Aussteigen

Alles wurde über positive Verstärkung aufgebaut, das heißt, der Hund wurde mit Futter oder Spielen für sein Verhalten belohnt. Die Hundehalter hatten jederzeit die Möglichkeit, ihren Hunden eine Auszeit zu geben bzw. wurden dazu aufgefordert, falls nötig. Die Übungen wurden so aufgebaut, dass jeder Hund die größtmögliche Chance auf ein Gelingen und eine Belohnung hatte, die Kriterien wurden dabei stets teamabhängig festgelegt. Zwischendurch wurden auch immer mal wieder einzelne Theoriefragebögen bearbeitet und besprochen, allerdings war das Pauken der Theorie nicht Inhalt des Kurses, sondern oblag jedem Hundehalter selbst.

Die Prüfung

Die Prüfung (Kosten insgesamt 95 Euro) fand im September 2012 über einen ganzen Tag hinweg mit mehreren anderen Teams zusammen statt, und ich empfand dies als sehr anstrengend. Morgens wurde die Theorie geprüft, es gab für jeden Hundehalter einen Stapel mit Multiple-Choice-Fragebögen, wie man sie auch online üben konnte. Von den Fragen musste man mindestens 85 Prozent richtig beantworten, wobei einige Fragen nur dann korrekt beantwortet waren, wenn man mehrere Kreuzchen gemacht hat. Ich war nicht mit allen Antworten komplett einverstanden, und auch die Trainerin hat zugegeben, dass die „richtigen” Antworten nicht alle so ganz richtig sind, aber die meisten waren okay. Ich weiß nicht mehr, wie viel Zeit wir für die Theorie hatten, aber alle Kandidaten waren rechtzeitig fertig und haben bestanden.

Nach dem theoretischen Teil wurde auf dem Hundeplatz der erste Teil der praktischen Prüfung abgenommen, den man grob mit Grundgehorsam und Umgang mit dem Hund beschreiben kann. Dazu gehörten Leinenführigkeit, Sitz, Platz, Handling des Hundes (in Ohren und Fang schauen, Bauch und Beine abtasten, Hund sicher fixieren damit Hilfe/Behandlung durch einen Dritten erfolgen könnte), Anfassen durch eine fremde Person (man hätte auch bestehen können, wenn man dies verweigert, weil der Hund das nicht mag – wichtig ist hierbei, dass der Halter seinen Hund einschätzen kann), Abruf von einer Futterverlockung (am Boden und mit der Hand durch einen Fremden angeboten), Anlegen und Tolerieren des Maulkorbs, Bleib-Übung während der Hundehalter etwa in 30 Schritt Entfernung wartet und mit einer Ablenkung (ein Mensch und/oder Hund läuft zwischen Hund und Halter hindurch), Rückruf von einer Ablenkung (Schnüffeln, anderer Hund in Sicht) und sicheres Ein- und Aussteigen ins Auto. Der Hund durfte für das Ausführen der Kommandos belohnt werden.

Nach diesem Teil wurde der Prüfungsort gewechselt und ein belebter Ort aufgesucht (in unserem Fall der Hauptbahnhof). Hier wurden jeweils zwei Teams durch Prüfer und Trainer in den Bahnhof begleitet und mussten dort mit ihren Hunden durch eine belebte Passage manövrieren, einmal Fahrstuhl fahren (jeder Hund einzeln, aber mit weiteren Personen im Aufzug) und durch ein Geschäft laufen (wir mussten durch den Wurst-Basar). Im Prinzip wurde hier die Leinenführigkeit und der Gehorsam unter starker Ablenkung geprüft. In diesem Prüfungsteil war der Hund die ganze Zeit angeleint und geprüft wurde hauptsächlich das angemessene Management durch den Hundehalter: „Ich lasse nicht zu, dass durch meinen Hund andere Menschen/Tiere belästigt werden.”

Der dritte Teil der praktischen Prüfung beinhaltete den Teil, der für Prüfungsstufe 2 (ohne Leine) notwendig war, nämlich das Management des Hundes im Freilauf. Für diesen Teil der Prüfung sind wir zur Bult gefahren und dort sozusagen spazieren gegangen. Gefragt war, dass der Hund aus Hundebegegnungen abgerufen werden kann und dass der Hundehalter selbstständig angemessen auf Begegnungssituationen reagiert (z. B. Hund heranrufen/anleinen bei Begegnungen mit Kindern, Pferden und angeleinten Hunden) und dass auch in dieser Situation der Grundgehorsam vorhanden ist.

Der Hundeführerschein

Nach diesem Teil haben wir uns in ein Café gesetzt und erhielten von der Prüferin die Information, dass wir bestanden hatten. Es gab eine Urkunde für die Menschen und eine Plastikmarke für den Hund – leider war das mitgelieferte Befestigungsmaterial nicht haltbar genug, sodass meine Hündin die Marke irgendwann verloren hat. Ein paar Wochen später bekam ich auch einen kleinen Plastikausweis, mit dem ich die bestandene Prüfung nachweisen kann.

Ich finde, dass die Prüfung in dieser Form durchaus sinnvoll ist und meiner Meinung nach sollte sie jeder Hundehalter machen. Man kann sie auch dann bestehen, wenn der Hund ein bestimmtes Problemverhalten zeigt, vorausgesetzt der Hundehalter kann damit angemessen umgehen. Bemerkenswert positiv finde ich, dass unter anderem das körperliche Maßregeln des Hundes zum Nichtbestehen der Prüfung führt. Und mit meiner Hundeschule  bin ich so zufrieden gewesen, dass ich dort auch weitere Kurse belegt habe: Trickkursus, Nasenarbeit, Theorieabende.

8 Kommentare

  1. Ich kann mich dem nur anschließen! Meine beiden Hunde aus dem Auslandstierschutz haben den BHV-Hundeführerschein zunächst mit mir und dann später noch einmal mit meinen beiden Kindern als Hundeführer bestanden. Sie sind sozusagen doppelt geprüft ;o). Der BHV-Hundeführerschein verlangt gutes theoretisches Wissen vom Halter, adäquate Umgangsformen in der Öffentlichkeit und überprüft die Fähigkeit des Mensch-Hund-Teams im Alltag rücksichtsvoll und umsichtig zu agieren. Gerade in einer Großstadt, in der die Bevölkerungsdichte hoch ist und Begegnungen mit anderen Menschen wie Hunden unausweichlich sind, ist ein sensibles, rücksichtsvolles und stressfreies Miteinander absolut notwendig. Unter diesen Gesichtspunkten ist der BHV-Hundeführerschein eine sehr gute Prüfung für das Team. Gelegentlich hege ich sogar bei den Wunsch nach einer ähnlichen Prüfung für Nichthundehalter!

  2. Britta, das finde ich richtig gut, dass deine Kinder selbst den Hundeführerschein machen durften. Eigentlich wird ja auch – im besten Fall – nicht der Hund, sondern der Mensch geprüft.

    Gibt es Rabatt, wenn ein Hund nach bestandener Prüfung noch mal die Prüfung mit einem Kind ablegt? DAS wäre dann auch richtig gut.

  3. Inka, leider kein Rabatt. Meine Tochter hat mit der hibbeligen Dora den Kurs besucht, mein Sohn hat sich Zuhause mit seiner Trailing-Maus Cloe (die beiden sind ein eingespieltes Team) gut vorbereitet und dann haben alle vier gemeinsam die Prüfung abgelegt. So war es dann doch bezahlbar.

  4. Hallo Karin,

    vielen Dank für diesen tollen Artikel. Ich finde es ganz toll, dass die Entscheidung für einen Hund bei dir so lange gereift und gewachsen ist. Das spricht total für dein Verantwortungsbewusstsein.

    Liebe Grüße
    Sophia

  5. Ich habe seit vielen Jahren Hunde und habe natürlich viel erlebt, mit Hunden und deren Menschen. Zuerst fand ich den hundeführerschein überflüssig, aber in Städten, in denen viele Menschen mit Hunden leben (z.B. Berlin), ist eine solche Ausbidung zum geprüften Hundehalter doch sehr sinnvoll. Das gilt nicht nur für große Hunde, sondern auch für die kleinen Rassen. Viele Menschen sind ja der Meinung, daß man kleine Hunde nicht erziehen muss, aber diese kleinen Racker sind oft besonders aggressiv, weil sie in ihrem Verhalten ständig bestärkt werden.

  6. Hat alles so seine Vor- und Nachteile. Schlecht kann es auf jeden Fall nicht sein! (Y)

  7. Ich kann mich hier der Meinung und des Beitrages nur anschließen. Leider erlebe ich beinahe täglich die Negativ-Beispiele. Hundehalter die bereits den zweiten oder dritten Hund haben, – den Hundeführerschein somit nicht machen mussten, und den Vierbeiner in keinster Weise im Griff haben, ihn frei laufen lassen obwohl ein angeleinter Junghund entgegen kommt, und von dem 1 x 1 der Hundeknigge aber auch nix mitbekommen haben.

    Darum wäre ich dafür, das jeder Hundehalter die Sachkunde in Theorie und Praxis nachweisen muss! – Es keinen Bonus für erfahrene Hundehalter gibt, denn die verursachen die Mehrzahl der Zwischenfälle. Hundehalter die die Hundeschule besucht haben, erkenne ich sofort, am respektvollen Verhalten den anderen Hunden gegenüber!

  8. Ich hab 11 Jahre lang mit meinem Sam (Mischling Deutscher Schäferhund – Irischer Wolfshund) ein ruhiges Leben gehabt, Steuern gezahlt und versichert ist er auch… und nur weil aus der „guten“ und vernünftig nicht nachvollziehbar, ängstlichen (!?!) Nachbarschaft es jemand geschafft hat, meinen Sammy und mich anzuschwärzen, darf ich meinen 12 Jahre alten Hund (wir haben uns gefunden als er 8 Monate alt war und ich in Rente ging), der aufs Wort hören würde, wenn ich Worte bräuchte um mit ihm zu kommunizieren, noch zur Hundschule bitten. Meine schmale Rente für sowas zum Fenster rauswerfen, nur weil Sammy ein wenig größer ist als ein Zwergpinscher? Was mach ich denn, wenn ICH die Prüfung nicht besteh? Was wird dann aus Sam?

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