Gastbeitrag: Anzeichen einer Vergiftung erkennen

In und um Hannover treibt offenbar ein Hundehasser sein wahres Unwesen. In der Karwoche wurden vier Giftköder gemeldet – via Giftköderradar und über diesen Hundeblog. Die Tierärztin Sybille Ehlers, die in Laatzen eine Tierärztliche Praxis für Verhaltenstherapie und die Hundeschule „An der Leine“ (toller Name!) betreibt, hat nach einem Aufruf auf der Facebook-Seite zum Hundeblog aufgeschrieben, auf welche Symtome ihr achten müsst. Denn gerade die Besitzer von Staubsaugerhunden sollten die Anzeichen einer Vergiftung erkennen, um schnell handeln zu können.

Es gibt vielfältige Symptome bei Vergiftungen, denn es kommt auf den Giftstoff an. Sehr oft können bei Vergiftungen Speicheln, Übelkeit, Erbrechen, Hecheln, Unruhe und Mattigkeit beobachtet werden. Das Problem: Hunde nehmen trotz ihrer Instinkte Gift auf. Der Verlauf ist meist akut. Erste Anzeichen sind bei einer Giftaufnahme über Fressen meist Speicheln, Übelkeit und Erbrechen. Bei einigen Giftstoffen kommt es relativ rasch zu Schwanken, Schwäche, Apathie und Krämpfen.

Rasierklingen oder Glasscherben in den Ködern verursachen oft ebenfalls Mattigkeit, Übelkeit und Erbrechen oder Durchfall, oft blutig. Hunde sind im Allgemeinen nach der Aufnahme von Giftstoffen blass – man kann dies an der nicht pigmentierten Maulschleimhaut erkennen – und bewegungsunlustig. Rattengift kann zunächst punktförmige Blutungen in den Schleimhäuten verursachen, die starken Blutungen treten oft erst nach Tagen auf.

Wichtig: Falls ihr die Giftaufnahme beobachtet, immer die Packung, das Objekt, eine Probe oder Erbrochenes mit zum Tierarzt nehmen und notieren, wann und wie die Giftaufnahme statt gefunden hat. Unbedingt so schnell wie möglich zum Tierarzt fahren! Innerhalb einer Stunde solltet ihr, wenn ihr gesehen habt, dass euer Hund einen Giftköder gefressen hat, beim Tierarzt ankommen. Eventuell ist vorher eine Stabilisierung des Kreislaufs, der Atmung eures Hundes notwendig.

Häufige Symptome bei Vergiftungen: Speicheln, Würgen, blutiges Erbrechen, Durchfall, Lethargie, Apathie, Schwanken, Lähmungen, Krämpfe, Koma, Zittern, Anaphylaxie, Atemnot, Herzrhythmusstörungen, Atemnot. Bei Rattengift treten Blutungen aus allen Körperöffnungen und in der Schleimhaut auf, aber erst nach einigen Stunden.

In diesem Fall, also wenn euch erst nach einigen Stunden Symptome auffallen: Sofort den Tierarzt anrufen und die Symptome beschreiben! Und bitte keine Milch eingeben!

Die häufigste Ursachen für Vergiftungen bei Hunden sind:

  • Arzneimittel (Nie einfach Medikamente geben, schon gar keine humanmedizinischen.)
  • Rattengift, Schneckenkorn, Insektizide
  • Frostschutzmittel, Alkohol, Schwermetalle
  • Reiniger, Desinfektionsmittel (Immer wegräumen!)
  • Giftpflanze

Hoffentlich müsst ihr bei euren Hunden nie Vergiftungssymptome feststellen.

Dr. vet. med. Sybille Ehlers

P.S. Noch eine Anmerkung von mir: Dass nicht immer ein Hundehasser beziehungsweise ein ausgelegter Giftköder schuld ist an einer Vergiftung, hat mir Pitú gezeigt. Im November 2004, wenige Monate nach seinem Einzug bei uns, hatte der kleine Irre, wie er damals noch hieß, eine unbeschriftete Flasche im Schuppen gefunden und ausgetrunken. Weil ich fürchtete, dass es Rasenmäher-Benzin war, fuhr ich gleich zum Tierarzt statt ins Büro. Es stellte sich erst später raus, dass es Sattelöl war.

Pitú am Abend nach seinem Ölunfall.

Pitú am Abend nach seinem Ölunfall.

6 Kommentare

  1. Ich finde den Blog einfach spitze!! Diese Infos und Tipps, A1!!

    Ich selber bin Hundeliebhaber und habe (auf das ich ganz stolz bin) mein erstes eBook erstelt mit jede Menge Tipps und Tricks siehe http://hunde-erfolgreich-erziehen.jimdo.com/ Und dadurch ich nicht nur Hunde Liebhaber bin sondern überhaupt Tiere über alles Liebe habe ich mir vorgenommen einen eigenen Blog über Tiere zu erstellen http://mastermike006.wordpress.com/2012/04/14/ hochwertige- informationen-rund-um-dem-hund/ ist leider noch nicht sehr bekannt und muss noch jede Menge Infos und Artikel schreiben. Wäre nett wenn mir jemand auch ein paar tipps geben könnte. Danke! Mfg Mike

  2. Pingback:Hund um Hannover » Giftköder

  3. Vor ein paar Monaten hatte mir eine Kundin aus Nordhorn von solchen Giftködern erzählt. Es ist schon pervers wie krank jemand sein muss um das zu tun.

    Der Artikel und vorallem die Inhalte sind gut erklärt. Eine solche Erste Hilfe Anweisung sollte bei keinem Hundebesitzer, -trainer und -friseur fehlen.

    Eine Frage habe ich dann doch noch – Wie stabilisiere ich denn den Kreislauf des Hundes bis zum Tierarzt ?

    Vielen Dank für den guten Artikel

    Gruss Tom

  4. Hallo, Tom,

    im Prinzip kann nur der Tierarzt eine effektive Stabilisierung des Kreislaufs durchführen. Auch hier ist die Behandlung wiederum abhängig von der Ursache der Kreislaufprobleme, so dass hier eine Beschreibung leider nicht in aller Ausführlichkeit möglich ist.

    Bei Vergiftungen bitte immer schnell den Tierarzt aufsuchen, aber bis dahin kann man folgendermaßen verfahren:

    1. Verhalten beurteilen (z. B. starke Angst bei Atemnot, Bewusstseinstrübung, Bewusstseinsverlust, Apathie)
    2. Notfallregel A – B – C – D:
    A = Atemwege freimachen (Kontrolle auf Erbrochenes, Zunge bei Bewusstlosigkeit herausziehen),
    B = Beatmung (Nase-Mund-Beatmung, Erste-Hilfe-Kurs),
    C = Circulation: Puls bestimmen, Kapilläre Füllungszeit bestimmen, eventuelle Blutungen stillen, Herzmassage (Erste-Hilfe-Kurs),
    D = Medikamente, Tropf etc., darf und soll nur der Tierarzt verabreichen.
    3. Der Hundebesitzer kann viel Wasser zu trinken anbieten (nicht bei Bewusstseinstrübung, nichts einflößen, keine Milch bei Vergiftungen), Hund muss trinken dürfen, wenn er will
    4. Stabile rechte Seitenlage (bei Bewusstseinsverlust Kopf tiefer, Zunge herausziehen) zum Transport bei Apathie, bei Atemnot bitte Brustlage. Beim wachen, nicht unter Krämpfen oder Atemnot leidenden Hund so, wie der Hund sich am wohlsten fühlt. Weich transportieren.
    5. Warm halten oder kühlen, je nach Ausgangssituation, meist kühlen die Hunde bei Vergiftungen aus, Vorsicht bei Krämpfen, Vorsicht im Sommer.
    6. Schnell zum Tierarzt oder in eine Tierklinik!

    Die genauen Details könnte man sich in einem Erste-Hilfe-Kurs aneignen, viele Tierärzte bieten solche Seminare an.

    Hoffe, die Antwort konnte ein bisschen weiterhelfen,

    viele Grüße!

  5. Pingback:An der Leine – Hundeleben in Hannover » Hundehasser unterwegs: Passt gut auf eure Hunde auf!

  6. Ich habe gerade den Artikel gelesen und wollte gerne was dazufügen. Nicht immer zeigen Hunde typische Vergiftungserscheinungen im Gegenteil, wie es sich bei unserem Hund gezeigt hat. Man muß auf die kleinsten Veränderungen achten.
    Unser Hund hat Medikamente erwischt Ibuprofen. Wir waren zu Besuch bei Bekannten und da muß es passiert sein. Das er einen Streifen erwischt hat. Wo und wie wissen wir leider nicht. Keiner hat was bemerkt.

    Als wir zuhause waren hatte sie einmal ihr Futter erbrochen. Da sie viel Gras gefressen hatte dachten wir es wäre das der Grund. Ein besorger Anruf bei Tierarzt wurden verneint. DAs käme mal vor kein Grund zur Besorgnis.

    Sie fraß am nächsten Tag normal spielte und doch war sie etwas anders wie sonst. Wirkte ein wenig ruhiger. Aber es war auch sehr heiß und sie ist schon älter. Auch das sie mehr Wasser trank machten wir uns keine Gedanken bei dem Wetter war es ja normal.
    Am nächsten Tag hatte sie reingemacht. Da sie kastriert ist kam das hin und wieder mal vor wenn auch selten. . Als der Tag drauf das wieder passiert machte ich mir Sorgen und bin zum Tierarzt. Der meinte auch eher da ist nichts. Schob es auf die Kastration. Und das hört wieder auf.
    Aufgefallen war mir nur das sie sich etwas ruhiger verhielt nicht ganz so wie sonst. Etwas zurückgezogen.
    Es vergingen 4 Tage dann rief die Bekannte an sie hatte einen Medikamententreifen im Garten gefunden der zernagt war und eine Tablette fehlte.
    Ihren Hunden ging es gut da war nichts. Ich fuhr sofort zu einem anderen Tierarzt der meinte sofort in die KLinik es könnte eine Vergiftung sein. Die sich auch bestätigt hatte. Und niemand hätte gedacht da sie eine hätte.
    Daher ist es wichtig wirklich auf Keinlgkeiten zu achten die beim Hund anders sind. Denn es müssen nicht immer typische Symtome auftreten.

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