Feierkekse!

Vorigen Donnerstag gab es bei uns Feierkekse. Denn ich hatte mittags das Ergebnis der pathologischen Untersuchung von den zwei fingerkuppengroßen, knochenharten Irgendwassen bekommen, die Dr. Juliane Bitter am Freitag zuvor aus Whiskys Bauch geholt hatte: „altes Nahtmaterial“. Ich bin immer noch fassungslos. Der OP-Tag – morgen ist er zwei Wochen her – erscheint mir gerade wie Whiskys zweiter Geburtstag.

Mein Häschen hatte Bauchweh. Jahrelang. Vermutlich. Warum, verdammt noch mal, können Hunde, insbesondere Border Collies nicht sagen: „Ich habe Bauchschmerzen. Tu was!“ Whisky war einfach nie so fit wie andere Hunde und nie so fröhlich. Immer etwas langsamer, dafür aber auch etwas verrückter als andere Hunde. Mein irres Häschen halt.

Vorigen August musste Whisky wegen akuten Nierenversagens und Bauchwassersucht (Aszites) eine Woche lang in der Tierklinik am Tropf liegen. Die Diagnose lautete: Borreliose und Anaplasmose. Es folgten immer wieder Rückfälle in den folgenden Wochen und Monaten. Am 2. Weihnachtstag sah sie morgens aus wie ein mit Wasser gefüllter Plüschballon – trotz Entwässerungstabletten und trotz Antibiose nach einem neuerlichen Schub. Auf Röntgenbildern und bei Ultraschalluntersuchungen war nichts zu sehen. Einzig die Borrelien und Anaplasmen konnten aber doch nicht die Ursache sein …

Vor gut zwei Wochen, als Whiskys Bauch gerade mal nicht prall mit Wasser gefüllt war, stimmte ich daher einer Einfach-mal-aufmachen-und-reingucken-OP zu. Schließlich erinnere ich mich noch immer gut an den Spruch eines befreundeten Kniechirurgen nach meiner verpatzten Knie-OP vor vielen Jahren. „In den Bauch kannst Du spucken, aber ins Gelenk sollst Du nicht mal gucken!“, hatte er damals gesagt.

Whiskys Nierenwerte waren am OP-Tag zwar immer noch mies, und beim weiteren Gesundheitscheck kurz vor der Operation fiel im Ultraschall erstmals auch noch ein Herzfehler auf, aber die OP fand statt. Und im Nachhinein hat sich das als absolut richtig erwiesen, denn unsere tolle Tierärztin fand dort, wo mal die Eierstöcke saßen, zwei sehr harte Teile. „Ganz merkwürdig!“, kommentierten Tochter und Vater Bitter unisono ihren Fund. Die merkwürdigen Teile wurden zur Untersuchung in die Pathologie geschickt.

Das vorläufige Ende der Geschichte: Auf den Faden, den der Tierarzt vor Jahren bei Whiskys Kastration verwendet hat, hat das Häschen möglicherweise allergisch reagiert. Oder es war der falsche Faden. Auf jeden Fall hat er sich nicht aufgelöst, was er aber unbedingt hätte tun sollen. Und so fing Whiskys Körper an zu kämpfen mit dem Nahtmaterial in ihrem Bauch. Die Borrelien und Anaplasmen im vorigen Sommer taten schließlich ein Übriges; zudem waren die alten Knoten nicht nur von Gewebe umgeben, was sie im Ultraschall quasi unsichtbar machte, sondern mit der Zeit auch verkalkt zu knochenharten Irgendwassen.

Das brave Häschen hat die Braunüle auch dieses Mal wieder dringelassen. Beim Rausziehen hat sie aber mächtig Fell gelassen. Merke: Doch lieber vorher rasieren.

Das brave Häschen hat die Braunüle auch dieses Mal wieder dringelassen. Beim Rausziehen hat sie aber mächtig Fell gelassen. Merke: Doch lieber vorher rasieren.

Whisky bewegt und gibt sich heute komplett anders. Die Schmerzen, die eine 15 Zentimeter lange, frische Bauchnaht verursachen, schienen bereits 24 Stunden nach der OP  nichts mehr zu sein gegen das Bauchweh, das meine Kleine zuvor gewohnt war. Das Häschen hüpft wieder!

Noch steht eine Kontrolle der Nierenwerte aus. Ich hoffe sehr, dass sich die Nieren erholen. Im Moment bin ich da sehr zuversichtlich. Und gespannt, wie schnell sich Whisky an ihr neues Leben gewöhnt. Sie muss die bauchwehbedingten Verhaltensmuster ablegen. Das wird sicher eine Weile dauern. Aber ich kann warten. In der Zwischenzeit gibt es mehr Feierkekse.

Ein Kommentar

  1. Elisabeth Dombrowsky

    Liebe Inka, Whiskys Leidensweg erschüttert mich enorm! Da kann man mal sehen, dass eine scheinbar harmlose Kastration auch immer eine unkalkulierbare Auswirkung haben kann. Und man sollte jedes auffällige Verhalten beim Hund in alle Richtungen hinterfragen. Aber toll, dass es jetzt geklärt ist und ich wünsche Whisky von Herzen gute Besserung und dass sie ein paar unbeschwerte Jahre in ihrem Rudel leben kann!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.