Wenn die Anaplasmen die Weihnachtspolka proben

Ziemlich genau eine Woche ist es her, dass ich mich über die Genesung meines Häschens (Whisky) gefreut habe. Hätte ich bloß auf ihren Dickkopf geklopft! Dann hätte ich vielleicht heute nicht einige Stunden mit ihr in der Tierklinik verbracht. Whisky hatte aber wieder etwa zwei Liter Wasser in ihrem Bauchraum angesammelt – quasi binnen Stunden und trotz Entwässerungstabletten. Also bin ich vormittags mal wieder gen Osterwald gefahren

Im Wartezimmer durfte ich dann mal wieder live erleben, warum angehende Hundehalter vor der Anschaffung eines Hundes einen Hundeführerschein machen sollten. Selbst dann, wenn es nur ein kleiner Hund werden soll. Herein kamen zwei Frauen mit einem blonden Chihuahua beziehungsweise einem sehr kleinen Hund, der für mich wie ein Chihuahua aussah. Noch ziemlich jung. Ein Rüde. Namens Zeus.

Zeus sprang und bellte fröhlich an seiner kurzen Leine hin und her. Als er Whisky sah, änderte sich seine Körperhaltung: Kopf hoch, Rute hoch. Das komplette Imponiergehabe im Miniformat. Das fröhlich-aufgeregte Kläffen ging in ein Knurren über. Ich vermute mal, es hätte ein tiefes Knurren sein sollen, aber aus dem Kerlchen drangen auf mich eher lustig anmutende Töne hervor, gefolgt von einigen dumpf gemeinten Wuffs. Whisky fand das Ganze gar nicht komisch. Sie ist in geduckter Haltung aufgesprungen und hätte Zeus wohl recht drastisch ihre Meinung über juveniles Rummackern mitgeteilt, aber ich habe rechtzeitig ihre Leine festgehalten und bin dann sofort mit ihr ein Stück weggegangen.

Frauchen und Frauchen von Zeus haben nichts von der Szene mitbekommen, weil sie sich in ihrem Rücken abspielte. Die beiden setzen sich kurz darauf dann aber – murmelnd, dass sie sich an meinem Hund nicht vorbeitrauen – zu einer großen schwarzen Hündin, offenbar Altdeutscher Hütehund, die das Tier vom Gewicht eines mittleren Hundeknochens freundlich beschnupperte. Zeus, bei der Begegnung immerhin nicht an angespannter Leine, könne nichts passieren, erfuhren wir Wartenden: „Der hat noch Welpenschutz!“ Erfreulich fand ich in diesem Moment, dass alle anderen im Wartezimmer wie ein Chor riefen: „Welpenschutz gibt es nicht.“ Das ist so zwar eigentlich nicht korrekt, aber die beiden Damen haben uns ohnehin nicht geglaubt.

Echt einen dicken Hals gekriegt habe ich einige Minuten später, als ich erfuhr, was Zeus hat. Kinder hatten „zu grob“ mit ihm gespielt, und dabei brach sein Vorderbein. Der Knochen wurde mit einer Schraube fixiert, und eben diese Schraube war nun durch die Haut gekommen. Mir haben die Worte gefehlt, und darum bin ich froh, denn etwas Höfliches wäre mir kaum eingefallen. Warum er mit dem kaputten Bein denn so viel herumspringen dürfe, fragte der Besitzer der schwarzen Hündin noch. Dann durfte ich zum Glück mit Whisky zum Röntgen gehen.

Das Häschen hat einen Schub. Die Anaplasmen und Borrelien in ihrem Blut proben offenbar die Weihnachtspolka. In den nächsten vier Wochen gibt es nun wieder Doxy morgens und abends, also Antibiotika. Dazu wieder mehr Entwässerungstabletten. Gegen das Bauchweh gab es heute Novalgin. Die Infusion mit der Nährlösung haben wir leider etwas fix laufen lassen, sodass dem Häschen übel wurde. Aber übelgenommen hat Whisky mir den Besuch in der Tierklinik nicht. Im Gegenteil: Sie liebt die Besuche dort so sehr, dass man meinen könnte, sie wird gern krank.

Aber Whisky verwässern halte ich trotzdem für eine doofe Idee!

5 Kommentare

  1. Oh jeh, Fortsetzung die xte! Daumen und Pfoten sind für Euch (alle) gedrückt!

    LG
    Judith

  2. Hallo,
    erstmal ein Kompliment! Ein wirklich schöner Blog, vielleicht werde ich ähnliches in Zukunft auch über ein Hundeleben in München starten ;)
    Aber zu meiner eigentlichen Frage, was haltet ihr von der Möglichkeit Hunde über einen Anzeigenmarkt anzunehmen (bzw mit den Anbietern in Kontakt zu treten)?
    Ich bin irgendwie verunsichert ob das ein seriöser Weg ist…!?
    Ein Beispiel dafür habe ich hier gefunden (mit mienem Namen verlinkt), meine Frau hat dort auch schon einen Welpen gefunden, aber wie gesagt habe ich da irgendwie meine Zweifel ob man das machen sollte. Hat da jemand Erfahrungen gemacht?
    Bin für jeden Ratschlag dankbar!
    Gruß,
    Peter

  3. Danke für das Kompliment, Peter.
    Zu deiner Frage: Ich bin sicher, dass es seriöse Züchter gibt, die in Kleinanzeigenmärkten inserieren. Gerade Mischlingswelpen werden so ja meist angeboten. Ich persönlich würde aber niemals bei den Kleinanzeigen nach einem Welpen suchen. Und ich rate auch keinem, das zu tun. Wer einen Welpen anschaffen möchte, sollte sich zuerst überlegen, welche Rasse er denn haben möchte – und das auch, wenn es ein Mischling sein soll, denn Kleiner Münsterländer mal Deutsch-Drahthaar ergibt immer noch einen Jagdhund! Wenn die Rasse(n)wahl gefallen ist, würde ich als Nächstes nach Züchtern Aussschau halten. Dabei würde ich über den zugehörigen Rasseverein suchen. Erst danach kann man sicher sein, ob die gewählte Rasse wirklich zu einem passt. Ich selbst unterhalte mich auch sehr gern mit Züchtern von Rassen, die für mich selbst niemals in Frage kämen. Wer diesen Weg der Welpensuche geht, hat immer noch keine Garantie auf den Traumhund, aber doch die größte Wahrscheinlichkeit, einen passenden und gesunden (!) Hund zu bekommen. Viel Erfolg bei der Suche! Ein Leben ohne Hund ist möglich, aber sinnlos. :-)

  4. Danke für deine Antwort! Werde deine Tipps bei der Suche umsetzen! ;)

  5. Pingback:An der Leine – Hundeleben in Hannover » Feierkekse!

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