Lazarettquartett

In diesem Sommer ist meine kleine Border-Collie-Sammlung zum Lazarettquartett mutiert. Angesichts eines Durchschnittsalters von gut elf Jahren war das wohl zu erwarten, aber so hatte ich mir das dann doch nicht vorgestellt. Und damit, dass mein ältester Hund (Pitù, jetzt 15,5 Jahre) als fittestes Rudelmitglied in den Herbst starten würde, hatte ich erst recht nicht gerechnet.

Und plötzlich ging nichts mehr: Grappa am Tropf in der Tierklinik. Der Blick sagt alles. Diagnose: Schlaganfall.

Und plötzlich ging nichts mehr: Grappa am Tropf in der Tierklinik. Der Blick sagt alles. Diagnose: Schlaganfall.

Ich liste die wichtigsten Ereignisse dieses Sommers einfach chronologisch auf, dann versteht ihr sicher, warum ich in den vergangenen Wochen so selten dazu gekommen bis, lustige Geschichten über mein Hundeleben aufzuschreiben.

Mai 2011

GRAPPA, gerade 13 geworden, macht einen schlappen Eindruck, und ich bin sicher, dass es nicht allein am Alter liegt. Das große Blutbild zeigt eine verringerte Leukozytenzahl, dafür viel zu viele Eosinophile, außerdem erhöhte Nierenwerte. Ab sofort gibt es Nierendiätfutter für die Maus. Außerdem haben wir noch mehr Blut abgezapft für ein sogenanntes Zeckenprofil.

Juni 2011

GRAPPA’s Zeckenprofil ist da: Borreliose-Titer erhöht, aber vor allem eine fiese Anaplasmose. Therapie: vier Wochen lang Antibiotika (Doxycyclin), danach eine Carbesia-Spritze.

SKIPPER hat sich die Pfote aufgeleckt. Weil ich dachte, dass er sich den Zeh gebrochen haben könnte, als er sich vor Kurzem eine Kralle abgebrochen hat rechts vorn, bin ich zum Röntgen gefahren. Diagnose: nix gebrochen, aber Arthrosen in nahezu allen Zehengrundgelenken, dazu ein Leckekzem an der Stelle, wo die Zehen am stärksten geschwollen sind. Frisbeespielen ist doof!

Juli 2011

SKIPPER kaut immer noch an seiner Pfote. Beim Anlegen eines Pfotenverbands habe ich inzwischen mehr Übung, als mir lieb ist. Ich habe außerdem diverse Schuhmodelle gekauft, aber der kleine Plüschmann mag sie alle nicht mehr tragen.

WHISKY macht einen schlappen Eindruck und trinkt viel.

August 2011

WHISKY ist viel kränker, als ich geahnt hatte: Wegen akuten Nierenversagens und Bauchwassersucht (Aszites) muss sie eine Woche lang in der Tierklinik am Tropf liegen. Ursache: Borreliose und Anaplasmose – wie bei der Maus, nur schlimmer. Whisky bekommt viereinhalb Wochen lang Doxycyclin und danach zwei Carbesia-Spritzen.

SKIPPER hat endlich aufgehört, an seiner Pfote zu kauen.

Der Pfote sieht man das abgeheilte Leckekzem zwar noch an, aber auf diesem gelungenen Bild sieht man nur, wie schön mein Plüschbär ist. (Foto: Doris Golatka)

Der Pfote sieht man das abgeheilte Leckekzem zwar noch an, aber auf diesem gelungenen Bild sieht man nur, wie schön mein Plüschbär ist. (Foto: Doris Golatka)

September 2011

GRAPPA wird offiziell als senil diagnostiziert. Dr. Juliane Bitter fragt mich, ob ihr Leben noch lebenswert ist.

WHISKY hat immer noch viel Wasser im Bauch und mag noch nicht wieder spazieren gehen. Sie bekommt Entwässerungstabletten.

Oktober 2011

R.I.P. TIGER

SKIPPER hat sich die im August abgeheilte Pfote wieder aufgeleckt. Neuer Therapieversuch: Blutegel. Tatsächlich heilt die wunde Stelle danach binnen einer Woche ab.

Knapp zwei Wochen nach der Blutegelbehandlung ist die wunde Stelle an Skippers Pfote toll verheilt. Nun muss nur noch das Fell nachwachsen.

Knapp zwei Wochen nach der Blutegelbehandlung ist die wunde Stelle an Skippers Pfote toll verheilt. Nun muss nur noch das Fell nachwachsen.

GRAPPA hat einen Schlaganfall oder das Vestibularsyndrom. Sie muss für eine Woche an den Tropf. Ich sitze jede Minute bei ihr und nehme sie zwischendurch mit nach Hause. Erst nach vier Tagen ist der Nystagmus, die andauernde ruckartige Bewegung der Augen, endlich verschwunden.

Täglich zweimal für jeweils ein bis drei Stunden hängt die Maus am Tropf.

Täglich zweimal für jeweils ein bis drei Stunden hängt die Maus am Tropf.

Leider verträgt Grappa die Medikamente, die sie dringend braucht, nicht gut.

Leider verträgt Grappa die Medikamente, die sie dringend braucht, nicht gut.

Von Tag zu Tag geht es der Maus aber zum Glück ein bisschen besser.

Von Tag zu Tag geht es der Maus aber zum Glück ein bisschen besser.

WHISKY hat wieder deutlich mehr Wasser im Bauch. Sie bekommt noch mal Entwässerungsspritzen und eine höhere Furosemid-Dosis.

Unterwegs mit den beiden kranken Mädchen: Grappa lässt sich im Bollerwagen ziehen, Whisky geht an der Leine, damit sie nicht nach kurzer Strecke umdreht.

Unterwegs mit den beiden kranken Mädchen: Grappa lässt sich im Bollerwagen ziehen, Whisky geht an der Leine, damit sie nicht nach kurzer Strecke umdreht.

November 2011

WHISKY hat endlich kein Wasser mehr im Bauch. Leider hat sie auch keine Kondition mehr, sodass die Schafe sie beim ersten Hüteversuch nach Monaten mächtig ärgern. Ab sofort steht beim Häschen Konditionstraining auf dem Programm.

SKIPPER ist der einzige meiner Hunde, der vom Zwingerhusten erwischt wird, der in einer besonders heftigen Form im Herbst in Hannover und Region grassiert.

SKIPPER hat sich mal wieder die Pfote aufgeleckt. Ich habe zwar inzwischen eigene Blutegel, aber nun muss ich eins der kleinen Biester auch endlich zum Einsatz bringen.

ENDE. Fortsetzung folgt hoffentlich nicht!

Ich könnte jetzt noch eine Kostenaufstellung machen, aber ich will die Gesundheitsausgaben, die in diesem Jahr für meine Tiere notwendig waren, gar nicht addieren. Die Summe ist auf jeden Fall vierstellig, und ganz vorn steht keine 1. Ich betrachte die Sache so:

Mein Rudel wird immer wertvoller.

Und wenn ich die vergangenen Wochen und Monate mit einer gehörigen Portion Optimismus betrachte, kann ich allem sogar etwas abgewinnen:

  • Ich weiß, dass alle meine Tiere in der Tierklinik am Osterwald jederzeit bestens versorgt werden. Die Gewissheit, gute und engagierte Tierärzte in der Nähe zu haben, ist von besonderem Wert, wenn man ein Lazarettquartett hält.
  • Meine veterinärmedizinischen Kenntnisse werden immer besser.

Nun freue ich mich auf den Winter!

9 Kommentare

  1. Hallöchen,

    wir kennen uns zwar nicht aber ich hab gerade deine Geschichte des fast vergangenen Jahres gelesen und ich war irgendwie…ja betroffen und etwas traurig aber zu gleich finde ich es total klasse wie du darüber schreibst und dem ganzen doch noch was gutes abgewinnen kannst. Dieses Jahr wurde bei einem meiner Hunde auch Athrose festgestellt und allein das Röntgen hat eine Unmenge gekostet und ich hatte schon gedacht ich wäre „arm“ dran gewesen ( im wahrsten Sinne des Wortes :P).

    ich wünsche euch ganz ganz viel Gesundheit für die nächste zeit und noch ganz ganz viel Spaß mit deinen Lieben.

  2. Danke, Nicole. Whisky ist heute zum ersten Mal nach vier Monaten wieder unangeleint (also freiwillig) die große Hunderunde gelaufen. Das Häschen hüpft wieder! Schöner hätte der 1. Advent nicht sein können, denn auch der Rudelrest ist fit und fröhlich.

  3. Liebe Inka,

    es tat richtig weh, diese Zeilen von Dir zu lesen, weil man wohl nur mit Tieren so sehr mitleiden kann. Und dann, wenn einem selbst zum heulen ist, zeigen einem diese Kreaturen, wie stark sie sind. Sie schauen einen an und sagen durch ihre Augen: „Frauchen, mach Dir keine Sorgen!“
    Ich bewundere, mit wieviel Stärke Du das ganze „ertragen“ hast.
    Du kannst sehr stolz auf Deine Border-Bande sein und mit Dir haben sie wohl das beste Frauchen gefunden!

    Ich wünsche Dir für Dich und Deine Mäuse vor allem das, was Ihr am meisten brauchen könnt – Kraft und Gesundheit. (Leckerlies kann man für Geld kaufen – aber eben das andere nicht!)

  4. Och Mensch Inka,

    Das klingt ja fürchterlich!!! Gib der Maus einen Riesenkuss von mir- Vestibularsyndrom (wenn’s das denn war) ist kacke! – ich kenn mich da aus. (Schlaganfall natürlich noch mehr)
    Knuddel sie alle durch, v.a. den Pitsi, der ja anscheinend als letzter noch die Flagge hochhält, und gute Besserung an alle Rasseln aus der Bande.
    Und Dich drück ich auch. Alles Gute für Euch alle.
    Katharina

  5. Liebe Inka,

    ich finde es so toll, wie Du das machst. Ich wähle mir Dich zum Vorbild – es trifft uns alle. Scott ist fast zehn Jahre alt, voll von Arthrosen, Hüftdysplasie, Cauda-Equina-Syndrom. Die Entscheidung, ihn zu nehmen, war auch die Entscheidung, ihn irgendwann zu beerdigen. Aber niemand hat mir gesagt, wie unendlich schwer es sein wird, seine(n) Hund(e) zu verlieren.

    Aber so ist das Leben: Verlust gehört dazu.

    Wir werden sie wiedersehen. Ich weiß es.

  6. Ach, Bert, ob ich als Vorbild tauge… Und schließlich war ich auch diejenige, die dir zugeredet hat, statt dich zu warnen vor dem Moment, der kommen wird.
    So platt das jetzt klingt: Wäre das Leben nicht endlich, könnte der Mensch es niemals schätzen, denke ich. So viele schaffen es nicht mal, nur einen Tag zu genießen. Als es mir gestern Abend nicht gut ging, kam Grappa und rollte sich auf meinen Füßen zusammen. Der Preis für die große Freude über die fast unendlich vielen kleinen Gesten, die ein Hund uns bereiten kann, ist sehr hoch. Aber das Preisleistungsverhältnis könnte nicht besser sein.

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