Nummer 1 lebt!

Eine Woche ist es nun her, dass meine Tierärztin mich gefragt hat, ob ich Grappas Leben noch für lebenswert halte. Die Maus hatte einen wirklich sehr tüddeligen Vormittag. Ich habe den Rest des Tages verheult – während Grappa fröhlich um mich herum gehopst ist. Sie ist mein erster (eigener) Hund, sie hat mir das Leben gerettet, und ich hänge so sehr an ihr.

Gestern nun kam der Tiger nicht mehr auf die Hinterbeine. Das mittlerweile 18,5 Jahre alte Fünf-Kilo-Plüschknäuel ist mein allererster Hund, eigentlich der Hund meiner Schwester Meike; er lebt bei unserer Mutter. Mit dem kleinen Tibet-Terrier-Mix hat bei mir angefangen, was Heinz Rühmann am treffendsten formuliert hat: „Man kann auch ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht.“

Das Phänomen Tiger: voller Lebensfreude seit 18,5 Jahren.

Das Phänomen Tiger: voller Lebensfreude seit 18,5 Jahren.

Noch am Donnerstagabend hatte ich den Tiger besucht und war begeistert, wie fit er durch die Wohnung zuckelte: taub und blind, aber voller Lebenslust. Später am Abend sei er dann nicht mehr hochgekommen hinten, habe nicht fressen können oder wollen, und er habe die ganze Nacht gewimmert, berichtete mir meine Mutter am Freitagmorgen. Ich habe sie sofort zum Tierarzt geschickt. Die Kleintierklinik Hannover gab ihr einen Termin für 15 Uhr! Ich habe meiner Mutter gesagt, sie solle losfahren und sagen, dass Tiger ein Notfall sei. Außerdem habe ich ihr erklärt, dass das wohl Tiger letzte Reise werde.

Auf größere Untersuchungen hat man in der Klinik verzichtet. Tiger bekam eine Cortisonspritze, meine Mutter ein paar Cortisontabletten und ein stärkeres Schmerzmittel zur Eingabe über das lange Wochenende mit nach Hause und die Worte mit auf den Weg: „Der hat sich nur einen Nerv eingeklemmt, das wird wieder, am Dienstag schauen wir mal weiter.“ Nach meinem Feierabend bin ich sofort zum Tiger gefahren. Ich fand ein Häufchen Elend auf dem Teppich liegen: blind, taub und nicht mehr fähig aufzustehen.

Meine Mutter hat sich von ihm verabschiedet, dann bin ich in meine Tierklinik gefahren. Tiger hasst Tierärzte, kaum in der Klinik angekommen, konnte er aufstehen und laufen; allerdings zog er das rechte Hinterbein stark nach, was sich mit einer Patellaluxation auch erklären lässt. Alle Reflexe waren da. Nach Röntgenaufnahmen und Blutuntersuchung entschieden drei Tierärzte: Tiger ist ein Phänomen! Zu fit, um ihn einzuschläfern! Wegen erhöhter Leukozyten hat er allerdings ein Antibiotikum bekommen, zudem eine ordentliche Vitamin-B-Dosis sowie etwas zum Entwässern – kein Wunder, dass er das braucht, da sein Herz „jenseits von Gut und Böse“ (Zitat Dr. Holle) ist. Für Zuhause gab es alles noch mal in Tablettenform mit, dazu das Gefühl des Bestensaufgehobensein. Danke!

Also, Nummer 1 lebt! Und auch mit dem sicheren Wissen, dass es einen Hundehimmel gibt (ich habe da gerade einen Fotobeweis gesehen), steht mir der Moment bevor, an dem es doch sein muss.

Ich habe noch nie einen Hund verloren.

Meine vier Hunde sind im Schnitt gute elf Jahre alt: fast 8 (Whisky), bald 9 (Skipper), 13 (Grappa) und 15 (Pitú). Ich nenne mein Rudel inzwischen Lazarettquartett. Die Gründe dafür im Einzelnen zähle ich ein andermal auf. Jetzt habe ich mir erstmal ein Buch bestellt: „Weis(s)e Schnauzen: Vom Zusammenleben mit alten Hunden“ von Clarissa von Reinhardt, erschienen im Animal Learn Verlag.

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