Aug 21 2011

Armes Häschen, bist du krank, dass du nicht mehr hüpfen kannst!

Veröffentlicht von um 16:52 in Gesundheit

Beim Hüten bei Ingrid Stottmann im Juli wirkte Whisky noch topfit. (Foto: Silvia Winterberg)

Beim Hüten bei Ingrid Stottmann im Juli wirkte Whisky noch topfit. (Foto: Silvia Winterberg)

Whisky hat toll und konzentriert gearbeitet. (Foto: Silvia Winterberg)

Whisky hat toll und konzentriert gearbeitet. (Foto: Silvia Winterberg)

Nachdem die inzwischen mehr als 300 Fans der Facebook-Seite zum Hundeblog eine Woche lang die Daumen gedrückt haben, will ich Whisky Krankengeschichte nun auch endlich hier im Hundeblog erzählen. Also …

Vor einer inzwischen gefühlten Ewigkeit war mir an Whisky aufgefallen, dass sie auffällig viel trinkt und nicht mehr ins Auto springen mag. Ansonsten war das Häschen aber verrückt wie immer. Sie wirkte zwar ein bisschen schlapp, und das hätte mir doch zu denken geben sollen, denn ein Border Collie zeigt ja leider erst irgendwelche Krankheitsanzeichen, wenn es fast zu spät ist. So fuhr ich aber erst mal auf Dienstreise und genoss danach einige freie Tage.

Vorigen Montag, fast zwei Wochen, nachdem mir das vermehrte Trinken und die Hüpfunlust beim Häschen aufgefallen waren, nahm ich Whisky schließlich mit zum Tierarzt, genauer in die Tierklinik am Osterwald, als ich mit Skipper zum Impfen und Pfotebegucken gefahren bin. Von Whisky sollte es ein kleines Blutbild geben und viele Knochenfotos, denn schon seit ich sie habe, wollte ich sie einmal durchröntgen lassen, weil sie ein bisschen komisch läuft. Vielleicht, dachte ich, hat sie ja Rücken.

Beim Betrachten der Röntgenausnahmen – kleine Macke am Beckenknochen, Hüften nicht perfekt, aber okay, rechter Oberarmknochen etwas verdickt, vielleicht eine kleiner Absatz im Ellenbogengelenk, aber insgesamt nichts Dramatisches – sagte Tierärztin Dr. Juliane Bitter dann: „Komisch, warum kann man eigentlich gar keine Organe sehen auf den Bildern?“ Fast zeitgleich bekam sie den Zettel mit den Ergebnissen der Blutuntersuchung in die Hand gedrückt: ganz miese Nierenwerte, zu wenig rote Blutkörperchen, Hämatorkrit-Wert zu niedrig. Kurzum: Ab an den Tropf und zum Ultraschall.

Das Schallen der Organe war schwierig, denn Whiskys Bauchraum war prallgefüllt mit Flüssigkeit, mit Wasser, nicht mit Blut, denn ein aufgeplatzter Tumor (erste Idee) ließ sich nicht finden. Die Organe sind geschwommen. Und da sie sämtlichst gezwungen worden waren, erst das Seepferdchen und dann auch das Freischwimmer-Abzeichen zu machen, war auch kaum mehr ein Organ dort in der Bauchhöhle, wo man es vermutet hätte. Übel! Es war zu viel Wasser, um zu punktieren. Das hätte Whiskys Kreislauf nicht mitgemacht.

Brave Patientin: Literweise Ringerlösung musste durch Whisky durchfließen. Anfangs trug sie dabei zur Sicherheit für die behandelnden Hände einen Maulkorb, aber den brauchte sie schon am zweiten Tag ihres Klinikaufenthalts nicht mehr.

Brave Patientin: Literweise Ringerlösung musste durch Whisky durchfließen. Anfangs trug sie dabei zur Sicherheit für die behandelnden Hände einen Maulkorb, aber den brauchte sie schon am zweiten Tag ihres Klinikaufenthalts nicht mehr.

So musste sie nun also entwässern bei gleichzeitigem Spülen der Nieren. Prognose: sehr ungewiss. Fünf Stunden lang habe ich am Montagnachmittag neben ihr in der Tierklinik gesessen. Abends habe ich darauf bestanden, sie mit nach Hause zu nehmen. Zum Glück durfte ich das auch, ja, ich sollte sogar, damit Whisky stressfrei schlafen kann nachts.

In den folgenden Tagen habe ich sie morgens um acht Uhr vor der Arbeit in der Tierklinik abgegeben und abends gegen sechs, halb sieben wieder abgeholt. Ihr Elektrolythaushalt war komplett durcheinander geraten, die Nierenwerte wurden schlechter, aber sie sei stabil, hieß es. Allein eine Diagnose fehlte. Es gab nur den Verdacht, dass es eine von Zecken übertragene Krankheit sein müsste.

Am Mittwochabend kam das erste Fax: Borreliose und Anaplasmose. Nicht gut, aber die beste Diagnose, auf die ich hoffen durfte, denn diese beiden Erkrankungen lassen sich mit Antibiotikum (Doxycyclin) behandeln. Leishmaniose oder Leptospirose hätten die Symptome (Bauchwassersucht und akutes Nierenversagen) auch erklärt, wären aber nicht so gut behandelbar gewesen, jedenfalls nicht ohne weitere Schädigung der bereits angeschlagenen Nieren. Das zweite Fax am Donnerstag brachte die Gewissheit, dass Whisky allein gegen Anaplasmen und Borrelien kämpft.

Das Doxycyclin verträgt das Häschen zwar nicht sehr gut, aber am Freitag war der Elektrolythaushalt wieder in Ordnung, die Nierenwerte besser. Abends durfte ich sie mit nach Hause nehmen mit Entlassungspapieren aus der Tierklinik, jeder Menge Tabletten (Docycyclin, was für den Magen, einen Phosphatfänger für Katzen, Entwässerungstabletten und Reneel) sowie Hill‘s-k/d-Nierendiätfutter in der Dose.

Whisky war die ganze für mich so schlimme Woche über zwar sehr schlapp, aber zugleich fröhlich; das komplette Team der Tierklinik am Osterwald hat einen Häschen-Fanclub gegründet. Ich hoffe nun, dass die Nieren wieder arbeiten werden, der Wasserbauch ganz verschwindet und es nicht zu einem Rückfall kommt.

Ich danke allen lieben Menschen, die für Whisky so fest die Daumen gedrückt haben. Ganz besonders danke ich Bert, der mir eine Rampe fürs Auto geschenkt hat (eigentlich sollte Pitú sie nutzen). Mit dieser Rampe waren die Fahrten in die Klinik und zurück problemlos möglich. Selbst ins Auto hüpfen kann das Häschen nämlich noch nicht wieder, aber heben lässt sich Whisky wegen des dollen Bauchwehs auch nicht gern.

7 Kommentare bislang

7 Kommentare zu “Armes Häschen, bist du krank, dass du nicht mehr hüpfen kannst!”

  1. aliceam 22 Sep 2011 um 16:35

    Hallo Inka,
    dein Hunde-Blog gefällt mir sehr gut, sehr viele spannende Themen. Ich habe vor ein paar Wochen einen “Hunde-Video-Blog” gestartet. Würde mich freuen wenn du mal bei mir reinschaust. (ich möchte hier nicht ungefragt einen Link posten, du siehst ja meine Internetadresse.) Liebe Grüsse und weiter so Alice :-)

  2. Tiermedizinportalam 27 Sep 2011 um 11:25

    Hallo,
    ein sehr schöner Blog. Weniger schön ist allerdings die Krankheitsgeschichte von Whisky. Aber Whisky scheint ja wirklich in guten Händen zu sein. Wir drücken die Daumen!
    Gute Besserung

  3. Greteliesam 24 Nov 2011 um 17:20

    Du hast ne neue Leserin :-)

    Und für Whisky alles Gute!!!

    Liebe Grüße
    Anne

  4. […] als ich geahnt hatte: Wegen akuten Nierenversagens und Bauchwassersucht (Aszites) muss sie eine Woche lang in der Tierklinik am Tropf liegen. Ursache: Borreliose und Anaplasmose – wie bei der Maus, nur schlimmer. Whisky […]

  5. […] Das Häschen hat einen Schub. Die Anaplasmen und Borrelien in ihrem Blut proben offenbar die Weihnachtspolka. In den nächsten vier Wochen gibt es nun wieder Doxy morgens und abends, also Antibiotika. Dazu wieder mehr Entwässerungstabletten. Gegen das Bauchweh gab es heute Novalgin. Die Infusion mit der Nährlösung haben wir leider etwas fix laufen lassen, sodass dem Häschen übel wurde. Aber übelgenommen hat Whisky mit den Besuch in der Tierklinik nicht. Im Gegenteil: Sie liebt die Besuche dort so sehr, dass man meinen könnte, sie wird gern krank. […]

  6. […] Hunde können. Einen winzigen Moment lang habe ich überlegt, ob ich Whisky losschicken soll, aber das Häschen ist ja noch in der Rekonvaleszenz. Ich lehnte also dankend ab, und wir gingen weiter. Irgendetwas rief Ryan uns noch hinterher, aber […]

  7. […] Whisky bewegt und gibt sich heute komplett anders. Die Schmerzen, die eine 15 Zentimeter lange, frische Bauchnaht verursachen, schienen bereits 24 Stunden nach der OP  nichts mehr zu sein gegen das Bauchweh, das meine Kleine zuvor gewohnt war. Das Häschen hüpft wieder! […]

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