Ninja, blitzvermittelt

Manchmal läuft es fast zu gut, um wahr zu sein. Am Samstag vor einer Woche bin ich vormittags mit Grappa und Skipper beim Tierarzt gewesen. Seit Kurzem fahre ich auch mit allen Routinesachen in die Tierklinik am Osterwald, weil ich mich da sehr gut aufgehoben fühle. Während die Maus also eine Spritze bekommt und ihr Cousin einen Pfotenverband, erzählt mir die Tierärztin, dass ihnen vor zwei Wochen von der Feuerwehr ein Border Collie oder ein Border-Collie-Mischling oder vielleicht auch ein Karelischer Bärenhund gebracht wurde, der trotz intensiver Suche wohl nicht vermisst werde und daher dringend ein Zuhause brauche. Und da ich ja ohnehin schon vier Hunde hätte …

Ich habe mir das Tierchen dann angesehen: eine Hündin, mit großer Wahrscheinlichkeit 100% Border Collie, etwa vier Jahre alt, schwarz mit wenig weiß und süßen Stehöhrchen, verträglich mit Hunden, Katzen und Waschbären – nur nicht mit der Hündin der Tierärztin, die das schwarze Findelkind sonst selbst behalten hätte. Etwas zurückhaltend. Sie scheint eine Weile allein unterwegs gewesen sein, denn sie war recht dünn und komplett verfilzt, als sie gefunden wurde. Aber gesund und munter. Ich habe sie nicht sofort mitgenommen, aber versprochen, binnen 24 Stunden einen Pflegeplatz zu organisieren.

Am Nachmittag hatte ich einen tollen Pflegeplatz für die Kleine in Aussicht und Gudrun Lauenstein angefixt. Sie hatte sich im Mai für Paula interessiert, aber ihr Paddy mochte Paula nicht, weil sie ihm eindeutig zu ungestüm war. Foto und Beschreibung des Fundhündchens vom Osterwald gefielen, und so machten wir für Sonntagvormittag ein Treffen aus.

Gudrun und ihrem Freund gefiel die Kleine sofort; und obwohl das Kennenlernen zwischen ihr und Paddy unverhofft an zwei Flexileinen direkt vor der Tür der Tierklinik passierte, passierte nichts Verkehrtes. Paddy hielt sie erst einmal auf Abstand. Mit ihrem zurückhaltenden Charme gelang es dem Border-Collie-Mädchen aber binnen zehn Minuten, den fast zehnjährigen Paddy in ein Spiel auf der Wiese neben der Tierklinik zu verwickeln. Weitere 20 Minuten und ein bisschen Papierkram später durfte sie in den Kofferraum einsteigen: blitzvermittelt auf Probe. Abends hatte sie dann auch endlich einen Namen: Ninja.

Ninjas erste Woche im neuen Leben. (Fotos: Gudrun Lauenstein)

Ninjas erste Woche im neuen Leben. (Fotos: Gudrun Lauenstein)

Eine Woche später schickte Gudrun mir einige Bilder (siehe oben) und diesen wunderbaren Bericht:

Die Fahrt von Osterwald nach Hannover war im Grunde recht ruhig, außer dem zwischenzeitlichem Jammern von Miss Namenlos, dem Hinundhergespringe zwischen Kofferraum und Rückbank (Gitter besorgen!), dem grummelnden Paddy, … Also alles in Ordnung, geht doch.

Gut in Hannover angekommen, gab es erst einmal eine Haus- und Gartenführung. Während Ninja (ehemals namenlos) aufgeregt die Austobequalitäten ihres neuen Zuhauses überprüfte, schaffte Paddy seine Bälle an einen geheimen Ort. Und nachdem die Frage „Wer bekommt welchen Knochen?“ friedlich geklärt war, legte (Kräuter-)Paddy sich zwischen Salbei und Liebstöckel zur Ruhe, während Ninja Kohlrabi und Erdbeeren platthüpfte. Okay, macht nichts. Grmpf! Ninja muss Antilope oder Gazelle in der Ahnenreihe haben, so sah es jedenfalls aus.

Ninjas Selbstbewusstsein wuchs von Minute zu Minute. Okay, schien sie zu denken, dann erklär‘ ich dem Paddy mal, dass ich gerne Verantwortung als Chefin übernehme. Ups, Rechnung ohne Paddy gemacht, erster Streit da, Hundeknäuel mit acht Beinen, in Sekundenschnelle wieder vorbei, unentschieden. Jetzt haben beide eine neue Schmarre, Ninja am Kopf und Paddy am Po. Dem Himmel sei es gelobt, gepriesen, gepfiffen und getrommelt: nur oberflächlich.

Am frühen Abend sind wir dann zur Gassirunde aufgebrochen, die ich hier beschrieben habe. Beide friedlich und entspannt. Nach Mäusen buddeln ist schon mal eine Gemeinsamkeit, über die sich ausgetauscht werden kann. Während Paddy auf der Wiese Ball spielen durfte, hat Ninja die Bekanntschaft mit anderen Hunden gemacht. Ihr Spiel sieht aus wie ein Pogotanz. Mmh, steckt da ein kleiner Punk in der edlen Erscheinung? So nach cirka drei Stunden sind wir dann wieder zu Hause angekommen, alles schön.

Ninja war in der ersten Nacht von Sonntag auf Montag allerdings recht unruhig, sie schreckte mehrfach hoch und hüpfte zwischendurch ins Bett. Sie hielt auch immer wieder Ausschau nach Paddy,der sich mal wieder heimlich ins Gästebett verzogen hatte.

Am Montag bin ich dann mit ihr alleine zu einer Runde aufgebrochen, Paddy wollte noch nicht – Langschläfer. Spazierengehen, oh ja, leider zieht Ninja wie Hechtsuppe, also Halfter kaufen. Ach ja, am Montag, da hat die Ninja mir mein Abendbrot geklaut. Beim Brotmachen fiel mir ein, dass Dienstag Müllabfuhr ist, also Brot mit Küchentuch abgedeckt, Müll rausgebracht, Küchentuch lag noch da, aber Brot und Kohlrabi weg, Ninja im Garten, schnauzeleckenderweise. Der Backofen wurde auch schon angehimmelt und die Tische täglich nach Fressbaren kontrolliert. Bei den Spaziergängen wird Paddy ihr das Tauschen beibringen, hat er mir versprochen. Okay, ich helfe dabei.

Seit Montagabend ist Ninja viel ruhiger, das könnte auch daran liegen, dass Paddy und Ninja vier bis sechs Stunden täglich unterwegs sind. Ninja liebt die Spaziergänge und das Plantschen im Biotop. Abends ist Kuschelrunde und entspanntes Bubumachen. Seit Mittwochnacht schläft Paddy auch neben oder in der Nähe von Ninja. Es gab keinen Streit um die Schlafplätze und Hundeinseln.

Beide lernen voneinander. Ninja schaut sich vom Paddy ab, was bei Fuß gehen, Sitz und Down bedeutet, und Paddy orientiert sich an Ninja hinsichtlich der Hundekontakte. Ninja mag allerdings keine Spitze, da wird sie etwas grantiger, wenn die in ihre Nähe kommen. Möpse findet sie anscheinend lustig. Gerne würde sie auch die Bekanntschaft einer Huskyhündin machen, die will aber nicht. Okay, auch das muss Ninja lernen.

Wenn Ninja sich noch besser eingelebt hat, auf ihren Namen ohne Nachfragen hört, denke ich, dass sie zunächst eine Kandidatin für Obedience ist.

Ich habe ein sehr gutes Gefühl mit Ninja und Paddy.

Das gute Gefühl teile ich. Vielleicht bekommt Ninja ja demnächst sogar eine eigene Facebook-Seite; Paddys heißt „Paddy – der Plüsch“.

Ein Kommentar

  1. Bin erst jetzt hier wieder zum lesen gelandet und bin fast gerührt von dem wirklich schön geschriebenem Bericht… Es muss einfach schön anzusehen sein, wie sie sich einlebt bzw. mittlerweile eingelebt hat.

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