Vom Leben mit Hund in einer hundeunfreundlichen Stadt

Zum Tag des Hundes

Ich wünschte, einen Blogbeitrag mit diesem Titel könnte ich nur als Gastbeitrag veröffentlichen. Doch ich kann ihn selbst schreiben, weil Hannover eine hundeunfreundliche Stadt ist. Ich wette, auf einer Hitliste der hundeunfreundlichsten Städte Deutschlands bringt es Hannover, so sehr ich die Stadt auch liebe, locker unter die Top 10, wenn nicht sogar unter die Top 5. Nachdenkliches zum Tag des Hundes.

Der VDH feiert den Tag des Hundes am morgigen Sonntag (5. Juni 2011) zum zweiten Mal. Bundesweit finden wieder Hunderte Aktionen statt. Am ersten Tag des Hundes war auch Hannover mit einer großen Veranstaltung dabei: Hannover ging gassi – allerdings nicht annähernd so zahlreich, wie von Veranstalter Frank Unkel, der in Hannover sechs Fressnapf-Filialen betreibt, erhofft. Eine Wiederholung gibt es deshalb nicht. Ein bisschen Schuld hatte die Hitze. Ansonsten dürfte es an der generell eher hundefeindlichen Stimmung in der Stadt an der Leine gelegen haben.

Woher kommt die hundefeindlichen Stimmung? Weil Hannovers 45.000 Hundehalter, glaubt man der Bild-Zeitung, den 470.000 restlichen Hannoveranern täglich das Leben schwer machen. „So geht das nicht weiter!“, schrieb das Blatt vor Kurzem – und richtete ein klares Wort an viele der Hundehalter zwischen Ahlem und Anderten, zwischen Langenhagen und Laatzen: „Schämt euch, ihr rücksichtslosen Hundehalter.“

Dass Hannover eine hundeunfreundliche Stadt ist, denke ich schon lange. Des Bild-Artikels hätte es dafür nicht bedurft. Ich nehme ihn aber zum Anlass und richte ein klares Wort an die vielen Hundehasser zwischen Seelze und Sehnde, zwischen Gehrden und Groß-Buchholz:

  • Glaubt eigentlich irgendein Nichthundehalter, dass Hundebesitzer gern in Hundekot treten? Hundebesitzer ärgern sich genauso über liegen gebliebene Haufen wie jeder andere. Und deshalb habe ich immer Tüten dabei. Es wäre aber schon schön, wenn die Stadt wenigstens ein paar mehr Mülleimer aufstellen könnte. Die Hoffnung auf Kotbeutelspender, wie sie in vielen anderen Städten üblich sind, habe ich längst aufgegeben.
  • Immer wieder schieben Eltern Kinder in Karren geradewegs auf angeleinte Hunde zu und fordern ihren Sprössling zum Streicheln auf. Hallo? Grabsche ich in eure Kinderwagen, ohne zu fragen? SitzPlatzAus hat – vermutlich allein wegen dieser Rücksichtslosigkeit vieler Eltern – den Wunsch vieler Hundebesitzer aufs Shirt gebracht: „Nehmen Sie Ihre Kinder bitte an die Leine. Mein Hund hat Angst.“
  • Kinder und Jugendliche haben nach meinen Hunden schon mit Steinen geworfen, mit Getränkedosen und sogar mit Silvesterböllern. Warum? Aus dem selben Grund, warum Rüden beim Pinkeln ein Bein heben: Weil sie es können! Meine Erfahrung ist: Hunde, die Kinder anbellen, haben dafür meistens einen guten Grund.
  • Über unangeleinte Hunde ärgern sich nicht nur Menschen ohne Hund, sondern auch sämtliche Halter angeleinter Hunden.
    Der will nur spielen? Meiner aber nicht!
    Der ist ganz lieb? Meine Hündin ist läufig!
    Die müssen sich doch begrüßen? Meine Hunde haben genug Freunde!
    Der tut nix? Danke, ich verzichte auf den Beweis!

Die Bild.de-Leser haben es dem Bild-Reporter, der am Ende seiner Enthüllungsreportage die Frage stellte, ob Hunde in Hannover nerven, dann immerhin doch gezeigt, dass Hannover zumindest nicht die hundeunfreundlichste Stadt Deutschlands ist. Denn dem stimmten lediglich 19 Prozent zu.

Nun kommt ihr: Haltet ihr Hannover für eine hundefreundliche oder hundefeindliche Stadt?

3 Kommentare

  1. Zur Frage: Schwer zu sagen, dazu sind wir so gut wie nie in Hannover, um das beurteilen zu können. Immerhin gibt dort einige (wenige?) Hundeauslaufflächen, das ist woanders nicht unbedingt so.
    Zum Text: Der spricht mir, unabhängig von Hannover, sehr aus dem Herzen.
    Leider gibt es viel zu viele Negativ-Hundehalter der oben beschriebenen Sorte, nahezu jeder Spaziergang bringt einen solchen Kontakt mit sich.
    Und zum Einsammeln der Hinterlassenschaften: beutel kann man immer bei sich haben, wir empfehlen die 5l- oder 10l-Kosmetikabfall-Beutel aus dem nächsten Drogeriemarkt. Allein, es fehlen, wie oben beschrieben, meist die Mülleimer.

  2. Schade… weil dieser erstklassige Beitrag sicher kaum oder ich behaupte gar nicht von Nichthundehaltern und besonders den Hundehassern gelesen wird. Der Beitrag ist noch kurz gehalten, da alleine mir schon genug Beispiele einfallen, wie hier über Hundebesitzer alleine nur gedacht wird. Ich komme eigentlich aus Emden, Ostfriesland, doch sehe ich wie man Hunden auch anders begegnen kann.
    Letztens war ich in Husum zu Besuch und war überrascht über ein Schild mit dem Hinweis „Hundeklo“. Es gibt tatsächlich mitten in der Stadt eine Fläche, auf denen der Hundebesitzer mit dem Hund „darf“. Letztendlich verschwinden Hundehaufen in Wirklichkeit nach ein, zwei Regenschauern und auf dem Rasen sogar noch weitgehend ohne Spuren. Ein Hundehaufen in einem Plastikbeutel allerdings finde ich in die Landschaft geworfen oder als Restmüll nicht unbedingt nachahmenswert und ich mache ihn, also den Haufen, nur weg, wenn er „zu sehen ist“ wobei mein Hund eh nicht am Straßenrand oder ähnlichem „macht“.
    Zu guter Letzt muss ich sagen, dass man sich mehr über Hundehaufen aufregt, als über Reste „wilden Grillens“ oder die leeren Flaschen nach einem Jugendbesäufnismarathons an einer Bushaltestelle!

  3. Ein sehr interessanter Artikel. Ich beziehe meine Antwort jetzt mal nicht unbedingt auf Hannover, da ich dort nicht viel mitreden kann.

    Fakt ist ja, dass es genug Hundehasser gibt. Da erkenne ich immerwieder den Leitsatz „Wer Tiere nicht mag, kann Menschen nicht lieben.“

    Ich finde es erschreckend, dass sich Leute über einen Hundehaufen aufregen, aber selber Mc Donalds Tüten, Bierflaschen, Zigarettenstümmel, Taschentücher und sämtlichen anderen Müll rücksichtslos überall hinwerfen.
    Jetzt frage ich mich was schlimmer ist? Wenn ein Tier sein Geschäft verrichtet, oder wenn ein Mensch der es besser wissen müsste seinen Müll wild entsorgt.

    Ich entferne jeden Hundehaufen meiner Hunde mittels Kotbeutel. Das tue ich alleine deshalb, weil ich Hundehassern die Munition für hetzerische Aufrufe nehmen will.

    Es gibt natürlich auch rücksichtslose Hundehalter die überall den Kot auf Wege zurücklassen. Das sind jedoch tendenziell eher die Leute die auch Müll überall hemmungslos wegwerfen.

    Es ist ein Gesellschaftsproblem.. Kein Hundeproblem!! Wann verstehen das die Leute endlich?

    lG
    Patrick

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