Klimakiller? Wirtschaftsfaktor!

Eigentlich mag ich die taz ja sehr gern, aber häufig stellt die Berliner Zeitung mit dem Pfotenlogo die Dinge dann doch ziemlich verquer dar. Diese Woche etwa bin ich an der Überschrift „Katzen und Hunde sind Klimakiller“ (online erschien der Artikel mit dem Titel „Klimakiller Katze“) hängengeblieben. Natürlich ist es grundsätzlich richtig, dass die Kohlendioxidbilanz sämtlicher Lebewesen, die sich nicht vegetarisch ernähren, mies ist. Aus diesem logischen Umstand die Forderung abzuleiten, dass wir nur noch essbare Tiere halten sollten, ist aber dämlich.

Umgekehrt wird ein Schuh ohne Ledersohle daraus: Ich fordere zur deutlichen Verringerung der CO2-Emissionen alle Menschen auf, nur noch an maximal zwei Tagen in der Woche Fleisch zu essen, und – voilá – dürfen wir uns wieder mit gutem ökologischen Gewissen an unseren Haustieren erfreuen. Und wer partout lieber ohne Hund leben will, sollte doch bitte zur Kenntnis nehmen, dass Dackel, Schäferhunde und Co. ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind. Einer Studie der Universität Göttingen zufolge hängen mittlerweile 100.000 Jobs in Deutschland allein an der Hundehaltung. Die Umsätze mit Hundefutter, Leinen, Decken und Tierarztbesuchen machten im vorigen Jahr etwa 0,2 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes aus. Zum Vergleich: Die Land- und Forstwirtschaft kam auch nur auf einen Anteil von 0,9 Prozent.

Jeder Hundebesitzer hierzulande gibt laut dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) jeden Monat 50 bis 100 Euro für seinen Hund aus, abhängig von Größe und Alter. Bei 5,3 Millionen Hunden läppert sich da was zusammen. Allein für Hundefutter haben die Deutschen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge 2010 ganze 834 Millionen Euro ausgegeben. Auch dazu eine Vergleichszahl: Für Babynahrung zahlten die Deutschen lediglich 556 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Dazu kommt ein immer lukrativer werdendes Geschäft mit Zubehörartikeln. Das Geschäft mit „allem, was ein Hund braucht, aber nicht fressen darf“, so Detlev Nolte, der Sprecher des Industrieverbands Heimtierbedarf IVH, wuchs voriges Jahr im Vergleich zu 2009 um 3,3 Prozent auf 155 Millionen Euro.

Alle Ausgaben, die direkt oder indirekt mit der Hundehaltung zusammenhängen, summieren sich auf etwa 5 Milliarden Euro pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kamen die beiden Ökonomen Renate Ohr und Götz Zeddies von der Universität Göttingen in ihrer Studie im Auftrag des IVH. Zu den Umsätzen mit Hundefutter und Zubehör kommen die Erlöse von Tierärzten, Züchtern, Hundepensionen, Hundeschulen, Vereinen und Versicherungen. Der Staat kassiert zudem die Hundesteuer. Bundesweit nahmen die Kommunen im vergangenen Jahr 258 Millionen Euro ein. Und zu trauriger Letzt verdienen noch die Tierbestatter. Sie machten 2010 nach Angaben des Bundesverbands der Tierbestatter (BVT) einen Umsatz von 10 Millionen Euro. Tendenz: boomend. Hmpf!

9 Kommentare

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  2. Ich denke, dass zumindest bei den Ausgaben für Hundefutter und Nahrungsergänzungsmitteln doch zumindest eine Tatsache außer Acht gelassen wurde, nämlich dass die meisten Futtersorten im Verhältnis zur Menschennahrung wesentlich teurer sind. Ein Pfund Hühnerklein (nicht weiterverwertbare Rückenstücke) kosten z.B. tiefgekühlt 0,69 EUR. Dafür kriegt man nicht einmal eine große Dose Hundefutter in derselben Qualität. Dann die Nahrungsergänzungsmittel z.B. wie Bierhefe mit Biotin in Tablettenform für Hunde kosten zwischen 12,- und 16,- EUR. Ein entsprechendes Produkt für Menschen kostet eher die Hälfte. Auch im Bereich Hundespielzeug gibt es gravierende Preisunterschiede. Ein Stofftier, dass vorwiegend für Hunde entworfen und produziert wird, wobei teilweise überhaupt nicht über anschließende Verwertbarkeit nachgedacht wurde, kostet üblicherweise bei Fressnapf, Futterhaus und Co. zwischen 4,- und 12,- EUR. Ein qualitativ hochwertigeres Stofftier bekommt man in der IKEA Kinderabteilung ab 1,- EUR. Ich möchte damit zum Ausdruck bringen, dass nicht einfach nur eine Abhängigkeit vorliegt, sondern in diesem Fall die Hundehalter eben auf Kosten ihrer Unwissen- und Unsicherheit regelrecht ausgebeutet werden.

  3. Maristela, deine Vergleiche sind doch etwas putzig, finde ich. Ich kann sowohl mich als Mensch als auch meine Hunde günstig oder teuer ernähren.

    Nahrungsergänzungsmittel brauchen meine Hunde nicht, weil ich ein hochwertiges Fertigfutter füttere. Wenn ich aber doch etwas zusätzlich füttern will, kaufe ich günstig – unabhängig davon, ob es für Mensch oder Hund gedacht ist. So esse ich meinen Hunden manchmal das Vet-Traumeel weg, und Grappa bekommt gerade das preiswerte Antibiotikum aus der Humanmedizin.

    Und ob ein 1-Euro-Stofftier hochwertig ist, wage ich doch mal zu bezweifeln… Für meine Hunde kaufe ich trotzdem gern in der Ikea-Kinderabteilung ein.

  4. Das war auch keine persönliche Anspielung, nur wollte ich mal zum nachdenken anregen. Besonders eben über die Höhe der Ausgaben. Ich meine nur, dass die Wirtschaft die Tatsache der Unwissen- und Unsicherheit der Tierbesitzer ausnutzt. Außerdem wird diesem Industriezweig viel mehr Vertrauen entgegen gebracht, als z.B. zur Zeit den Supermärkten beim Gemüse. Ich selbst weiß aus Erfahrung wie Fertigfutter hergestellt wird, da ich beruflich in der Vergangenheit beruflich mit bekannten Herstellern Kontakt hatte und war auch mit der Produktion vertraut. Das nur zum Thema Futter. Bei der Verarbeitung von z.B. Stofftieren kenne ich auch aus beruflicher Erfahrung, wie der Verkaufspreis kalkuliert wird. Mir ist eben aufgefallen, dass die meisten eher einem Stofftier aus dem „Fachmarkt“ eher vertrauen, weil „die Hersteller sich doch damit auskennen“, die die „Erfahrung haben“ bei Futter es doch auch der Tierarzt verkauft etc.

  5. Also meine Kritik bezog sich auf den Inhalt bzw. bereits auf die Veröffentlichungen der Quellen und den Tatsachen und nicht auf den persönlichen Einfluss, der Recherche etc. der Autorin.

    Außerdem wie heißt es so schön: „Traue nie einer Statistik/Umfrage etc., die Du nicht selbst gefälscht hast!“

    ;)

  6. Trau‘ keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast! Da gehe ich mit, Maristela. Ich hatte dich tatsächlich missverstanden. Danke für die Klarstellung. Und jetzt wissen wir auch, warum du Luna barfst, oder? ;-)

  7. Eben das… weil ich mir immerhin soweit sicher sein kann, dass ich selbst entscheide, welche Zusätze ich an Luna verfüttere. Ich habe mal zum Spaß in ein Hundeleckerlie gebissen und es schmeckte einfach nur nach Nudelteig mit Zucker. Ich fing also an zu recherchieren was da nun genau drin ist… leider steht da meistens nur was von Rohasche und Rohfasern. Bei einem der so genannten Premiumfutter, die man eben größtenteils bei Tierärzten erhält, steht dann sowas wie „Weizen, Mais, tierisches Fett, Sorghumhirsemehl, Gerste, getrocknete Zuckerrübenschnitzel…“ Fleisch ist dann zu höchstens 20% drin und zahlen darf man für die Getreidemischung dann mindestens 10,- EUR für einen „Probebeutel“. Der Tierarzt, der das Zeug verkauft wird von B.A.R.F nicht viel halten, da er schließlich das Premiumfutter nicht für den Einkaufspreis weiterverkauft, oder? (Rethorische Frage).

    Das wäre nur einige rein wirtschaftlichen Argumente… ;)

  8. Und ich bin dagegen sehr sozial eingestellt und sage: falls wer Rechtschreib- oder Grammatikfehler in meinen Kommentaren findet, darf er oder sie diese gerne behalten.

    :)

  9. Diese Diskussion um CO2-Emissionen treibt doch immer neue Blüten. Maßnahmen wie Strom und Sprit sparen kann ich nachvollziehen. Aber wie soll man denn bitte den besten Freund des Menschen aufrechnen?

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