Remember your perfection: Ein Abend mit Linda Tellington-Jones

Sie ist ohne jeden Zweifel die Grande Dame unter den Tiertrainern. Linda Tellington-Jones. Sie hat ihren Namen zum Programm gemacht. Mit ihren Tellington Touches, kurz: TTouches, berührt Linda Seelen und heilt Körper. Wenn sie toucht, übersetzt: berührt, kommuniziert sie mit den Zellen. Mehr nicht, aber eben auch nicht weniger. Ich bewundere die Arbeit von Linda sehr.

Vorigen Donnerstag habe ich Linda einen Abend lang live erleben dürfen. Karin Freiling, die ich ebenfalls sehr schätze, hatte sie in den Norden gelockt. Und da stand die 73-Jährige dann auf einer Bühne im kleinen Örtchen Harpstedt hinter Bremen (von Hannover aus) und erzählte aus ihrem Leben. Toll!

Von Karin Freiling (links) in den Norden gelockt: Linda Tellington-Jones, hier mit Spikey, bei einer Live-Demonstration.

Von Karin Freiling (links) in den Norden gelockt: Linda Tellington-Jones, hier mit Spikey, bei einer Live-Demonstration.

Alle, die jetzt auf „Weiterlesen“ geklickt haben, weil sie hoffen, dass ich hier erkläre, wie die Sache mit den TTouches funktioniert, muss ich enttäuschen. Ich schlage vor, ihr kauft euch folgendes Buch von Linda Tellington-Jones: „Tellington-Training für Hunde“, erschienen bei Kosmos. Da ich schon einiges über das Tellington-Training weiß – und es seit Jahren immer wieder erfolgreich einsetze bei meinen Hunden, habe ich inhaltlich nichts Neues gelernt. Das wollte ich auch gar nicht. Ich bin nach Harpstedt gefahren, weil ich Linda erleben wollte.

Linda hat ihr Leben als eine spannende Geschichte erzählt. So erzählte sie von den Pferden aus ihrer Kindheit in Kanada, von dem Gestüt für Rennpferde in den 60ern, davon, dass sie zusammen mit ihrem Vater die Pferde massiert hat. Die Liebe zum Tier stand und steht für Linda immer im Mittelpunkt. Die Botschaft, die sie mit ihrer Lebensgeschichte vermittelt, ist, dass gewonnene Rennen nie das Ziel oder auch nur gefeierter Erfolg ihrer Arbeit sind. Es ging und geht ihr immer um gesunde Tiere, die ihren Besitzer glücklich machen.

Von Moshé Feldenkrais, dem Begründer der Feldenkrais-Methode, lernt Linda etwas über den Zusammenhang von ungewöhnlichen Bewegungen und Lernen. Sie treibt eigene Studien mit einer wilden Stute – und hat Erfolg. 1975, acht Jahre, nachdem sie Moshé Feldenkrais erstmals begegnet ist, begründet Linda die „Tellington-Jones Equine Awareness Method“ (TT.E.A.M.), wörtlich übersetzt: „Tellington-Jones-Pferde-Bewusstheits-Methode“), ein System manueller Techniken am Körper, den TTouches, sowie speziellen Führtechniken, teils über Hindernisse. Später kommen noch die Körperbänder hinzu. Bei allem geht es um die Grundidee, dass über ungewöhnliche Bewegungen die Zellintelligenz aktiviert wird. „Jeder Kreis ist ein Gespräch mit den Zellen“, sagt Linda. Sie lacht. Weil es so einfach ist. Remember your Perfection! Erinnere dich an deine Vollkommenheit.

Es macht Spaß zuzuhören, wenn Linda erzählt. Wenn sie über Intuition spricht („Intuition ist die Brillianz des Geistes.“); wenn sie berichtet, wer sie alles inspiriert hat. In Gedanken wechsele ich dabei kurz die Kulisse und höre Martin Rütter zu, dem Hundetrainer, der auch eine Hundetrainingsmethode mit Großbuchstaben etabliert hat: D.O.G.S., „Dog Orientated Guiding System“, ein System, das keins ist, wie er selbst zugibt. Martin Rütter ist eben nur als Komiker gut. Ich hoffe bei seinen Shows immer, dass sein Publikum weiß, dass Martin Rütter sich wohl „Hundeprofi“ nennt, aber doch als Komiker da oben steht. Im echten Leben sind seine Hundeerziehungstipps gar nicht immer lustig.

Zurück zu Linda auf der kleinen Bühne im Koems. Linda erklärt, wie die TTouches funktionieren und wirken. Karin liefert einen für mich ganz wichtigen Praxistipp im Umgang mit aggressiven Hunden. Sie stelle sich vor, wie ein Hund wohl als Welpe ausgesehen habe, sagt sie, wenn sie sich einem aggressiven Hund zum ersten Mal nähert. Sich an die Vollkommenheit erinnern. Und wenn sie den Hund dann berührt, also toucht, dann erinnern sich auch die Zellen des Hundes, in denen die Angst gespeichert ist, an ihre Vollkommenheit. Das klingt so einfach, dass es klappen müsste.

Jenny, mit der ich gemeinsam nach Harpstedt gefahren bin, darf mit ihrem Parson-Russell-Terrier Spikey zu Linda auf die Bühne. Mein Lieblingsterrier erfährt am eigenen Leib, was Bauchheber, der Muscheltouch und Bärtouches sind. Richtig begeistert ist er nicht von seiner Hauptrolle an diesem Abend. Spikey präsentiert einige Beschwichtigungssignale und freut sich am Ende über den riesigen Applaus. Der gilt aber vor allem Karin und Linda.

Ein Kommentar

  1. Dass ich den Facebook-Like-Button gedrückt habe, war bloß ein Test. Natürlich „mag“ ich meine eigenen Blogbeiträge :-)

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