Das schmutzige Geschäft mit traurigen Geschichten

Oder: Wenn Tierschützer Tiere nicht schützen

Diesen Blogbeitrag will ich schon seit Langem schreiben, aber ich habe mich nie getraut. Nun tue ich es doch. Mich nerven die falschen Tatsachenbehauptungen, die mit polemischen Worten in geschlossenen Foren aufgestellt werden. Ich verschweige nicht, dass mir zum Teil Beweise fehlen. Darum werde ich keine Behauptungen aufstellen, sondern bloß einige Hypothesen. Ich schicke zur Sicherheit eine Definition vorweg:

Eine Hypothese ist eine Aussage, der Gültigkeit unterstellt wird, die aber nicht bewiesen oder verifiziert ist. Eine Hypothese ist lediglich eine begründete Annahme auf dem Weg zur Theorie.

Die Grundannahme, um die es in meinem Blogbeitrag gehen soll, lautet: Tierschutz ist oftmals ein schmutziges Geschäft; Tierschutz ist das Geschäft mit traurigen Geschichten.

Im Fall Zarenhof, ich habe hier im Hundeblog in zwei Blogbeiträgen – Horror Hundehortung I und Horror Hundehortung II – berichtet, ist gerade das Urteil gesprochen worden: Gesa K. ist nach bloß einem einzigen Verhandlungstag zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden und zu 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Ich persönlich hoffe, dass sie den gemeinnützigen Dienst nicht in einem Tierheim ableistet. Gesa K. ist nun vorbestraft. Wegen Sachbeschädigung und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. So weit, so gut. Oder eben nicht. Warum? Das erklärt Moderatorin Sonja Zietlow auf ihrer Homepage.

Der Verbleib aller Zarenhofhunde ist bis heute nicht geklärt. Tiersammelsucht, das sogenannte animal hoarding taugt nach meiner Ansicht nicht als Erklärung für einen der größten Tierschutzskandale des vergangenen Jahres in Deutschland. Gerüchten zufolge soll Gesa K. gemeinsam mit einem neuen Mann auf einem Hof irgendwo mitten in Deutschland leben. Sie darf weiter Tiere halten.

Ortswechsel: Ein anscheinend echter Fall von Tierhortung ist im Brandenburgischen Rädel passiert. Auch in diesem Fall wurde Anzeige gegen die Tierhalterin erstattet. Auch in diesem Fall haben am Ende Tierschützer Hunde aus dem Haus einer Tierschützerin gerettet, das im Ort „Arche Noah“ hieß. Und damit wäre ich nun endlich bei dem Thema, worüber ich schreiben will: Wenn Tierschützer Tiere aus den Händen von Tierschützern retten müssen, dann stimmt doch etwas nicht. Und: Wer kann garantieren, dass Tierschützer, die Tiere retten, die Geretteten anschließend wirklich beschützen?

Gesa K. betrieb viele, viele Jahre lang die Border-Collie-Nothilfe Countrydog, ließ sich im TV als Tierschützerin feiern; der Zarenhof war zudem nicht das erste Haus, das für viel Geld renoviert werden musste, nachdem sie dort gelebt hatte. Im Fall „Arche Noah“ haben weitere Pflegestellen angeboten. Als Reaktion erhielten wir eine E-Mail, in der unter anderem stand: „Die Hunde sind wirklich in einem grausamen Zustand. Sicherlich würde eine Pflegestelle für einen oder zwei Rüden bestimmt schon helfen.“ Doch als wir die beiden Collie-Jungs bei der SOS Colliehilfe in Rahden abholen wollten, waren die aus Rädel geretteten Collies nicht zu besichtigen.

Nun kommt eine Hypothese: Mit Tierschutzhunden lässt sich gutes Geld verdienen. Wenn sie niedlich sind. Wenn sie eine traurige Geschichte haben. Und ganz besonders dann, wenn ihre Rettung medienwirksam erfolgte. Letzteres gilt besonders auch für Tiere aus dem Ausland.

Das schmutzige Geschäft mit den traurigen Geschichten läuft etwa so: Über Spendenaktionen kommt Futter und Geld für die meist notwendige tierärztliche Versorgung rein. Ist das gerettete Hündchen aufgepäppelt, wird es gegen eine Schutzgebühr vermittelt – oder aber erzeugt neue Hunde. Mit den Welpen eines Tierschutzhundes (Selbstverständlich wird behauptet, dass das Tier bereits trächtig war, als es gerettet wurde!) lassen sich nämlich noch viel mehr Spenden sammeln. Außerdem lassen sich derlei billig produzierte Hunde prima verkaufen, einige sogar als „Rassehunde ohne Papiere aus liebevoller Hobbyzucht“. Und so bringt mancher Tierschutzhund mehr Geld ein, als er dem Tierschützer an Kosten verursacht hat.

Wütend machen mich immer wieder die Medien, die die besonders traurigen Geschichten gern erzählen und die den Tierschützern eine Bühne bieten, denen es eher um die eigene Darstellung und Anerkennung geht als um die Tierschutzsache. Hinter den Kulissen gucken sich die Reporter nur sehr selten um. Die Geschichte der aufwändigen 1000-Kilometer-Reise eines ach so engagierten Tierschützers, die schwierige Suche nach Flugpaten und das spätere Eintreffen halbverhungerter Hunde – das erzählt sich so viel besser als die Geschichte aus dem Tierheim um die Ecke, in dem seit vielen Jahren sogenannte Kampfhunde sitzen. Auch deshalb unvermittelbar, weil keiner mehr ihre Geschichten erzählt.

Dazu die nächste Hypothese: Sogar die meisten deutschen Tierheime holen inzwischen Hunde aus dem Ausland,

  • weil sie sonst nicht ausgelastet sind,
  • um überhaupt etwas Vermittelbares anbieten zu können
  • und/oder weil sie mit den traurigen Geschichten von Straßenhunden Spenden einwerben können.

Ist ein solches Vorgehen, wenn auch nicht ganz legal, am Ende gar gut, weil die gesammelten Spenden den Unvermittelbaren zu Gute kommen?

Zum Glück ist Tierschutz nicht immer ein schmutziges Geschäft. Wer aber kann garantieren, dass Tierschützer, die Tiere retten, die Geretteten anschließend wirklich beschützen? Ich nicht. Macht euch selbst ein Bild – und guckt immer auch hinter die Kulissen.

5 Kommentare

  1. WAHRE Worte!

    Leider!

    Solange noch (spez. im Ausland) derartig billigst Hunde „gerettet“ werden, um dann hier von Gnadenhöfen und Pensionen für 250 – 450 Euro als Tierschutzfälle verkauft zu werden, lohnt sich leider dieses Geschäft viel zu sehr …

    Auch Gesa K. hat in Polen für winziges Geld Hunde gekauft und danach als „Notfallschätzchen“ vermittelt —- für das 5-fache! Und ebenso all Ihre unkastrierten Tiere ständig werfen lassen: wiederum wurden die Welpen als „arme Gerettete vom Nachbar-Bauern“ vertickert.

    Geld regiert die Welt

    traurige
    Yvonne

    ps.: JEDER sollte sich ständig hinterfragen, warum wer wo wie was im Tierschutz macht, denn niemand ist so uneigennützig, wie es die meisten „Über-Tierschützer“ gern von sich propagieren!
    Und genauso klar sollte jedem sein, dass NIEMAND ab einer bestimmten Tier-Anzahl das alleine im Sinne der Tiere bewältigen KANN ;-(

  2. Mahlzeit, ich bin mal so frei und schreibe was im Blog. Sieht super aus! Ich beschaeftige mich auch seit kurzem mit WordPress einige Sachen sind mit aber noch fremd. Deine Seite ist mir da immer eine tolle Inspiration. Danke!

  3. Ich finde es auch besonders deprimierend, wenn wegen Tierquälerei (so nenne ich jetzt einfach mal den „Versoß gegen das Tierschutzgesetz“) vorbestrafte Menschen wie Gesa K. kein Tierhalteverbot bekommen. Auch wenn sich ein solches nur schwer durchsetzen ließe, ich finde man sollte es trotzdem aussprechen.

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