Von Affen und Wölfen

Vorigen Samstag bin ich im Phaeno in Wolfsburg gewesen. Ein Museumsbesuch allein rechtfertigt natürlich noch keinen Beitrag im Hundeblog. Aber die Phaeno-Macher hatten das erste April-Wochenende zum „Hunde-Wochenende“ erklärt und für ein „tierisches Programm“ gesorgt. Das wollte ich mir angucken. Und unbedingt anhören wollte ich mir den Vortrag von Udo Gansloßer.

Der Ausflug nach Wolfsburg hat sich auf jeden Fall gelohnt: fürs Phaeno an sich und für den Vortrag von Udo Gansloßer, der im ausschließlich positiven Sinn vortrefflich alle Vorurteile erfüllt, die man über einen Professor der Zoologie haben kann. Ansonsten bin ich froh, dass ich keinen meiner Hunde mitgenommen habe, denn selbst meine von Hundemessen, Shoppingtouren und Weihnachtsmarktbesuchen begeisterte Maus hätte sich wahrscheinlich nicht amüsiert in dem riesigen Museumsraum mit dem glatten Boden und der mottobedingt (Im Phaeno gibt es Wissenschaft zum Anfassen und Ausprobieren!) ungewöhnlichen Atmosphäre.

Udo Gansloßer referierte über Affen und Wölfe und lieferte dabei eine zoologische Betrachtung der Mensch-Hund-Beziehung. Amüsant. Und interessant. So wusste ich zum Beispiel nicht, dass circa 1000 Wölfe in den Haushundgenpool eingegangen sind. Das ist verblüffend viel, finde ich, wenn man bedenkt, auf wie wenige Hunde manche Hunderassen zurückzuführen sind. So gilt als Urvater des Border Collies ein einzelner Hund, Old Hemp nämlich. Ich wusste auch nicht, dass in die großen kanadischen Timberwölfe Haushunde rückgekreuzt worden sind.

Hier sind weitere Infobrocken aus dem Vortrag von Udo Gansloßer, die ich spannend finde:

  • Hundeartige sind fähig zur Kooperation über Artgrenzen hinweg; in sogenannten erweiterten Familiengruppen übernehmen sie dabei verschiedene Rollen: als Babysitter, als Alarmanlage, …
  • Die Rangordnung regelt Rechte und Pflichten innerhalb einer sozialen Gruppe. Der entscheidende Unterschied: Während sich in einer Affengruppe die ranghohen Tiere bei Gefahr verdrücken, stehen die ranghöchsten Wölfe in gefährlichen Situationen in der ersten Reihe.
  • Hunde machen glücklich: Schuld daran ist Oxytocin, das Hormon für die Harmonie.
  • Das Verhalten fast aller Arbeitshunde ist auf das Jagdverhalten des Wolfs zurückzuführen. Ausnahme: Herdenschutzhunde und nordische Hunde. Tatsächlich zeigen Herdenschutzhunde einen ins Ernsthafte übersteigerten Spieltrieb.

Ganz besonders der letzte Punkt hat mich total überrascht. Der dumme Ausspruch „Der will nur spielen!“ ist demnach ausgerechnet für Kangal und Co. korrekt?!

Wer mehr über das Verhalten von Affen und Wölfen und den daraus resultierenden Missverständnissen in der Mensch-Hund-Beziehung wissen will, sollte unbedingt Gansloßers Buch „Verhaltensbiologie für Hundehalter – Verhaltensweisen aus dem Tierreich verstehen und auf den Hund beziehen“ lesen. Oder besser: Lauscht seinen Vorträgen. Das lohnt sich!

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