Gastbeitrag: Die Tierschutzorganisation APAM aus Rumänien

Wer mich kennt, weiß, dass ich kein besonders großer Fan davon bin, Tierschutzhunde aus dem Ausland in Massen nach Deutschland zu fliegen. Angesichts der Nachricht, dass Rumänien ein Gesetz zur Tötung von Streunern plant, muss ich meine Haltung aber überdenken. Ich bin froh, dass ich euch einen Gastbeitrag präsentieren kann, der die Arbeit einer rumänischen Tierschutzorganisation beschreibt. Thorsten Kassebeer über APAM:

Vor etwa 15 Jahren verkaufte Victoria Muscan ihre Wohnung in der Stadt, gab ihren sicheren Job auf, erwarb ein großes, völlig abgeschiedenes Grundstück und zog mit ihrer Familie dorthin. Obwohl sie es selbst sehr schwer hatten, haben sie sich zu diesem Schritt entschlossen, um den verstoßenden und ausgesetzten Tieren in Rumänien zu helfen.

Victoria Muscan hat vor 15 Jahren ein neues Leben angefangen, um den Straßenhunden in Rumänien zu helfen. (Foto: APAM)

Victoria Muscan hat vor 15 Jahren ein neues Leben angefangen, um den Straßenhunden in Rumänien zu helfen. (Foto: APAM)

Victoria Muscan und ihre Familie ließen alles zurück und begannen ganz von vorn: fernab der Zivilisation, mit viel Platz und Ruhe. In ihrer neuen Heimat haben sie mit viel Arbeit ein eigenes Geschäft aufgebaut, sie betreiben eine Gärtnerei, um den Unterhalt für sich und die Tiere von APAM zu gewährleisten. Sie hatten harte Jahre, mit extrem schwierigen Momenten, aber auch glückliche Tage, an denen sie sahen, dass sich die harte Arbeit lohnt  und sie genug Blumen verkauften, um Nahrung für die Tiere einkaufen zu können. Nichts außer dem Wunsch, den Straßenhunden Rumäniens zu helfen, zählt.

2007 gründeten sie offiziell die Tierschutzorganisation APAM. [Achtung, auf den APAM-Seiten, auch bereits auf der Startseite, sind zum Teil extrem grausame Bilder zu sehen.] Seitdem wurden Hunderte von Tieren von der Straße geholt, medizinisch versorgt, gepflegt und in liebevolle Familien vermittelt. Das kleine Tierheim ist mit der Zeit kräftig gewachsen. So ist ein Gehege mit schönem Haus gebaut worden, speziell für die Katzen. Vor Kurzem  haben die Muscans begonnen, die völlig veralteten und teilweise maroden Gehege für die Hunde, auch mit Hilfe von Spenden, zu erneuern. Durchschnittlich 100 Hunde verweilen im Tierheim; alle wurden von APAM von Rumäniens Straßen gerettet.

Die Hundezwinger sind veraltet und teils marode – mit Spendengeldern werden sie derzeit renoviert. (Foto: APAM)

Die Hundezwinger sind veraltet und teils marode – mit Spendengeldern werden sie derzeit renoviert. (Foto: APAM)

Manche Hunde sind wegen ihres Alters oder individueller Defizite nur sehr schwer zu vermitteln. So einer ist Leon, ein geschundener, blinder und schon in die Jahre gekommener schwarzer Rüde. Umso größer ist die Freude, wenn solch ein Tier trotzdem eines Tages ein neues Zuhause findet.

APAM hat es sich zur Aufgabe gemacht, so vielen Tieren wie nur möglich zu helfen. Da auch Hilferufe aus der Bukarest kommen, weit weg von Victoria Muscans Tierheim, wurde 2010 mit Hilfe einer neuen APAM-Mitarbeiterin eine Auffangstation für die in der Hauptstadt ausgesetzten Tiere gegründet.

APAM ist eine Non-Profit-Organisation. Nur wenige Menschen arbeiten für die Tierschutzorganisation. Sie kämpfen jeden Tag hart für die Tiere, um so viele wie möglich zu retten, um diesen armen kleinen Seelen ein besseres Leben zu ermöglichen. Auch setzt sich APAM dafür ein, die Tiere zu kastrieren oder sterilisieren, weil nur so auf lange Sicht die hohe Anzahl von Straßenhunden reduziert werden kann.

APAM hat im Laufe der Zeit Unterstützer im Ausland gewonnen, die Spenden sammeln und Tiere vermitteln. In Deutschland arbeitet ein ganzes APAM-Team, weitere Helfer gibt es in der Schweiz, in Österreich und in den Niederlanden. Ihre glücklichsten Momente sind aber immer wieder die, in denen Tiere adoptiert werden. Die APAM-Gründer legen Monat für Monat Tausende Kilometer zurück, wenn sie von Arad in Rumänien nach Österreich, Deutschland und in die Niederlande fahren, um Tiere in ein neues Zuhause zu bringen, wo sie ein Leben führen können, auf das sie in Rumänien nie eine Chance hatten.

Viel Platz und viel Ruhe: das Haus von APAM-Gründerin Victoria Muscan und ihrer Familie. (Foto: APAM)

Viel Platz und viel Ruhe: das Haus von APAM-Gründerin Victoria Muscan und ihrer Familie. (Foto: APAM)

Natürlich bedeutet auch jedes vermittelte Tier, dass wieder ein Platz für eine andere hilfsbedürftige Seele frei wird.  Victoria Muscan und ihre Familie träumen von dem Tag, an dem sie auf den Straßen Rumäniens keine verlassenen, ausgesetzten und misshandelten Tiere mehr finden werden. Nicht zuletzt auch aufgrund der neuen Gesetzeslage in Rumänien, die die Tötung der Straßenhunde dort leider wieder legalisiert hat, ist dieser Traum nun in noch weitere Ferne gerückt.

Die kleine Dora, fast noch ein Welpe, wurde auf einer Wiese mit zertrümmerter Hüfte und zertrümmertem Becken gefunden. [Achtung, wer den Link anklickt, sieht ein Video von dem grausigen Fund.] Man hatte ihr diese Verletzungen zugefügt, um sicherzustellen, dass sie verhungern und verdursten würde. Nach langer ärztlicher Fürsorge und der Pflege durch APAM ist Dora inzwischen wieder wohlauf und sitzt auf gepackten Koffern. Kommenden Monat wird sie zu ihrer neuen Familie abreisen …

Thorsten Kassebeer

Wer helfen will:
APAM kann jede Form der Unterstützung gebrauchen: Hilfe bei der Vermittlung, Geld- und Sachspenden.
Kontakt:
office@apam.ro
Kontakt zum Team APAM Germany: n.decker@apam.ro, Telefon 02174-3076011, mobil 0160-7081401

11 Kommentare

  1. Tut mir leid: Mir mit Gruselbilder, die Alpträume verursachen! ein schlechtes Gewissen zu machen, finde ich mehr als unseriös für eine Tierschutzorganisation. Ich werde nicht spenden!
    Es wird mich auch nicht davon abhalten ein arme Seele aus einem deutschen Tierheim zu befreien, die meist auch durch unglückliche Umstände dorthin gekommen ist.
    Ich werde andere Staaten in keiner Weise in ihrer Tierschutzpolitik unterstützen, direkt oder indirekt!
    Wir haben genügend eigene Tierschutz-Baustellen in Deutschland, dort ist jede Spende besser aufgehoben!

  2. Aufschlussreicher Post. Schadet wohl nicht, sich mit dem Thema intensiver zu befassen. Werde auf jeden Fall weitere Artikel verfolgen.

  3. APAM ist sicher nicht unseriös – das ist leider die harte Realität, die Videos sind sicher nicht schön, aber leider wahr. Da gibt es nichts zu verschönen. Für die meisten rumänen sind die Hunde nur lestig und nichts Wert, die man noch quälen kann. Da ist Deutschland ein Paradies dagegen.

    Bei APAM kommen die Spende zu 100% den Tieren zu. Die Videos und Bilder sollen sicher kein schlechtes Gewissen machen. Wenn man es nicht selber gesehen hat, kann man es sich kaum vorstellen und urteilen. In den grossen Städten sind die wild lebenden Hunde ein wirklich grosses Problem. Also bitte nicht so ein pauschales Urteil – von wegen Deutschland hat genung eigene Tierschutz Baustellen, das ist zu einfach, da macht mans sich zu leicht!!! Da verschliest man nur die Augen, ruhig mal über den Tellerrand schaun.

    Solche Menschen wie Familie Muscan sollte es mehr in Rumäninen geben. Für die Tiere ist es sehr hart auf der Strasse. Sie wollen eigentlich nur geliebt werden und nicht wie der letzte Treck behandelt werden.

  4. Lieber Oliver,

    zum einen jeder Hund, jedes Tier egal ob aus Deutschland oder Ausland verdient ein schönes Leben, wenn du Hunde magst ist es verwerflich unterschiede zu machen welcher Hund es mehr verdient durch Spenden oder Mitarbeit, ein schönes Leben führen zu dürfen.
    Das Problem ist aber im Ausland stehen Hunde durch fehlende Gesetze und intolleranz der menschen auf Tötungslisten im gegensatz zu Deutschland.
    Die Menschen haben im Ausland kein Gesetz auf Ihrer Seite wie in Deutschland.

    Und was hier sehr gut gemacht wurde, man sieht hier keine Schreckensbilder wenn man es nicht möchte, es wird extra darauf hingewiesen das solche Bilder zu sehen sind wenn man darauf klickt. Und wenn ich ehrlich bin,auch wenn ich persönlich die Bilder nicht sehen kann, da es mir in der seele weh tut, finde ich es gut wenn schreckensbilder bei Menschen was bewirkt, und die dadurch versuchen den Fellnasen zu helfen.

    Wer mit helfen möchte, wir haben auf facebook eine Gruppe für die Rumänischen Hunde gegründet mit dem Namen “ Hilfe für die Rumänischen Hunde „, dort wird alles an Infos gesucht wie die Lage in Rumänien zur Zeit ist, damit unter anderem ein Gesetz über die EU erlassen werden kann, die die Tötung der Hunde verbietet, es stehen auch andere Sachen an, wie zum Beispiel die Öffentlichkeit auf das Elend aufmerksam zu machen usw.

    Wer möchte kann dieser Gruppe beitreten, oder mich unter meinen namen, “ Britta Kuenzel “ adden. Wir sind für Tierschutz und Tierhilfe eine sehr große Gemeinschaft dort die sich um Tiere kümmert.

    Mit lieben Grüßen von dem wertvollten was es gibt auf der Welt, unseren Tieren

  5. Voll süß die Kleinen! :-)

  6. Pingback:Immobilientipps

  7. (ich weiß, die Posts sind schon ne Weile her)

    An Oliver:
    Dann sagst du also, dass auch z. B. peta unseriös ist. Denn auch dort sieht man sehr unschöne Fotos und Videos.

    Manche Menschen finden eben immer einen Grund dafür, nichts zu tun.

  8. Ja, auch Peta finde ich außerordentlich unseriös und in weiten Teilen heuchlerisch!
    http://www.petatotettiere.de/
    Ich bleib dabei: Ich schau erstmal nicht über den Tellerrand und verschließ stattdessen die Augen nicht vor dem Hundeelend hier vor Ort!

  9. oliver, wir schauen aber über den tellerand, denn hunde in elend und leid, gibt es nicht nur in deutschland. egal um was für ein tier es sich handelt, wir lieben und helfen allen tieren.

    apam ist seriös, die menschen, die apam helfen, wissen das auch.

    und wenn du tiere liebst, dann liebt man tiere, egal wo das tier lebt oder herkommt <3

  10. Hallo Zusammen,
    also ich frag mich, warum manche Leute, so wie Oliver z.B. immer stänkern müssen.
    Es ist doch piep egal welches Land. Dort wo Elend ist, muss geholfen werden.
    Bin auch der Meinung, wer in die EU rein will, der sollte erst einmal seine Gesetze überarbeiten, sprich Tierschutz.
    Wir leben nicht mehr im Mittelalter….
    Oliver, fahr doch mal ins Ausland und schau Dir vor ort das Leiden und Elend an und dann berichte wieder….

  11. Wenn man schlimme Bilder von gequälten und misshandelten Tieren nicht sehen mag, sollte man etwas gegen die Zustände machen, die dazu führen, dass die Tiere gequält und misshandelt werden … nicht gegen die Bilder!

    Ohne diese Bilder – die die REALITÄT – zeigen, wüsste sonst niemand, was tatsächlich passiert!

    Erfreulicherweise gibt es gegen alle Formen und Grade des Nicht-Wissens und Nicht-wissen-Wollens ein Gegenmittel: Information. Je häufiger, hartnäckiger und massiver, desto besser! Erfolgreiche Vorbilder sind etwa die Informationskampagnen in bezug auf die Sinnhaftigkeit des Sicherheitsgurtes, die Schädlichkeit des Rauchens und die Veränderung des Klimas.

    Im Hinblick auf unseren Umgang mit Tieren bedeutet maximale Beseitigung des Nicht-Wissens und damit maximale Verringerung erfolgreichen Nicht-wissen-Wollens natürlich noch nicht die Lösung. Aber Wissensvermittlung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Vor allem ist Wissensvermittlung ein MÖGLICHER Schritt in die richtige Richtung.

    Und genau darum geht es: daß wir alles uns Mögliche tun, um das Schicksal der Tiere zu verbessern

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.