Die Stadt informiert!

Gestern Abend habe ich mit meiner Freundin Antke noch eine kleine Hunderunde an den Ricklinger Teichen gedreht. Sie hatte Ella dabei, die schwarze Labrador-Hündin ihres Freundes, und Murphy, ihren Border-Collie-Rüden, dem das rechte Vorderbein fehlt und der der Grund dafür ist, dass Antke und ich uns kennen gelernt haben; ich habe Skipper und Whisky, also mein halbes Rudel, mitgenommen.

Eine echte Hundefreundschaft: Ella und Murphy.

Eine echte Hundefreundschaft: Ella und Murphy.

Unsere Hunde waren angeleint. Natürlich. Ist ja gerade Leinenzwang. „Weil hier Naturschutzgebiet ist“, wie ein Polizist zu Pferde Antke jüngst irgendwo zwischen Ricklinger Beeke und Dreiecksteich erklärt hatte. Antwort der ortskundigen Jägerin: „Nein, hier ist kein Naturschutzgebiet.“ Polizist: „Äh, dann weil hier Landschaftsschutzgebiet ist.“ Antke: „In Landschaftsschutzgebieten sind Hunde aber nicht automatisch immer an der Leine zu führen.“ Polizist: „Ähhh,…“ Ich persönlich finde es ja gut, dass die Einhaltung von Recht und Ordnung kontrolliert wird. Aber wenn Polizisten in Hannover 50 Euro haben wollen von einem Hundehalter, den sie mit unangeleintem Hund erwischen, dann sollten sie meiner Ansicht nach wenigstens wissen, warum sie das Geld kassieren…

Doch zurück zu gestern Abend. Die Stadt kennt ihre eigenen Verordnungen scheinbar besser als die Polizei und sorgt dafür, dass auch alle Hundebesitzer Kenntnis der Verordnung über das Halten von Hunden in der Landeshauptstadt Hannover (HundeVO) erlangen. Indem sie Infozettel verteilen lässt. Und zwar mit erstaunlicher Vehemenz.

Im Gebiet der Ricklinger Teiche verteilt ein älterer Herr die Infozettel über den „Umgang mit Hunden in den Freiräumen von Hannover„, so der Titel des DIN-A4-Blättchens, das einem miesen Farbdrucker entflohen ist. Das Blatt informiert darüber, dass laut Hundeverordnung generell eine Anleinpflicht für Hunde im Stadtkerngebiet gilt und Hunde auf Spielplätzen und Friedhöfen sowie im Tiergarten gar nichts zu suchen haben. Was bitte ist das Stadtkerngebiet? Beim Googeln konnte ich nur rausfinden, dass das Wort „Stadtkerngebiet“ ein Fachbegriff aus der Behördensprache ist und wohl nichts anderes als „Stadtgebiet“ bedeutet.

Der Infozettel informiert weiter über die Brut- und Setzzeit, die im Niedersächsischen Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) verankert ist, sowie darüber, dass die Stadt „das Bedürfnis der HundehalterInnen und ihrer Tiere nach Flächen für den freien Auslauf“ anerkennt. Wo sich die zehn ausgewiesenen Hundeauslaufflächen in Hannover verstecken, zeigt eine Karte auf der Rückseite des Blattes.

Ebenfalls auf der Rückseite des städtischen Informationsblatts ist ein ausführliches Impressum, das unter anderem verrät, dass die Informationen von Steppat Druck auf Recyclingpapier gebracht worden sein sollen. Dass die Stadt Infozettel aus schlechten Farbdruckern verteilen lässt, die es als PDF-Dokument zum Herunterladen auch auf Hannover.de gibt, aber eine Druckerei ins Impressum schreibt, amüsiert mich doch sehr.

Der Mann jedenfalls, der uns mit dem Infozettel versorgt hat, bestand darauf, dass wir beide einen nehmen. Nett gemeint. Wie wäre es mit Kottütenspendern wie in so vielen anderen Städten statt mit Infozetteln?

Und bevor Köterbloghasser „dd“ jetzt wieder einen Kommentar hinterlässt, zitiere ich noch fix aus einer Studie der Uni Göttingen mit dem Titel „Ökonomische Gesamtbetrachtung der Hundehaltung in Deutschland“ (November 2006, Prof. Dr. Renate Ohr und Dr. Götz Zeddies, Göttingen):

  • Deutschlands Hundehaltung bewirkt einen jährlichen Umsatz von ca. 5 Mrd. Euro.
  • Ausgaben im direkten oder indirekten Zusammenhang mit der Hundehaltung haben etwa einen Anteil von 0,22 Prozent am deutschen BIP (entspricht einem Fünftel des Beitrags der deutschen Landwirtschaft).
  • Mit der Hundehaltung sind ca. 100.000 Arbeitsplätze verbunden.
  • 50 – 60 Hunde „finanzieren“ einen Arbeitsplatz.
  • Hundehalter reisen um 30 Prozent weniger ins Ausland (= weniger Einkommen fließt ins Ausland).
  • Der Staat verdient: Hundesteuereinnahmen deutlich höher als die staatlichen Ausgaben im Zusammenhang mit der Hundehaltung.
  • Hundehaltung verbessert die Gesundheit und reduziert die gesamtwirtschaftlichen Gesundheitskosten um ca. 0,875 Prozent (d.h. um mehr als 2 Mrd. Euro).
  • Hunde erbringen ökonomische Leistungen für die Gesellschaft (Polizeihunde, Rettungshunde, Blindenhunde, Therapiehunde…), die zu keinen entsprechenden Kosten führen.

2 Kommentare

  1. Huhu Inka,

    bin gerade beim Googlen direkt auf deine Seite gestoßen ;)
    Sind Hund an den Ricklinger Teichen erlaubt? Kann man dort gut baden und gibt es Stellen die flach reingehen? Jive möchte sein Schwimmtraining gerne fortsetzen…
    LG Anna

  2. Ich empfehle eher die Flüsschen dazwischen, die Teiche sind voll mit Menschen und Enten.
    Die Zu- und Abläufe dazwischen haben meist eine gute Strömung und an den Rändern können unsere Hunde (Border und Labbi)auch stehen. Die flachen, guten Ein- und Ausstiege erkennt man grad ganz gut am fehlenden Gras ;-)
    Besorg dir aber am besten ne Karte von den Teichen, man verläuft sich leicht! ;-)
    Viel Spaß beim Schwimmen und Entdecken!

    Antke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.