Rennflitzen im Sprühregen

So also sieht ein Sonntagsspaziergang im Frühling aus: Krokusse im Sprühregen. Und rennflitzende Hunde, die zwischendurch im Schlamm Mäuselsprünge üben. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber der Schnee war mir lieber. Andererseits: Ohne Handschuhe, Schal und Mütze rausgehen zu können und trotzdem nicht zu frieren hat auch was. Und so habe ich mir heute zwei Stunden lang die Kopfschmerzen wegpusten lassen, die mich gestern davon abgehalten haben, zum Heelwork-Workshop mit Eva Hampe zu fahren – dabei hatte ich mich so sehr darauf gefreut.

Der versprochene Bericht darüber, ob meine Suche nach der perfekten Fußposition erfolgreich war, muss an dieser Stelle leider ausfallen. Stattdessen kann ich erzählen, dass vier mittelgroße Hunde nach einem Spaziergang durch Feld und Wald bei Sprühregen genug zu Schlamm gebundenen Sand mitbringen, um damit in einer 2,5-Zimmer-Wohnung eine Beachparty zu veranstalten. Für einen See hat meine Plüschbabypuppe dann auch noch gesorgt.

Doch zurück zum Frühling und den Krokussen: Der Spaziergang war wirklich schön. Das Rudel hat rennflitzen geübt und Mäuselsprünge geprobt.

Für Nichthundehalter will ich diese beiden typischen, meist von Frühlingsgefühlen geleiteten Bewegungsmuster kurz erklären:

  • Ein Rennflitz ist so eine Art Rennanfall. Der Hund läuft dabei sehr schnelle Kreise oder in einem nur mit den Regeln der Chaostheorie zu erklärenden Zickzackmuster. Rennflitzen ist ansteckend. Rennt ein Hund los, folgt also bald darauf der nächste.
  • Der Mäuselsprung oder Mäuschensprung ist eine Jagdverhaltensweise. Der Hund schleicht sich bis kurz vor die Stelle, an der er eine Maus vermutet, verharrt dann kurz oder auch sehr lange und springt schließlich mit allen vier Pfoten gleichzeitig in die Luft, um mit der Schnauze und/oder den Vorderpfoten bei der Landung die Maus zu erhaschen. Ein Mäuselsprung sieht immer niedlich aus. Für das im Falle eines Jagderfolgs anschließende Verspeisen der Maus gilt das nicht immer.

Grappa hat in ihren jungen Jahren in der Eilenriede in Hannover sogar angeleint mit eleganten Mäuselsprüngen ihr Frühstück am Wegesrand gefangen. Zwei Rattenleben gehen auch auf ihr Konto – das fand ich dann gar nicht mehr niedlich.

Welpen üben den Mäuselsprung bereits, wenn sie ihre allerersten Beutespiele spielen. Unabhängig von der Rasse. Womit ich wieder bei der Jagd und bei Jagdhunden wäre. Seit ich unter Jägern war, denke ich über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Hüte- und Jagdhunden nach – und darüber, ob der absolute Hütespezialist Border Collie nicht vielleicht einen besonders guten Jagdhund abgäbe…

Aus der Erkenntnis, dass ein Hund krankgeschossenes Wild nicht töten soll, weil das Fleisch sonst faserig und zum Verzehr ungeeignet wird, hatte ich geschlossen, dass sich Jagdhunde und Hütehunde dann doch sehr ähnlich seien. Schließlich zeigt ein hütender Border Collie nichts anderes als alle Teile der Jagdsequenz bis auf den Tötungsbiss. Inzwischen habe ich aber gelernt, dass Jagdhunde Raubwild sehr wohl totschütteln und beißen dürfen, ja sogar müssen. Die sogenannte Raubwildschärfe wird von vielen Deutschen Vorstehhunden und Terriern verlangt. Der Härtenachweis kann in einer Prüfung des Jagsgebrauchshundverbands erbracht werden.

Absolut unerwünscht ist das sogenannte Anschneiden: Ein Jagdhund darf demnach nicht anfangen, das Wild selbst zu fressen. Damit wäre Grappa als Jagdhund dann doch gänzlich untauglich, denn zumindest ihre im Mäuselsprung erbeuteten Mäuse frisst sie stets sofort auf.

Und schließlich sind bei Jägern die „Totengräber“ unerwünscht: Hunde, die Wild vor ihrem Jäger verstecken… Damit wären dann auch Whisky und Skipper raus aus der Jagdnummer. Whisky hat vorigen Herbst im Garten von Denise Nardelli ein Schweineohr im Radieschenbeet verbuddelt; und Skipper hat erst heute Nachmittag einen Knochenrest im Schalkorb vergraben. Andererseits haben die beiden etwas versteckt, das ihnen zustand…

Als Jagdhund bliebe mir ansonsten noch Pitú, aber der ist – wie die meisten Collies – nicht schussfest. Ich bleibe also beim Hüten und gucke mir lieber an, was Charlotte Roche unter Jägern erlebt.

Übrigens habe ich den hiesigen Jagdpächter auf meinem Sonntagsspaziergang heute auch getroffen. Er fuhr mit seinem Geländewagen hinter seinem Hund her. So ist zumindest er trocken geblieben im Sprühregen.

5 Kommentare

  1. Mmmhhh… da hast Du aber gestern irgendetwas verkehrt gemacht…. ;-)

    Hier war strahlender Sonnenschein und Spikey hat seinen
    Mäusesprung in der Eilenriede versucht zu optimieren – zum Glück nicht von Erfolg gekrönt!!

    Liebe Grüße,
    Jenny

    P.S. Spikey würde dann als Jagdhund ebenfalls rausfallen. Dieses scheitert aber nicht am fehlenden Jagdtrieb.

  2. Hallo Inka,

    wie schade, dass Du nicht auf den Workshop konntest :-(
    Ich hatte mich schon so auf Deinen Bericht gefreut.

    Lieben Gruss – Heike (die fast jeden Tag hier reinschaut ;-))

    • Hallo Heike,

      Ja, sehr schade. Auch für die Maus, die ein bisschen Heelwork-Training gebrauchen könnte. Ostern mache ich ein Obedience-Seminar bei Brigitte Lange. Danach habe ich dann hoffentlich meinen Sachkundenachweis als Obedience-Trainer im DVG. Davon berichte ich hier auf jeden Fall.

      Viele Grüße,

      Inka

  3. Hallo Inka,
    also bei mir schien nachmittags auch die Sonne. Und mit einem Golden Retriever war eher Hasenstarren angesagt. Die toben bei uns nämlich über jeden Acker und freuen sich auch an der Wärme.

    Buddy ist aus dem Jagdthema aber auch raus, da er das typische „to retrieve“ nicht versteht. Er findet apportieren völlig daneben, dann hat man ja nix vom Jagderfolg. :-)

    Viele Grüße
    Tanja

    • Hallo Tanja,

      ein Retriever, der nix „getrievt“, ist etwa so nützlich wie die drei Viertel meines Rudels, die nicht hüten. Und trotzdem haben wir unsere Hunde lieb, denn vor allem sollen sie ja eines sein: Freund!

      Viele Grüße,

      Inka

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