Man trifft sich immer zweimal im Leben

Da kommt er angerast – kaum 100.000 Jahre, nachdem er zum Stubenwolf mutiert ist: Tut der was? Will er nur spielen? In der Regel gibt ein Blick auf den herannahenden Hund viel weniger Aufschluss über die möglichen Folgen der bevorstehenden Begegnung als ein Blick auf den Besitzer: Beginnt er hektisch, nach der um den Hals gelegten Leine zu greifen, während er schon tief Luft holt, um eine Begegnung doch noch abzuwenden? Oder bleibt er cool? In letzterem Fall gibt es zwei Varianten: solche, die cool bleiben, weil sie wohlerzogene und freundliche Hunde haben, und solche, deren Hunde „Tutnix“ oder „Willnurspielen“ heißen.

Einen Hund, der auf diese beiden Namen nicht hört, habe ich heute Vormittag auf der Bult getroffen.

Ich ging mit meiner alten Hündin spazieren, die nach dem Beißunfall vor nicht mal einem Monat Hundebegegnungen meidet. Ich hoffte auf einen netten älteren Collie-Herrn oder einen fröhlichen kleinen Terrier. Stattdessen kam ein wuscheliges Knäuel angerast. 30 Kilogramm, würde ich mal schätzen, also doppelt so viel wie Grappa. Das Frauchen blieb ganz cool. Das Pelzknäuel überrannte Grappa ohne Begrüßung. Nicht unfreundlich, aber doch extrem unhöflich. Meine arme Maus hat sich schreiend auf den Rücken geschmissen. Da rief die Dame schon: „Der tut nix! Der will nur spielen!“

Ich antwortete: „Mein Hund fürchtet sich.“ Das Frauchen des Pelzknäuels war inzwischen herangekommen, warf mir einen abschätzigen Blick zu und erklärte: „Die werden sich schon vertragen, wenn sie sich erst mal beschnuppert haben.“ Dann ging sie weiter, und das Fellwundertier trabte kurze Zeit später schwanzwedelnd hinterher. Ich kehrte zügig mit Grappa zum Auto zurück. Für sie war der Spaziergang gelaufen.

Es mag verrückt sein, vier Hunde zu haben. Auf der Bult heute Morgen aber eröffnete mir die Rudelhaltung eine tolle Chance. Denn auch Skipper, Grappas Cousin, befindet sich seit Kurzem in meinem Besitz – und er saß ebenfalls im Auto. Grappa und Skipper sind sich sehr ähnlich. Skipper ist nur etwas kräftiger und hat Stehkipp- statt Stehohren. Und: Andere Rüden mag er nicht.

Wir mussten uns ein bisschen beeilen, um die Dame mit dem Pelzknäuel einzuholen. Ich löste die Leine – und blieb cool. Skipper raste auf den Fellberg zu und überrannte ihn. Ohne Begrüßung. Nicht unfreundlich, aber sehr unhöflich. Die Besitzerin des nun unten liegenden Hundes rief: „Holen Sie Ihren Hund da weg. Meiner hat Angst.“ Ich antwortete: „Der tut nix! Der will nur spielen! Und wenn sich die beiden erst mal beschnuppert haben, werden sie sich schon vertragen.“ Und abschätzig geguckt habe ich auch.

15 Kommentare

  1. Hallo Inka,

    erst mal meine Glückwünsche zu diesem toll erstellten Blog! Ich habe mich gerne hier durchgelesen und werde sicher wieder kommen ;-)

    Aber hier zu diesem Thema kann ich wirklich was schreiben, denn genau so einen ähnlichen Fall hatte ich erst heue Morgen auf unserer „Pipi-Runde“:

    Bei meiner Funny muß ich immer etwas aufpassen. Sie mag einfach keine fremden Hunde in ihrer Nähe. Das akzeptiere ich und kann mit ihr super umgehen. Sehen wir einen anderen Hund, der uns entgegenkommt, bleibt sie brav an meiner Seite (was für eine „wohlerzogene Hundedame *grins*), ohne den uns entgegen kommenden „anzuzicken“…

    Allerdings kommen wir in Situationen – so wie heute morgen – bei denen ich entweder an mir, an meiner Funny oder doch am „Gegenüber“ zweifele (meistens am Gegenüber ;-) ):

    Die alltägliche Situation: Ein Zweibeiner kommt mit einem Hund auf unserem Stück Weg entgegen. Ich nehme meine beiden Hundedamen „Bei Fuß“ und gehe extra schon einen Bogen durch den matschigen Acker, wo die fetten, dicken Dreckklumpen an meinen Gummistiefeln das Gehen „beschweren“.

    Der „kleine“ Hund nimmt plötzlich „Vollgas“ und prescht auf uns zu. Funny stellt schon einen Kamm und knurrt munter drauf los…. Ich denke: Hmmm, eigentlich könnte der kleine Wicht ja nun langsamer werden…. Aber nein: Ihm scheinen meine Damen zu gefallen, denn seine kleinen Beinchen fliegen nur so über den matschigen Acker.
    Der Zweibeinige Anhang ruf: DER MACHT NIX! Ich rufe zurück: ABER MEINE!
    Nun ist der kleine grauhaarige Hund schon kurz vor uns und Funnys Geknurre wird immer doller. Ich bringe meine Terrordame ins Sitz (bin stolz, weil es „meistens“ auch funktioniert). Der Hund ist wirklich mutig, denn Funnys Geknurre interessiert ihn wohl wirklich nicht die Bohne. Er kommt näher um doch mal an ihrem Popo zu riechen, der ja in dem matschigen Boden eingelassen ist. DAS ist nun wirklich zu viel für Funny und sie zickt ihn an :-)) – meiner Meinung nach auch mit absolutem Recht! Nein, sie beißt ihn nicht, sondern hält ihn mit Schnapsen auf Abstand.

    Der Zweibeinige Anhang ist nun auch auf unserer Höhe – steht aber schön auf dem festgetretenen Weg. Ich rufe: Würden Sie bitte Ihren Hund zurück rufen? Die Anwort kam promt: Der will nur spielen! Ich bin schon leicht genervt und sage: Aber meine nicht!
    Darauf die Antwort: Dann sind das aber unerzogene Hunde!

    Ich sparte mir die Spucke – wollte mir den gerade erst angefangenen Sonntag nicht vermiesen! Ich nahm Funny und Elly (die zwar friedlich bleibt, aber sich auch nicht bedrängen lässt) bei Fuß und ging meiner Wege kopfschüttelnd weiter….

    Wer ist denn nun unerzogen ;-) ?

    LG
    Bianca

    • Hallo Bianca,

      Danke für deine Geschichte. „Meine aber!“ war lange Zeit auch meine Standardantwort auf „Der tut nix!“. Inzwischen rufe ich häufig „Meine Hündin ist läufig!“, wenn der herannahende Hund ein Rüde ist. Oder aber ich rufe: „Meine Hunde haben Flöhe, Brechdurchfall, Staupe,…“ – je nachdem, wonach mir gerade ist. Und ich staune immer wieder, wie schnell manche Zweibeiner plötzlich laufen können ;-)

      Also: Lass dir nicht einreden, dass du unerzogene Hunde hättest!

      Viele Grüße,

      Inka

  2. Huhu!

    Ich mag Deinen Blog schon jetzt!
    So viel Spaß beim Lesen habe ich nicht so oft, Danke!!

    Du bist direkt abonniert, damit ich nichts mehr verpasse :-)

    LG

    Ann-Kathrin, Marie und Nicki

  3. Köstlich!!

    LG Steffi

  4. Hallo Inka,

    Dein „Tut nix und Willnurspielen“ Bericht war echt klasse.
    Solche Besitzer gibt es leider nur zu oft. Hatten heute gerade selber so eine Begegnung.

    Danke Skipper, für Deine gute Tat !

  5. ganz toller blog. super!!!!!!!!!!!!!!

  6. DAS ist gut *lach* – werde ich ausprobieren! Zumindest das mit den Flöhen und dem Brechdurchfall :-)) (leider stören sich manche Rüdenbesitzer nicht an läufigen Hündinnen *grmpf* )

    LG
    Bianca

  7. Heike Fröchtling

    Hallo Inka,

    zuerst großes Lob für dein neues Projekt hundeblog! Habe mich schon köstlich amüsiert oder auch nachträglich mitgelitten.
    Nachdem ich ja nun wieder in Richtung Zivilisation gezogen bin, habe ich auch regelmäßig mit „Tutnixen“ Kontakt. Manchmal hat Einsiedlerleben auch Vorteile… jedenfalls dann, wenn einem in der Feldmark maximal alle vier Wochen wer begegnet. Hier begegnen einem gerne Menschen fortgeschrittenen Alters mit an Gummileinen hängenden, giftspritzenden Fußhupen … manchmal schon gruselig!
    Mein größtes Problem hier ist allerdings -Asche über mein Haupt- meine eigene „Tutnix“. Wer soll mir denn glauben, dass der Kampfhamster AN DER LEINE von eben (z.B. an der Straße) mit dem kontaktfreudigen, freundlichen und spielwütigen Ich-werde-sowieso-nie-erwachsen-Border-Collie OHNE LEINE (im Wald, auf der Wiese) überhaupt gar nichts zu tun hat?
    Aber wir üben dran – und es ist auch schon besser geworden.

    Liebe Grüße, Heike

    • Hallo Heike,

      Das Zwei-Hunde-in-einem-Problem habe ich derzeit wieder mit Skipper: angeleint ein Kampfplüsch, ohne Leine ein Prinzesschen. Der kleine Plüschprolet ist seiner Cousine Grappa halt sehr ähnlich. Skipper überrennt erst mal, und danach entscheidet er, ob er den Überrannten nett findet. Wie Grappa in ihrer Sturm-und-Drang-Zeit. Und wie meine Maus früher kann Skipper es gar nicht fassen, dass nach so einer unhöflichen Begrüßung nicht jeder mit ihm spielen will, mit dem er dann spielen möchte. Aber er bleibt dann hartnäckig, was auch wieder unhöflich ist. Wir üben dran…

      Viele Grüße,

      Inka

  8. Das Thema ist und bleibt heiß! Der Hund will nicht immer wie wir wohl wollen. Außerdem: Haben wir denn immer nur stressfreie Begegnungen? Gibt es nicht auch für uns mindestens eine Person, wo es uns innerlich ein wenig zwickt und nur unsere gute Erziehung und die Hemmungen halten uns davon zurück, mal eine knappe „Zacke“ loszulassen? Nach 3 „gut“ sozialisierten Hundeleben habe ich mir geschworen, ich nehme mir einen total relaxten Hund aus dem Tierheim. So wie man es im Fernsehen immer sieht. Josephine ist ein richtig cooler Hund und liebt auch andere, wenn auch auf ihre Weise. Sie bellt in kurzer, abgehackter Form, sobald sie einen Artgenossen sieht. Wir gehen in einer Hundeschule auf den Spielplatz und sie ist tatsächlich sozialisiert. Also sie beißt nicht. Beim Spielen wird sie mitunter etwas ruppig und als sehr beredter Hund bringt sie es auch recht deutlich zur Sprache. Ja, und das wird von den Menschen oft missverstanden. Hilfe, mein Hund ist wohl doch nicht cool, sie ist hot!!

    • Hallo Elisabeth,

      Du hast recht. Ich mag nicht alle Menschen, also kann ich von meinem Hund nicht verlangen, alle Hunde zu mögen – und alle Menschen. Doch so wie bei mir die Kinderstube (meistens) stimmt, sollte bei Hunden die Welpenstube stimmen, denn schließlich wollen wir alle zusammen leben.

      Aber für Hunde ist es schwieriger, denn rasse- und auch aufzuchtbedingt kommunizieren sie so verschieden, dass Missverständisse bei Hundebegegnungen nie gänzlich zu vermeiden sein werden. Und gerade bei Tierschutzhunden weiß man nie, was für einen Gassendialekt sie aufgeschnappt haben. Ich denke da gerade an Lux, der umso lauter knurrt, je fröhlicher er ist.

      Ich sehe Hundehalter in der Verantwortung, sich zu bemühen, ihre eigenen Hunde zu verstehen. Dann erst haben sie die Möglichkeit, Hundebegegnungen positiv zu gestalten. Und – so schließt sich der Kreis – ich muss meine Hunde nicht jedem anderen Hund treffen lassen, denn auch ich meide ja manche Menschen.

      Viele Grüße,

      Inka

  9. Na das ist ja mal eine Klasse Geschichte :-)
    Wenn man nur immer so spontan solche Einfälle hätte.
    Ich habe herzlich gelacht – da wäre jetzt noch ein verstecke Kamera genial gewesen :-)

    Danke für diese nettem Beitrag

    Gruß
    Matthias

  10. Hallo Inka,

    was für eine klasse Geschichte,auf die Idee muß man erstmal kommen :-)
    Dein Blog ist super, ich war bestimmt nicht zum letzten Mal hier.

    Viele Grüße,
    Silke

  11. Sehr „schöne“ Geschichte ;) Und ein heißtes Thema, immer und immer wieder.
    Ich muss das ganze nur meist aus der anderen Perspektive sehen… denn ich habe so eine „giftspritzende Fußhupe“.

    Ich war eine Zeit lang schlampig, da hat sich bei meiner Hündin eingebläut, erstmal auf fremde Hunde zuzustürmen, bis auf einen oder 2 Meter ran (kommt drauf an, wie lang die Leine von dem anderen ist -.-), und währenddessen wirds Maul aufgerissen… Da half dann auch kein Rufen mehr.
    Super peinliche Sache jedenfalls, allein schon weil man damit das Klischee perfekt bedient.
    Also gings Training los. Es ist schon viel besser geworden, aber wir arbeiten trotzdem weiter dran. Wenn ein anderer Hund kommt soll bei mir geblieben werden.

    Jetzt aber der andere Fall, dass ein 30kg Labrador (oder Labrador-Mix) auf uns zukommt, während Frine an der Leine,oder unter meinem Kommando steht…
    Die genannten Hunde gibts beide in unserer Nähe, und keiner von den beiden hat gelert, was es heißt, Abstand zu halten. Die 2 würden wahrscheinlich keiner FLiege was zuleide tun, wenn sie da angekrochen, angerobbt, und angeschlabbert kommen. Aber meine hat schlichtweg ANGST. Genau aus diesem Grund: Weil die Hunde ihre eigene Sprache nicht verstehen! Was soll sie tun, wenn sie sagen will „geh weg?“: Erstmal abwenden, dann Knurren, dann Zähne fletschen, und zum Schluss, wenns sein muss, auch schnappen. Jedenfalls knurrt Frine bei den Exemplaren gar nicht mehr, sondern fletscht direkt die Zähne. Na toll… und wieder hätten wir das Klischee bestätigt…

    Ich denke mittlerweile, dass das erstgenannte „Kläffend auf andere Hunde zulaufen“ und „einen auf dicke Hose machen“ aus Unsicherheit entstanden ist. Und diese wiederum kommt von den zweitgenannten Begegnungen.

    Es ist manchmal echt zum Mäusemelken.

  12. Pingback:An der Leine – Hundeleben in Hannover » Gastbeitrag: Komische Begegnungen

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