Krank? Verrückt? Irre niedlich!

Nachdem ich zwei Nächte drüber geschlafen habe, will ich nun endlich von meinem Besuch in der neuen Kleintierklinik der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) am Bünteweg in Hannover am Montag berichten. Ich hatte einen Termin. Mit Whisky. In der Epilepsie-Sprechstunde.

Whisky ist meine sechsjährige Border-Collie-Hündin. Sie stammt aus guten Arbeitslinien, ist aber nicht das Produkt wohlüberlegter Züchtung. Angesichts ihrer Abstammung ist eine idiopathische (primäre), also ererbte Epilepsie durchaus wahrscheinlich.

Bei einem epileptischen Anfall*) entladen sich plötzlich und unkontrolliert Nervenzellen im Gehirn. Ein Kurzschluss gewissermaßen.  Bei Border Collies treten epileptische Erkrankungen häufiger auf als bei anderen Hunderassen. Zudem erkranken Border Collies, wenn sie denn erkranken, häufig an einer schweren Form der Epilepsie. Kurz: Epilepsie beim Border Collie ist ein Problem, mit dem sich Züchter auseinandersetzen müssen.

Die Forschung nimmt sich dieses Problems an. Es laufen inzwischen einige Studien**) zur Epilepsie beim Border Collie; und es gibt erste Ergebnisse. Doch zurück zu meiner Hündin: Ich bestreite nicht, dass sie diverse Macken hat, d.h. verhaltensgestört ist, aber seit sie Ende Oktober einen Krampfanfall hatte, fällt mir doch ein Muster von gestörten Phasen auf, das sich eventuell auch mit einer ungewöhnlichen Form von Epilepsie erklären ließe.

Es war am vierten Tag einer solchen Phase, als ich sie krampfen sah. Ich hatte Whisky gegen ihren Willen mit auf einen Spaziergang genommen – und sie ist dann fröhlich draußen rumgehopst. Nach einer knappen halben Stunde kamen wir an eine Abzweigung, an der sie nach Hause laufen wollte. Ich nahm sie an die Leine, und sie kam auch mit mir mit. Etwas widerwillig. Zehn Minuten später blieb sie wie angewurzelt stehen, legte sich hin und bekam einen völlig starren Blick nach vorn ins Nichts. Sie atmete, als hätte sie sich gerade angestrengt, und hat zwei Minuten lang gezuckt, gezittert. Nicht so doll, wie ich es schon gesehen habe, eher so, als ob sie vor Kälte friert, aber unregelmäßiger. Sie blieb dann noch eine gute  Minute liegen. Danach ist sie aufgestanden, hat aus einer Pfütze viel getrunken und ist mit mir nach Hause gegangen. Sie war wieder fröhlich und hat am Rudelleben teilgenommen, statt sich abzusondern.

Solche Phasen erlebe ich bei Whisky immer wieder, im Rhythmus von etwa sechs bis acht Wochen. Sie hatte auch schon Schaum vorm Mund. In diesen Phasen zieht sie sich einige Tage lang komplett zurück, verkriecht sich, ist kaum vor die Tür zu bekommen, will nicht mal Schafe hüten. Sie lässt sich dann auch nicht anfassen. Am Ende einer solchen Phase schläft sie einen Tag und ist wieder fröhlich und kuschelig.

Am Montag nun habe ich meine Beobachtungen in der Epilepsie-Sprechstunde an der TiHo erzählt. Ein dreiköpfiges Team hat sich sehr viel Zeit genommen für Whisky. Sie wurde eingehend untersucht, so ziemlich alle Blutwerte, die man bestimmen kann, wurden bestimmt. Nach drei Stunden dann die Diagnose: Whisky hat auf keinen Fall eine typische Form der Epilepsie, wahrscheinlicher ist eine Verhaltensstörung. Vielleicht hat sie aber auch Kopfweh. Theapie: keine.

Ich durfte 155 Euro zahlen und soll von ihrer nächsten komischen Phase ein Video drehen. Das wollen sich dann Neurologen und Verhaltenstherapeuten gemeinsam angucken, um zu entscheiden, ob Whisky verrückt/gestört ist oder ob man doch eine sogenannte Aura sieht, das veränderte Verhalten vor einem epileptischen Anfall. Nun, ich bin von der Diagnose überhaupt nicht überrascht. So recht weiter komme ich damit jetzt aber auch nicht.

Mit zwei Freundinnen habe ich den Rest des Montags über mein Whisky-Tier diskutiert, das ich – damit hier keinesfalls Unklarheiten entstehen – sehr liebhabe, gerade weil sie so ist, wie sie ist: irre niedlich! Antke jedenfalls hat schließlich das perfekte Wort gefunden, um das verrückte, „monkische“ (neurotische) Wesen meines Hundes zu beschreiben. Whisky ist nicht verrückt, nur weil sie keinerlei Veränderungen mag. Sie ist: strukturkonservativ. Das passt. Danke, Antke!

Fußnoten:

*) Die medizinischen Informationen in meinem Beitrag habe ich aus dem gerade auf der ABCD-Homepage veröffentlichten ArtikelEpilepsie beim Border Collie“ von Sandra Gierling.

**) Studien zur Epilepsie beim Border Collie laufen an der Ludwig-Maximilians-Universität München, an der Universität Bern, an der Universität Helsinki und an der TiHo Hannover.

6 Kommentare

  1. Hallo Inka,
    strukturkonservativ passt! :-)) Sie hatte ja schon immer so ihre „Phase“, der Whisky…
    Auch wenn sie rein gar nichts mhr von mir wissen möchte: streichel sie mal von mir!
    Birte

  2. So wie ich sie kennen gelernt habe, denke ich, sollte sie weiterhin gründlich neurologisch untersucht werden. Sie hatte immer so Momente, wo man sagen könnte, bei ihr „hakt etwas aus“, denn es kam immer so aus heiterem Himmel. Verhaltensstörungen hat sie mit Sicherheit auch, weil sie nie so konnte wie sie wollte, sprich: nie so ausgelastet war, wie es ihrer Natur entspricht. Wäre schon schön, wenn man es heraus bekäme und ihr wenigstens durch Medikamente helfen könnte, die Gute! Auch von mir eine sanfte Streicheleinheit!

  3. @Elisabeth: Eine Macke hat das Whisky-Häschen auf jeden Fall, aber das macht sie zu dem liebenswerten Hund, der sie ist. Was weitere Untersuchungen angeht: Ich werde sie nicht für knapp 800 Euro unter Narkose in die Röhre schieben lassen, um ihren Kopf von innen zu sehen. Ihre Aussetzer sind dafür nicht häufig genug und vor allem nicht schlimm genug. Ich beobachte sie aber weiter gut. Seit gestern wird sie wieder komisch, verkriecht sich, etc. Mal gucken…

  4. Hallo Inka,
    ich habe auch 2 Borderclowns ;-) da mein Rüde „etwas problematisch“ bei anderen Rüden ist. Habe ich mir immer gesagt…. meine Hunde sind wie ich.. Einzigartig ;-) Ich wünsch dir alles gute für die kleine Maus.
    liebe Grüße aus München/ Augsburg an die Heimat

    Fio

  5. Hallo Inka,
    ich habe auch einen Epihund. Im Moment ist er anfallsfrei und bekommt Medikamente.
    Seine Anfälle sind immer aus dem Schlaf heraus.
    Aber ein Epihund hat trotzdem Spaß am Leben.
    Wir machen DD und Trickdog.
    Ich wünsche dir und Whisky alles Gute und das die Anfälle weg bleiben.

    tschüssi Diana & Amun aus Aschersleben

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