Zickenterror. Aua!

Also, den Start ins Wochenende hatte ich mir ja ganz anders vorgestellt. Erst macht sich der Winter vom Acker und hinterlässt matschige Wege. Und dann fahre ich mittags statt zum verabredeten großen Hundespaziergang erst mal in die Tierklinik am Osterwald, weil meine alte Hündin vom Zickenquartett meiner Nachbarin angeknabbert wurde.

Schlafen, um zu vergessen: Grappa.

Schlafen, um zu vergessen: Grappa.

Ja, das ist mein Bett, in dem meine Maus da liegt und schläft. Ja, ich habe schon mal gehört, dass Hunde nicht ins Bett gehören. Denn der Alpha-Wolf teilt sein Lager nicht mit Rangniederen. Noch bis in die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts rieten Hundetrainer unisono, alle Hundebesitzer müssten die Alpha-Position in ihrem jeweiligen „Rudel“ einnehmen. Andernfalls werde der Hund dominant. Humbug. Diese Theorie ist überholt, außerdem ist ein Hund ein Hund und kein Wolf – amüsant nachzulesen bei Barry Eaton in „Dominanz – Tatsache oder fixe Idee?“.

Also, noch mal: Ja, meine Maus darf in meinem Bett liegen und schlafen. Dort fühlt sie sich jetzt am wohlsten. Ihr tut alles weh. Sie hat Kratzer und blaue Flecken am ganzen Körper, ein Loch in der rechten Schulter, das ich im ersten Moment für die schlimmste Verletzung hielt, die sie bei dem Beißunfall davongetragen hat; vor allem aber hat sie einen Riss im rechten Oberschenkel, der jetzt von fünf Klammern zusammengehalten wird, am linken Innenschenkel wurde die Haut leider auf einer nahezu handtellergroßen Fläche vom Fleisch losgerissen – Raubtiere mit Fangzähnen sind unsere Stubenwölfe dann eben doch noch. Gut, dass ich Blut sehen kann.

Und gut, dass meine inzwischen elf Jahre alte Maus so zäh ist. Grappa ist Stammkunde beim Tierarzt. Ihre letzte OP ist noch keine zwölf Wochen her. Ein doofer Unfall am Samstagmittag. Damals bin ich mit Grappa in die Kleintierklinik Hannover gedüst. Ich denke, dass ich allein mit den Verletzungen und Krankheiten, die meine Maus in ihrem Leben bisher hatte, einen Gutteil des Tiermedizinstudiums absolviert habe. Doch davon vielleicht später mehr.

Die Beißerei heute ärgert mich, denn sie war wirklich nicht nötig. Purer Zickenterror. Abgespielt haben dürfte sich etwa Folgendes: Grappa allein auf dem Hof, springt über den Zaun zu den Schafen, um sich mit Schafkötteln den Bauch vollzuschlagen. Dann kommt sie zurück, als gerade das Rudel der Nachbarin den Hof stürmt. Das Zickenquartett, zusammen gerade mal so alt wie Grappa, findet es unerhört, dass Grappa bei den Schafen war, und teilt ihr dies unmissverständlich mit. Aua!

Als Grappa noch jung war, war sie selbst die größte Zicke. Auf der Hundewiese in der Eilenriede war sie in den ersten Jahren ihres Lebens als Piranha und die Klapperschlange bekannt. Heute jedoch ist sie die souveräne Rudelführerin in meinem Chaosquartett. Als Chefin hat sie jetzt zehn Tage Urlaub. Denn so lange muss sie einen Kragen tragen, um sich nicht selbst vorzeitig die Klammern aus dem Pelz zu ziehen.

Ein Kommentar

  1. Erst jetzt gelesen und musste unbedingt meinen Senf dazutun… Ich empfehle: Wölfisch für Hundehalter: Von Alpha, Dominanz und anderen populären Irrtümern von Günther Bloch und Elli H. Radinger.

    Da steht z.B. drin, dass diese so genannten „Alphas“ als Rudeltiere eben nicht gerne alleine liegen… Gruppenkuscheln ist doch auch viel schöner. ;)

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